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Den Vater
Im Credo bekennen wir unseren
Glauben zu Gott, dem Vater. Damit beanspruchen wir eine unerhört
nahe Beziehung zu ihm. Welcher Mensch ist näher als Vater und Mutter?
Sie sind, wenn es gut geht, von Anfang an in unserem Leben. Sie ermöglichen
unser Leben erst. Sie sorgen für uns. Und das in jeder Beziehung.
Sie geben uns Nahrung, Zuwendung und Erziehung.
Wie kommen wir dazu ausgerechnet
zu Gott Vater zu sagen? Wie können wir ausgerechnet ihn, Gott,
so nennen. Derjenige, der ihn am besten kennt, Christus, der von ihm
gekommen ist, hat uns gelehrt, ihn Vater zu nennen. Das Gebet, das er
uns gelehrt hat, das "Vater unser", beginnt mit diesen Worten.
Die meisten Christen beten es täglich. "Vater unser"
ist keine bloße Anrede, es ist der Ausdruck der tiefsten Beziehung,
die uns bestimmt. Nach dem Zeugnis Christi ist Gott uns näher als
der eigene Vater, er ist im wahrsten Sinne des Wortes unser Vater. Diese
Beziehung bestimmt uns ganz und gar.
Zunächst einmal bedeutet
Gottes Vater sein, daß er uns nahe ist. Wir dürfen jederzeit
zu ihm kommen. Wir dürfen zu ihm beten, wir dürfen ihm unsere
Wünsche und Nöte sagen. Welcher Vater würde wünschen,
daß ihm seine Kinder ihre Nöte verschweigen? Er ist nicht
der ferne Herrscher, bei dem wir fürchten müßten ihn
zu belästigen. Er ist uns nahe. Jesus fordert uns sogar ausdrücklich
dazu auf, mit unseren Bitten zum Vater zu gehen.
Außerdem dürfen
wir ihm voll und ganz vertrauen. Er, unser Vater, wird uns nicht im
Stich lassen. Bei Gott können wir das sogar besser, als bei unseren
irdischen Eltern. Sie sind Menschen mit Fehlern, wie auch wir. Wir erfahren
an uns selbst täglich wie begrenzt unser Verstand und unser guter
Wille sind. Aber Gott, der Vater ist ohne Fehler. Er ist der wahre Vater,
den die irdischen Väter ein bißchen nachahmen. Keiner davon
kann ihn erreichen, aber immer wenn es ein wenig gelingt, dann wissen
wir, wie Gott zu uns ist. Dann sind Menschen wirklich Bilder Gottes.
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Unser himmlischer Vater ist
manchmal auch unverständlich. Das kennen wir von unseren irdischen
Vätern, wie wir sie von unserer Kindheit her kennen, auch. Welches
Kind hat nicht Probleme manche Entscheidungen der Eltern zu verstehen?
Wer wird schon gern abends ins Bett geschickt, wer verzichtet schon
freiwillig auf Süßes, und später würde man manchmal
auch gern länger schlafen, als in die Schule zu gehen. Da ist es
gut, wenn sich die Eltern durchsetzen. Und trotz allem erklären,
verstehen die Kinder nicht alles. Die Eltern müssen manchmal so
handeln, wie es dem Kind nicht gefällt. Das ist bei Gott nicht
anders. Nur können wir bei ihm davon ausgehen, daß er mehr
weiß als unsere irdischen Eltern. Er wird keine Fehler machen.
Er wird uns auch in den hoffnungslosen Situationen nicht im Stich lassen,
sondern zu uns halten. Gerade in den schwierigen Situationen zeigt sich
unser Vertrauen in ihn. Wie Christus am Kreuz. Er war in der schrecklichsten
Situation, die man sich vorstellen kann. Aber auf die Dunkelheit des
Todes folgte das Licht der Auferstehung. Warum sollte es bei uns anders
sein?
Das alles gilt nicht nur
für jeden einzelnen für uns. Er ist unser gemeinsamer Vater.
Damit sind wir nicht nur in irgendeiner übertragenen Beziehung
Brüder und Schwestern, sondern wir sind es wirklich. Wir können
nicht sagen, der andere geht uns nicht an. Unser wahrer Vater ist Gott,
unser gemeinsamer Vater. Damit stehen wir vor einer doppelten Herausforderung.
Zwei große Beziehungen gilt es zu leben, die zu unserem Vater,
und die zu den Brüdern und Schwestern. Beide verwirklichen wir
ein bißchen. Ich glaube nicht, daß Gott will, daß
es auf die Dauer bei dem bißchen bleibt. Er will, daß wir
sie so gut verwirklichen, wie es nur geht. Damit erwartet er sehr viel
von uns. Aber ich bin davon überzeugt, daß er weiß,
wann wir überfordert sind. Und dann wird unser Vater uns helfen,
wenn die Zeit dafür gekommen ist. Bemühen wir uns, wirklich
seine Kinder zu sein.
Thomas Gerold
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