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Die
Heilige Katholische (Christliche) Kirche
Im Glaubensbekenntnis bekennen
wir uns zur heiligen und katholischen (bzw. in der evangelischen Fassung
christlichen) Kirche. Nun stellt sich das Problem, dass das Wort "katholisch"
heute nicht hundertprozentig genauso verwendet wird wie in den ersten
Jahrhunderten der Christenheit, aus denen unser Bekenntnis stammt. Heute
wird "katholisch" zunächst als Bezeichnung einer Konfession
verstanden, oft als ein Name ohne besondere Bedeutung. Ähnlich
wie beim Namen Müller heute auch niemand mehr daran denkt, dass
der Name eine Bedeutung hat. Dieses Verständnis hat sich in einer
ganz bestimmten Situation herausgebildet, nämlich im Auseinanderbrechen
der Christenheit in verschiedene Konfessionen. Mit diesen Strömungen
wird oft - nicht nur bei "katholisch" - ein Begriff verbunden,
der von der eigentlichen Bedeutung her keine reine Konfessionsbezeichnung
ist. Ein Beispiel sind die Orthodoxen, die sind wörtlich übersetzt
die "Rechtgläubigen". Zu denen zu gehören, würden
wohl Christen aller Konfessionen beanspruchen. Oder die "Evangelischen".
"Evangelisch" im Sinne von auf das Evangelium aufbauend zu
sein, würden wiederum alle Christen beanspruchen. Und genauso verhält
es sich wiederum auch mit "katholisch". Hiermit ist die allumfassende
Kirche gemeint. Die eine Kirche Jesu Christi. Die Gemeinschaft derjenigen,
die zu Christus gehören, die an ihn glauben und auf ihn getauft
sind.
Nur wer gehört genau
und in welcher Weise zu dieser Kirche? Genau das ist zwischen den Konfessionen
umstritten. Die wohl eindeutigste Position hierzu hat die römisch-katholische
Kirche. Sie hat im Grunde genommen den Anspruch, selbst die Kirche Jesu
Christi zu sein. Sie beansprucht, direkt von Christus gegründet
zu sein, mit dem Papst als Nachfolger des Apostels Petri an der Spitze.
In der Vergangenheit wurden von ihr meist die anderen Christen als einzelne
Abgefallene bzw. die Gemeinschaften als Sekten angesehen. Diese Sicht
hat sich mit dem zweiten Vatikanischen Konzil geändert. Die Grundposition
ist gleich geblieben, nämlich dass die Kirche Jesu Christi in dieser
Kirche ganz verwirklicht ist, dass ihr also nichts fehlt, um voll und
ganz Kirche zu sein. Aber im Ökumenismusdekret des II. Vatikanums
- das ist seitdem die offizielle kirchliche Position - wird zumindest
anerkannt, dass bestimmte Elemente der Kirche Jesu Christi auch in den
anderen Konfessionen verwirklicht sind. Die neue Position ist also im
Grunde genommen die, dass die Katholiken ganz zur Kirche Jesu Christi
gehören, aber dass die anderen Christen in gewisser Weise auch
dazugehören, wenn auch nicht in perfekter Weise.
Die protestantische Auffassung
identifziert dagegen die eine "katholische" bzw. "allgemeine"
Kirche, wie es in der überwiegend im deutschen Protestantismus
verwendeten heutigen Fassung des Credos heißt, nicht mit einer
bestimmten einzelnen Konfession. Nach der protestantischen Auffassung
kann man nicht einfach an der Konfessionszugehörigkeit erkennen,
wer zu dieser einen Kirche gehört und wer nicht. Es ist die Gemeinschaft
derer, die wirklich zu Christus gehören, ganz gleich ob sie nun
nach unserem Sprachgebrauch Katholiken oder Protestanten sind. Hier
ist aber anzumerken, dass es zumindest in der Vergangenheit durchaus
auch Strömungen gab - und bis heute gibt -, die keinesfalls Katholiken
zu dieser einen Kirche Jesu Christi zählen würden. Aber in
dieser Beziehung hat sich im protestantischen Bereich zumindest ähnlich
viel getan wie im katholischen - im Sinne von römisch-katholisch
- auch.
