Den Schöpfer
des Himmels und der Erde
Gott hat Himmel und Erde
geschaffen. Himmel und Erde sind von Gott gemacht. Damit sind sie gut.
Auch der Mensch gehört zu dieser Schöpfung und ist damit etwas
Gutes. Der Christ kann nicht anders als die Schöpfung zu bejahen,
denn der gute Gott hat sie gemacht.
In der Frühzeit des
Christentums wurde dies von den sogenannten Gnostikern bestritten. Sie
hielten die Schöpfung für etwas Schlechtes. Man behauptete
sogar, es gäbe einen zweiten Gott, einen bösen Schöpfergott,
der die Welt geschaffen hätte. Doch die Kirche sah das damals schon
anders. Sie bekannte und bekennt seitdem ausdrücklich Gott als
den Schöpfer.
Dass Gott uns und alles andere
geschaffen hat, ist ein Grund dankbar zu sein. Alles, was wir sehen,
geht auf Gott zurück. Er hat Sonne, Mond und Sterne, die uns leuchten,
geschaffen. Ohne ihn gäbe es kein Licht. Wenn wir sehen, haben
wir Grund ihm zu danken. Er hat die Luft geschaffen, die wir atmen.
Er hat das Wasser geschaffen, das wir trinken. Er hat durch einen viele
Milliarden Jahre langen komplizierten Prozess Menschen geschaffen, die
uns lieben können und die wir lieben können. Alles Gute hat
Gott geschaffen. Wir haben andauernd Grund ihm zu danken und ihn zu
preisen.
Die Schöpfung ist gut.
Doch dürfen wir sie deshalb nicht ins Zentrum stellen. Sie ist
gut, doch Gott ist besser. Das darf nicht dazu führen, dass wir
- weil es mit Gott etwas noch besseres gibt - sie verachten. Aber wir
dürfen uns auch nicht auf sie beschränken, sondern müssen
uns durch sie weiter zu ihrem Schöpfer leiten lassen. Gott ist
ja ihr Schöpfer. Er, der die Liebe ist, hat sie gemacht. Er ist
viel größer und herrlicher als sie. Mit der Schöpfung
hat er uns eine Hilfe gegeben ihn zu finden.
Könnten wir ihn, das
Licht in dem keine Finsternis ist, auch nur erahnen, wenn er uns nicht
das Sonnenlicht geschaffen hätte? Könnten wir Gott, den Vater,
verstehen, wenn er uns nicht irdische Väter und Mütter geschaffen
hätte? Das irdische Licht, die irdischen Eltern und viele seiner
anderen Werke sind nur schlechte Bilder ihres göttlichen Vorbilds,
dennoch helfen sie uns so auf dem Weg zu Gott. Ohne sie könnten
wir uns nur schwer Gott nähern. Mit der Schöpfung hat Gott
uns geradezu eine Leiter zu ihm gebaut. Auch wenn wir sie nur mit seiner
Hilfe benutzen können, ist sie ein Teil seines Plans uns zur vollen
Gemeinschaft mit ihm zu führen. Er hat seine Schöpfung auch
dafür geschaffen, um uns, seine geliebten Geschöpfe, zur ewigen
Gemeinschaft mit ihm und untereinander zu führen. Er liebt uns
so sehr, dass er seine Schöpfung auf uns abgestimmt hat.
Die Schöpfung hat aber
auch Schwächen. Bei einem der Teil der Schöpfung liegt der
Grund klar auf der Hand, nämlich bei uns selbst. Wir sind nicht
so gut, wie wir sein könnten. Wir richten vieles an, was wir besser
machen sollten. Wir zerstören unsere Umwelt, wir lieben uns mehr
als die Mitmenschen, ja wir hassen sie manchmal sogar. So machen wir
uns und ihnen das Leben schwer. Wir Menschen sind ein Teil des Problems.
Bei aller Einsicht in die Schlechtigkeit des Menschen, dürfen wir
aber nicht den Fehler machen, den Menschen für ganz schlecht zu
halten. Er ist und bleibt Werk Gottes. Auch gibt es nichts, was wirklich
zum Menschen gehört, was schlecht wäre. Das gilt z. B. auch
für die menschliche Sexualität. Sie ist von Gott geschaffen.
Nicht umsonst ist die Ehe keine menschliche Einrichtung, sondern von
Gott geschaffen. Nur das Böse ist ganz schlecht. Es ist die Entscheidung
des Geschöpfs gegen den Schöpfer. Es ist die Entscheidung
des Menschen gegen Gott. Es ist der Ausstieg aus der liebenden Gemeinschaft
mit Gott und den Mitmenschen. Es ist die Übersteigerung des eigenen
Selbst und damit die Entscheidung gegen alles andere. Das ist das Böse.
Auch wenn wir es in jedem Menschen finden, so gehört es nicht zu
ihm. Es verdirbt den Menschen. Wir müssen es überwinden. Unsere
Aufgabe ist es nicht, den Menschen wegen seiner Schlechtigkeit zu verachten,
unsere Aufgabe ist es Gottes Willen zu entsprechen und gut zu sein.
So gut wie wir es irgendwie schaffen.
