Aufgefahren
in den Himmel; er sitzt zu Rechten Gottes des allmächtigen Vaters
Die Himmelfahrt Jesu stellt
den heutigen Menschen oft vor besondere Probleme. Manche fragen: "Wie
kann man heute im Zeitalter der Raumfahrt noch an eine Himmelfahrt
glauben? Früher mag so eine Vorstellung naheliegend gewesen sein.
Man glaubte schließlich, Gott wäre im Himmel über
uns. Eben in dem Himmel, den wir mit unseren Augen sehen." Ob
es früher ganz so einfach war, können wir ruhig dahingestellt
lassen. Wir sind oft in Gefahr die früheren Generationen zu unterschätzen.
Aber zumindest für viele Menschen war früher tatsächlich
der sichtbare Himmel der Himmel, in dem Gott in seiner Herrlichkeit
herrscht. Heute haben wir immer noch die Vorstellung eines solchen
Himmels, an dem Gott in besonderer Weise gegenwärtig ist, aber
er ist vom physischen Himmel getrennt. Es ist sogar fraglich, inwieweit
das Wort "Ort" dafür angemessen ist. Für die Alten
gab es diese Trennung nicht unbedingt. Für sie war es nicht nötig
zwischen dem Himmel über uns und dem Ort bzw. dem Zustand der
besonderen Präsenz Gott zu unterscheiden. Das machte es früher
leichter, sich dieses Unvorstellbare vorstellbar zu machen. Der herrliche
Himmel über uns verwies damit noch deutlicher als für uns
auf den noch weitaus herrlicheren Himmel, auf die Herrlichkeit Gottes.
So konnten sich die früheren Generationen auch den eigentlichen
Inhalt der Himmelfahrt Christi besser vorstellbar machen: Mit einer
Himmelfahrt in den physischen Himmel konnten sie Jesu Gang zum Vater
verstehen. Hier können wir getrost offenlassen, ob sich Christus
selbst ebenfalls dieser Vorstellungswelt bediente und sich so, wie
in der Beschreibung in der Apostelgeschichte verabschiedete. Auch
er musste schließlich auf die Denkweise seiner Jünger Rücksicht
nehmen, um von ihnen verstanden zu werden. Ausschließen würde
ich es keinesfalls. Aber das Zentrum ist: Christus ist zum Vater gegangen.
Zum Schöpfer des Himmels und der Erde. Zu dem, der ihn auf Erden
gesandt hat. Das macht auch der nächste Satz deutlich: "Er
sitzt zur Rechten Gottes, des allmächtigen Vaters." Er ist
da, wo der Vater ist.
Jesu Himmelfahrt sein Beim-
Vater- Sein zeigt, was der Mensch ist - geschaffen für die Gemeinschaft
mit Gott - und wie wichtig er für Gott ist. Es zeigt, dass Gottes
Ja zum Menschen nicht widerrufen wird. Vor seiner Himmelfahrt ist
Christus schließlich auferstanden und zwar mit seinem Leib.
Er hat seinen Leib nicht abgelegt. Seinen Leib hat er zum Vater mitgenommen.
Wie er dies getan hat, wissen wir nicht. Die menschliche Vorstellungskraft
ist zu klein, um Gottes Handeln immer ganz zu verstehen. Aber er hat
es getan. Und Christus hat nicht nur seinen Leib mitgenommen, sondern
sein ganzes Menschsein. Die Menschwerdung wurde gerade nicht rückgängig
gemacht. Christus der Mensch ist genauso beim Vater wie Christus der
Gott. Ein Mensch ist zum Vater gegangen. Ein Mensch ist ganz mit ihm
vereint. Er sitzt zur Rechten des allmächtigen Vaters. Von dort
wird er alle an sich ziehen (was bei Johannes von Christi Erhöhung
am Kreuz gesagt wird).
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Dennoch ist der Leib Christi
aber auf jeden Fall auch hier auf Erden. Weil der Leib aus uns besteht.
Wir, die Glieder seines Leibes, sind hier. Wir Christen sind sein Leib
und doch ist Christus beim Vater. Er ist unser Haupt, wir gehören
ganz zu ihm, zu ihm, der ganz beim Vater im Himmel ist. Damit sind auch
wir dort präsent. Der, zu dem wir ganz gehören, ist dort beim
Vater. Das ist vielleicht der stärkste Hinweis, dass er uns nachholen
wird. Unser eigentlicher Platz ist dort und nicht hier. Christi Beziehung
zu diesem Leib, der aus uns besteht, wird von uns Christen heute zu
leicht verdrängt. Gerade im Hinblick auf seine Himmelfahrt liegt
es nahe, in Christus nur den Fernen zu sehen. Aber er ist nicht nur
fern, er ist zugleich ganz nah. Er sagt uns: "Ich bin bei euch
alle Tage bis zum Ende der Welt" (Mt 28,20) So nah, dass wir eben
sogar als Leib zu ihm gehören. Das ist vielleicht zu nah, um ihn
so einfach zu erkennen. Ähnlich wie wir auch uns selbst am schlechtesten
sehen, weil wir uns selbst zu nah sind. Und doch wird mit seiner Nähe
nicht bestritten, dass Christus im Himmel ist. Unser Haupt ist dort
und zugleich sind wir ihm nah. Letztendlich hat mit Christus die strikte
Trennung zwischen beiden aufgehört. Wir gehören zu dem, der
im Himmel ist, und der zur Rechten des Vaters sitzt.
Thomas Gerold
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dort wird er kommen, zu richten die Lebenden und die Toten
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