Gekreuzigt,
gestorben und begraben
Jesu Verspottung und Geißelung
war schon schlimm genug. Doch es sollte noch schlimmer kommen: Christus
wurde gekreuzigt. Das war im römischen Reich die schwerste Strafe.
Die Römer hatten ausdrücklich die Kreuzigung römischer
Bürger untersagt. So schien dem Reich diese Strafe für seine
Bürger als zu erniedrigend. Sie war nur für die Nichtrömer
erlaubt. Es war ein langsamer und grausamer Tod. Ein Tod, der sich
über Tage erstrecken konnte. Außerdem war der Tod am Kreuz
ein entehrender Tod. Im Judentum galt der Gekreuzigte als der von
Gott Verfluchte. Damit scheint das Kreuz der Ort zu sein, an dem man
sich den Sohn Gottes, den wahren König am wenigsten vorstellen
kann. Und doch hat sich Jesus kreuzigen lassen. Das ganze Paradox
des Königs am Kreuz wird in den Passionsberichten in den Evangelien
deutlich. Christus hängt am Kreuz. Auf der Tafel über ihm
steht: Der König der Juden. Womit der Spötter unwissend
die Wahrheit verkündete.
Die Kreuzigung gehört
zu den am wenigsten bezweifelten Überlieferungen über Jesus.
Sie findet sich nicht nur in den Evangelien. Sie findet sich darüber
hinaus bei Paulus. Sie findet sich nahezu überall, wo in den
antiken Quellen über das Christentum berichtet wird. Mag sein,
dass oft genug in der Geschichte schon glorreiche Heldentode erfunden
wurden. Aber eine Kreuzigung erfindet man nicht - diese ist grausame
Realität.
Nicht umsonst hat die Kreuzigung
Jesu so einen großen Stellenwert im Christentum. Kann man sich
eine tiefere Herabsetzung des Sohnes Gottes vorstellen? Mit dem Kreuz
nimmt Christus das menschliche Leid wirklich auf sich. Grausamer kann
das Leben nicht werden, als am Kreuz zu hängen. Er lässt
es zu, dass die Mitmenschen ihm das antun. Diesmal ist es nicht ein
Mensch von vielen, der der menschlichen Bosheit zum Opfer fällt.
Es ist der Sohn Gottes, von dem es im Johannesevangelium heißt,
dass durch ihn alles geschaffen wurde. Die Geschöpfe durchbohren
also ihn, durch den sie geschaffen wurden. Unglaublich! Und doch geschah
es tatsächlich vor fast zweitausend Jahren auf Golgotha.
Wir bekennen nicht nur
die Kreuzigung. Wir bekennen ausdrücklich, dass Jesus gestorben
ist. Es war kein Scheintod, wie heute noch gelegentlich behauptet
wird. Er ist wirklich gestorben. Der Sohn Gottes, gekommen, um die
Menschen zu erlösen, ist gestorben. Es fällt schwer, sich
den Tod von jemandem vorzustellen, der nicht nur ganzer Mensch, sondern
auch ganz Gott ist. Er muss seine göttliche Macht aufgegeben
haben, er muss sie ganz dem Vater zurückgegeben haben. Damit
muss er so hilflos, so ohnmächtig gewesen sein, wie wir es sind,
wenn wir sterben. Nur mit dem Unterschied, dass wir nie eine vergleichbare
Macht und Herrlichkeit kennen gelernt haben, wie sie Christus von
Anfang an als Sohn des Vaters hatte. Diese Aufgabe seiner Macht hat
schon mit seiner Menschwerdung begonnen. Aber der Tod am Kreuz ist
ein noch weiter gehender Schritt. Ein Schritt, der kaum noch zu steigern
ist.
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Der Tod Christi am Kreuz
steht in engster Beziehung auf uns Christen. Schon Paulus sagt, dass
wir mit Christus sterben. Wir sterben - auf nicht ganz erklärbare
Weise - mit Christus. Mit dem Sohn Gottes hängen auch wir am Kreuz.
Sein Tod hat uns erlöst. Er ist für uns gestorben, um uns
zu retten. Deshalb bekennen wir so ausdrücklich seine Kreuzigung
und seinen Tod. Sie haben alles verändert. Sie haben die große
Rettung möglich gemacht.
Wir bekennen darüber
hinaus, dass Christus begraben wurde. In den Evangelien ist uns der
Name des Joseph von Arimathäa, eines vornehmen jüdischen Ratsherrn
überliefert, der Pilatus um den Leichnam bat und ihn bestattete.
Bei Johannes wird neben Joseph auch Nikodemus, ebenfalls ein Ratsherr,
genannt. Es waren also vornehme Juden, die Jesus bestatteten. Die damalige
jüdische Oberschicht bestand nicht nur aus denen, die im Hohen
Rat die Kreuzigung forderten. Zu ihr gehörten auch die, die sich
des Toten erbarmten und ihn würdig begruben. Eine Tat, die Hochachtung
verdient, weil sie einem Toten galt. Von einem Gekreuzigten konnte man
keine Gegenleistung mehr erwarten. Da gab es kein politisches Kalkül,
kein Hoffen auf einen potentiellen Bündnispartner mehr. Der Grund
für diese Tat muss Achtung oder gar Liebe für Jesus gewesen
sein.
Das Begräbnis Jesu ruft
das Bild des Weizenkorns auf. Es muss in die Erde gesät werden,
damit es wachsen kann. Damit es Frucht bringen kann. Dieses Bild ist
für uns besonders naheliegend, weil wir heute die Toten nicht in
Felsengräbern, sondern in der Erde bestatten. Aber auch so passt
es auf Christus. Der tote Jesus wurde begraben. Das ist meist das Letzte,
was wir vom Leben eines Menschen hören. Doch Jesu Begräbnis
erinnert an die Aussaat. Er wurde ins Grab gelegt. Wartend auf die Auferstehung.
Eine Auferstehung, an die, als er im Grab lag, noch niemand dachte.
Thomas Gerold
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