Insgesamt hat sich gerade
im 20. Jahrhundert das Kirchenverständnis der Konfessionen zumindest
insofern angenähert, als Protestanten und Katholiken sowohl sich
gegenseitig als auch die Christen der weiteren Konfessionen in irgendeiner
Form zur Kirche Jesu Christi rechnen. Nicht immer gleichberechtigt,
aber immerhin. So ist ein Anfang gemacht. So führt der Wandel der
Einstellungen zu ökumenischer Zusammenarbeit, durch die sich die
verschiedenen Konfessionen einander wiederum näher gekommen sind.
Dies sind die Früchte einer Entwicklung, die sich erst im 20. Jahrhundert
deutlich abzeichnete. Vor diesem neuen Hintergrund können die konfessionellen
Auseinandersetzungen vergangener Jahrhunderte, die so viele Leben gekostet
haben, und bei denen auf beiden Seiten oft Menschen mit besten Absichten
beteiligt waren, nur tragisch erscheinen. So wird aber auch offenbar,
wie weit heute trotz aller Probleme die Fortschritte auf dem Weg zur
Einheit schon gediehen sind.
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Was bedeutet es nun für
den einzelnen Christen, an die Kirche zu glauben? Die erste große
Bedeutung, die wohl von den Christen fast aller Konfessionen akzeptiert
wird, ist der Verweis auf die Gemeinschaft. Christsein bedeutet nicht,
für sich allein glauben. Christsein ist eine Gemeinschaftsaufgabe.
Man ist mit den anderen Christen verbunden und ist aufeinander bezogen.
Dazu gehört auch, zusammenzukommen. Dazu gehört gemeinsames
Gebet, der gemeinsame Gottesdienst und die gegenseitige Hilfe. Ohne
die gäbe es heute auch keinen einzigen Christen, denn wenn die
heutige nicht von früheren Generationen vom Glauben erfahren hätte,
dann würden wir noch nicht einmal von der Existenz Jesu Christi
wissen. Vor diesem Hintergrund ist das Bekenntnis zur Kirche ein Bekenntnis
zur Gemeinschaft der Gläubigen. Das bedeutet, diese Zugehörigkeit
annehmen und sich einbringen. Gerade auch letzteres gehört zum
Christentum, das keine reine "Konsumentenreligion" ist, sondern
Mitarbeit verlangt - die ganze Person.
Noch eine Bemerkung zum Attribut
"heilig", das möglicherweise vielen mehr Schwierigkeiten
macht als "katholisch". Gerade von denen, die viele Christen
kennen, mag so mancher fragen, wie die Gemeinschaft der Christen heilig
sein könnte. "Heilig" im Sinne von moralischer Perfektion
sind die Christen sicher nicht. "Heilig" meint aber zunächst
das, was zu Gott gehört. In diesem Sinne ist die Kirche heilig.
Gott ist eigentlicher Herr der Kirche, Christus selbst ist ihr Haupt.
Die Menschen gehören zu ihr, aber sie gehört den Menschen
nicht wie etwas, das ganz alleine ihres wäre. Das ist die Überzeugung
der Christen, auch wenn es bei diversen innerchristlichen Auseinandersetzungen
und auch bei Auseinandersetzungen innerhalb einer Konfession oft allen
Beteiligten sehr schwer fällt, dies ernst zu nehmen und sich eben
niemals in ihrem Besitz zu meinen. Diese menschlichen Schwächen
ändern aber nichts an der Zugehörigkeit der Kirche zu Gott.
Nun gehört nicht nur
die ganze Gemeinschaft der Christen Gott, sondern auch jeder einzelne
davon. Jeder Christ ist in diesem Sinne heilig. Das mag als Anmaßung
erscheinen. Aber es ist die Realität. Ganz Gott zu gehören,
heilig zu sein, das ist die Bestimmung jedes Christen. Es mag einem
unmöglich vorkommen und doch ist es so. Das Bekenntnis kann uns
immer wieder daran erinnern: Als Christen gehören wir Gott und
es ist so unsere Aufgabe, als seine Heiligen zu leben. Das ist eine
täglich sich neu stellende Herausforderung, doch wir müssen
sie nicht verdrängen. Mit Gottes Hilfe - und die ist uns zugesagt
- ist sie zu schaffen.
Thomas Gerold
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