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Wir bekennen Gott als den
allmächtigen. Was aber ist allmächtig? Kann Gott alles? Gibt
es nicht so vieles in der Welt, was er besser machen könnte?
Wir kennen die Möglichkeiten
Gottes nicht genau. Sie übersteigen unser Denken. Er kann mehr,
als wir uns vorstellen können. Was er tut, übertrifft unsere
Vorstellungskraft.
Eine Grenze seiner Macht,
dürfte aber in der Widersprüchlichkeit unserer Wünsche
liegen. Wollen wir Freiheit oder jemanden, der uns vollständig
kontrolliert und uns vor jeder Dummheit behütet? Wenn wir Freiheit
wollen, müssen wir damit leben, dass sie auch missbraucht wird.
Wenn Gott es uns ermöglicht, uns mit unseren Armen entweder gegenseitig
zu umarmen oder zu schlagen, dann können wir eben beides. Damit
müssen wir dann leben. Damit muss dann auch Gott leben. Er kann
uns nicht gleichzeitig die Freiheit geben und vorenthalten. Er steckt
in dem gleichen Dilemma wie die irdischen Väter und Mütter.
Damit die Kinder zu Persönlichkeiten wachsen können, brauchen
sie Freiheit. Sie dürfen nicht vollständig kontrolliert werden.
Ein Beispiel - vielleicht das Beispiel schlechthin - für Gottes
Umgang mit den bösen Taten der Menschen ist der Tod Jesu. Gott
hat ihn nicht vor der Kreuzigung gerettet, aber er hat ihn von den Toten
auferweckt. Gott hat das menschliche Böse auf eine die menschlichen
Erwartungen übertreffende Weise besiegt.
Die Freiheit seiner Geschöpfe
dürfte die eine große Grenze von Gottes Macht sein. Die andere
ist die: er muss uns so etwas wie eine feste und berechenbare Welt geben.
Nur darin können wir uns bewegen und zurecht finden. Würde
uns die Wand einmal durchlassen und gleich darauf nicht, dann könnten
wir uns nicht zurecht finden. Er mag diese festen Gesetzte durchaus
manchmal durchbrechen - vielleicht sollten wir besser sagen übertreffen
- aber andauernd kann er dies nicht tun. Er gleicht hier wieder den
irdischen Vätern und Müttern. In der Familie gibt es feste
Regeln. Z. B. die, dass die Kinder zu einer gewissen Zeit schlafen müssen.
Aber im Ausnahmefall, z. B. an Silvester, darf das Kind länger
wach bleiben. Auch Gott kann Ausnahmen machen. Vielleicht als Zeichen
seiner Gegenwart. Aber sie können nicht zur Regel werden.
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Manchmal fragen wir uns natürlich,
ob Gott nicht unverantwortlich handelt, wenn er Menschen wie uns Freiheit
gibt. Wir sehen ja, was dabei heraus kommt. Die Menschen nutzen die
Freiheit, um sich allergrößtes Leid anzutun. Beim Lesen der
Geschichtsbücher oder beim Blick in die Fernsehnachrichten hat
man das Gefühl, das wäre die Hauptbeschäftigung der Menschheit.
Kann es richtig sein, dem Menschen diese Macht zu geben? Es erscheint
uns auf den ersten Blick undenkbar, aber wir wissen nicht, was er alles
mit uns Menschen vor hat. Er ist der Allmächtige. Aber er ist nicht
nur allmächtig, sondern auch unser guter Vater. Vielleicht ist
das, was er mit uns vorhat, so großartig, dass es all unser irdisches
Leid rechtfertigt. Das soll nicht heißen, Gott würde Menschen
für ein höheres Ziel opfern. Er sorgt sich um jeden einzelnen.
Er kann den Weg eines jeden Menschen, der sich auf ihn einlässt
an das Ziel, das vielleicht erst Anfang des wahren Lebens ist, führen.
Wir können beruhigt
sein; denn unser Vater ist allmächtig. Es gibt keinen Feind - Krankheit,
Mensch oder Teufel - der auch nur annähernd so mächtig ist,
wie er. Gott kann uns helfen. Niemand kann ihn daran hindern. Er wird
uns helfen. Großartiger und besser als wir es uns vorstellen können.
Thomas Gerold
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