Bei allem Nachdenken über
das Schlechte im Menschen sollten wir nicht verzweifeln. Wenn wir nämlich
nach dem Guten im Menschen suchen, werden wir genauso fündig. Es
gibt viel Gutes im Menschen. Die Meisterhand Gottes lässt sich
durchaus noch erkennen. Ein Ausspruch von George MacDonald mag hilfreich
sein: "Gott ist schnell zu erfreuen, aber schwer zufrieden zu stellen."
Zufrieden ist er mit unserem Zustand noch nicht. Aber er freut sich
über alles, was gut geht. Und wir dürfen uns mit ihm über
das Gute in uns Menschen freuen.
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Bei anderen Teilen der Schöpfung
haben wir mehr Probleme. Vieles kann schlechtes bewirken, obwohl es
doch an sich gut ist. So schön und beeindruckend die Berge sind,
warum müssen in ihnen Menschen sterben? So wunderbar der Anblick
der Bäume ist, warum müssen sie im Sturm Menschen erschlagen?
Hier stehen wir vor Rätseln. Gibt es mehr Wesen - die Tradition
denkt hier oft an den Satan, ein ursprünglich gut geschaffenes
Wesen, das sich gegen das Gute entschieden hat - , die ihre Freiheit
missbrauchen und die Schöpfung verderben, obwohl sie gut sein könnten?
Oder liegt es an Notwendigkeiten, die auch für Gott gelten? Muss
er nicht die Möglichkeit sich für das Böse zu entscheiden
gewähren, damit sich Menschen frei für oder gegen ihn entscheiden
können? Muss er nicht Gefahren schaffen, damit sich Menschen in
der Auseinandersetzung damit zu Persönlichkeiten entwickeln können?
Muss er nicht von vielem Guten nur eine begrenzte Menge machen, wenn
er uns die Möglichkeit geben will, im gegenseitigen Beschenken
ein Handeln aus Liebe einzuüben? Möglichkeiten gibt es hier
viele. Doch wer wollte behaupten diese Frage wirklich zu beantworten.
Beim menschlichen Bösen verstehen wir die Probleme nur ungefähr.
Wir haben eine Ahnung, aber die Hartnäckigkeit, mit der sich die
Menschen an das Böse klammern, bleibt unverständlich. Nun
sind wir selbst Menschen und wissen so ungefähr, wie es ist, ein
Mensch zu sein. Bei der übrigen Schöpfung fehlt uns dieses
Wissen. Wie sollten wir da mit unserem Verstand all zu weit kommen?
Aber die oben erwähnten Überlegungen zeigen auf, wo Ansätze
für eine Lösung liegen können. Das ist viel. Und meist
zeigt er sich ja von der Seite, die wir klar als sehr gut erkennen.
Z. B. in der Schöpfung und in der Offenbarung durch Christus. Wenn
wir dann auch noch erste Ahnungen einer Lösung für die bleibenden
Probleme haben, dann ist es genug, um darauf zu bauen, dass Gott Gründe
hat, die uns eines Tages zufrieden stellen werden.
Noch ist Gottes Werk auch
noch nicht beendet. Nach christlicher Überzeugung steht die Vollendung
der Welt noch aus. Wie deutlich sehen wir das nicht an uns? Wir wissen,
dass wir noch verbesserungswürdig sind. Gelegentlich stellen wir
auch an uns fest, dass wir es schaffen uns weiterzuentwickeln. Warum
sollte es mit der übrigen Schöpfung anders aussehen? Vielleicht
ist die übrige Schöpfung für uns sogar so etwas wie eine
Aufgabe. Sie ist uns - soweit unsere Möglichkeiten reichen - anvertraut.
Wir können sie so gestalten, wie wir glauben, dass es Gottes Willen
entspricht. Und Gott meint mit gestalten sicher nicht zerstören.
Diese menschliche Aufgabe, diese große Verantwortung, gilt es
besser wahrzunehmen. Dann können wir uns vielleicht noch besser
als jetzt, über die Schöpfung freuen.
In und als Teil der Schöpfung,
die uns als Geschenk und Aufgabe gegeben ist, dürfen wir auf unseren
himmlischen Vater hoffen. Wir dürfen erwarten, dass er alles vollenden
wird. Solange diese Vollendung noch aussteht, dürfen wir uns über
das Wunderbare freuen, was uns geschenkt ist. Wir dürfen uns darin
entfalten. Wir dürfen und müssen die Welt gestalten. Soweit
wir es eben können. Wir können selber daran arbeiten das Gute,
das Gott geschaffen hat, ein bisschen besser sichtbar zu machen. Gott
hat uns diese Welt dafür anvertraut. Er lässt sie uns gestalten
und bewahren. Welch große Herausforderung! Welch großes
Vertrauen Gott ins uns gesteckt hat! Weiter dürfen wir Gott als
Schöpfer bekennen. Wir dürfen uns an seiner Schöpfung
freuen. Wir müssen versuchen so zu leben, wie er uns will. Das
dürfen wir in dem Wissen von ihm, der uns und seine ganze Schöpfung
ins Leben geliebt hat, geliebt zu werden. Wenn wir uns dessen bewusst
sind, wird es uns Kraft schenken auf Gott hin zu leben, es wird uns
helfen diese Liebe zu erwidern und sie weiterzuschenken, und es wird
uns Hoffnung auf diese Liebe schenken, die allen Widrigkeiten trotzen
kann. Der Schöpfer hat uns ins Leben geliebt. Das ist Grund zur
Freude.
Thomas Gerold
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