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Auferstehung der Toten
Wir bekennen die Auferstehung
der Toten. Vorher haben wir uns schon mit einer anderen Auferstehung,
nämlich mit der Jesu Christi beschäftigt. Sie hängt
mit dem Thema dieses Abschnitts untrennbar zusammen. Christus ist
vor ca. 2000 Jahren auferstanden. Unsere Auferstehung steht dagegen
noch aus. Sie wird erst noch kommen.
Verstehen können
wir die kommende Auferstehung am ehesten durch einen Blick auf Jesus
Christus. Er ist nicht nur wahrer Gott, sondern genauso wahrer Mensch,
ja sogar der Mensch schlechthin. Der einzige Mensch, der genau so
Mensch ist wie Gott ihn gewollt hat, ist Christus, der einzige Mensch
ohne Sünde. Seine Auferstehung zeigt, dass Gott nicht will,
dass der Mensch dem Tod unterworfen ist. Sie macht deutlich, dass
die Macht des Todes damals gebrochen wurde und dieser die Menschen
nur noch zeitlich begrenzt unter Kontrolle halten kann. Nicht umsonst
nennt Paulus Christus den Erstgeborenen von den Toten. Der Erstgeborene
ist zwar der erste, und damit etwas Besonderes, aber dennoch werden
die weiteren Söhne und Töchter in ähnlicher Weise
geboren.
In der Schrift finden
wir keine Schilderung der Auferstehung Jesu. Bei diesem Ereignis
war niemand dabei. Er lag zu diesem Zeitpunkt allein im Grab. Wir
haben aber Zeugnisse der Begegnung mit dem Auferstandenen. Die vermutlich
ältesten stehen in den Schriften von Paulus. Er stellt klar,
dass der Auferstandene vielen Jüngern erschienen ist. Für
das Verständnis unserer Auferstehung besonders wichtig sind
die Zeugnisse der Evangelien. Dort finden wir Hinweise, dass Jesus
mit seinen Jüngern nach der Auferstehung Mahl hielt, dass er
mit ihnen aß, und bei Johannes sogar, dass er dem zweifelnden
Thomas anbot, ihm doch die Hände in die durchbohrte Seite zu
legen. Jesus erschien nicht einfach als Geist, sondern mit seinem
Leib. Dieser gehört eindeutig zu ihm. Und es war nicht einfach
ein völlig neuer Leib; denn das Grab Jesu war leer. Dort lagen
nur noch die Tücher, mit denen man ihn begraben hatte. Das
ist in den Evangelien selbstverständlich, und auch wenn einige
sogenannte Exegeten selbst das leere Grab bestreiten, so sind diese
Zweifel eher eine neue Erscheinung. Es wäre zu erwarten gewesen,
dass man sie, wenn sie zutreffen würden, schon wesentlich früher,
nämlich in der Antike, geäußert hätte, um dem
Christentum schon kurz nach seiner Geburt den Gar auszumachen. Vermutlich
wäre, wenn diese Vorwürfe glaubhaft wären, das Christentum
nie über Jerusalem hinaus gekommen.
Die leibliche Auferstehung
Christi gibt uns einen wichtigen Hinweis für das Verständnis
unserer noch ausstehenden Auferstehung: Auch da ist der Leib miteinbezogen.
Sie ist mehr als ein Weiterleben der Seele. Es geht um den ganzen
Menschen, nicht nur um einen Teil davon. Der Glaube an eine unsterbliche
Seele war in der Antike nichts Besonderes. Ein Beispiel dafür
ist Platons Phaidon. Aber die Auferstehung des ganzen Menschen war
in der antiken Welt etwas Neues, ja sogar etwas, das den Vorstellungen
der damaligen Philosophen widersprach.
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Der Glaube an die Auferstehung
des ganzen Menschen verändert das Menschenbild grundlegend. Durch
die Einbeziehung des Leibes wird dieser sehr hoch geschätzt.
Während er in der Antike oft als lästiges Anhängsel
des Menschen galt, sogar als Grab der Seele, wird er im Christentum
immens aufgewertet. Denn das Beispiel Jesu zeigt, er gehört ein
für allemal und für immer zum Menschen. Gott hat den Menschen
mit einem Leib gewollt. Ja in Christus, der wahrer Gott und wahrer
Mensch ist, ist ein Leib untrennbar mit dem dreieinen Gott geeint.
Die Verachtung des Leibes widerspricht dem christlichen Glauben. Diese
Einsicht war der Christenheit nicht immer präsent und auch heute
hat sie sich noch nicht überall herumgesprochen, aber sie ist
eine Folge des Glaubens an den Auferstandenen. Dennoch bietet der
christliche Glaube auch keinen Grund, die augenblicklichen Probleme
des Leibes zu verharmlosen. Dieser ist genauso von der Sünde
betroffen, wie der übrige Mensch auch. Und wie sehr gerade der
Leib von Mühsal, Krankheit und Leid betroffen ist, ist jedem
einsichtig, der sich in der Welt auch nur ein wenig umsieht. Durch
den Leib wird der Mensch sicher nicht gerettet, genauso wenig übrigens
durch die Seele, sondern allein durch Christus, unserem Retter.
Aber gehören unsere
menschlichen Leiber überhaupt in den Himmel? Passen sie dorthin?
Sie machen doch einen sehr irdischen Eindruck. Und gelegentlich sind
wir mit ihnen auch weniger gesegnet als vielmehr geplagt. Wäre
eine nicht-leibliche Auferstehung nicht besser? Das wäre dann
richtig, wenn wir unsere körperlichen Probleme einfach mit in
den Himmel nehmen würden. Doch gibt es in der Schrift genügend
Hinweise, dass unser Leib nicht so bleiben wird, wie er jetzt ist.
Paulus spricht, was immer er damit meint, von einem "geistlichen
Leib". Jesus geht als der Auferstandene durch die verschlossenen
Türen. Und wenn Krankheit und Tod Früchte der Sünde
sind, dann sind sie mit deren Überwindung ebenfalls verschwunden.
Unser Leib wird in die kommende Herrlichkeit miteinbezogen werden.
Er wird zu etwas Wunderbarem werden, aber dabei zugleich er selbst
bleiben. Er gehört zu dem Herrlichen, das Gott für uns bereitet,
und das alles weit überschreitet, was wir uns vorstellen können.
Thomas
Gerold
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