Gemeinschaft
der Heiligen
Was bekennen wir mit der
Gemeinschaft der Heiligen? Man könnte denken, es ginge dabei um
die Heiligenverehrung, wie sie heute gerade im römisch-katholischen
oder im orthodoxen Raum bekannt ist, mit ihren Gedenktagen, Wallfahrtsorten,
Namenspatronen u.s.w.? Aber es geht um etwas sehr viel Bedeutenderes.
Die Gemeinschaft der Heiligen, von der im Credo die Rede ist, gehört
zum Zentrum des Christseins. Schon Paulus sprach von Heiligen. Er meinte
damit in seinen Briefen aber nicht einzelne, besonders herausgehobene
Christen, schon gar nicht besondere, heiliggesprochene Verstorbene,
das gab es zu seiner Zeit nicht, sondern er meinte jeden Christen. Nach
Paulus dürfen wir also sehr viel mehr Menschen als Heilige bezeichnen
als es heute üblich, nämlich jeden Christen.
Wie kann man eigentlich dazu
kommen, überhaupt Menschen Heilige zu nennen? Jeder Mensch ist
Sünder. Die einzige Ausnahme ist Christus. Machen es nicht unsere
Sünden, zu denen täglich neue hinzukommen, völlig unmöglich,
Menschen als Heilige zu bezeichnen? Und hier spielt es keine Rolle,
ob man jeden Christen zu den Heiligen rechnet oder nur einzelne. Auch
von den noch so sehr verehrten Heiligen gibt es keinen, der ohne Sünde
war. Hat sich Paulus also geirrt? Sind hier die Schrift und das Credo
unzuverlässig?
Nein, die Schrift trügt
nicht! Wir sind Heilige. Aber, und das ist wichtig, nicht auf Grund
unserer Leistungen. Nicht weil wir ohne Sünde wären oder weil
wir soviel Großartiges vollbringen. Zu den Heiligen Gottes gehören
wir, weil der eine Heilige, Gott selbst, uns beansprucht. Gott schenkt
uns durch Christus die Gemeinschaft mit ihm. Weil wir zu ihm gehören,
dem einen Heiligen, deshalb sind wir heilig. Nicht aus eigener Kraft.
Unsere Heiligkeit ist ein reines Geschenk, sie ist reine Gnade Gottes,
nicht verdient, sondern geschenkt. Wir sind Heilige durch Christus,
unseren Herrn, nicht durch uns. Deshalb ist es auch unsinnig, überhaupt
auf die Idee zu kommen, man könnte sich die Zugehörigkeit
zu dieser Gemeinschaft der Heiligen durch gute Taten verdienen. Das
ist unmöglich. Aber wir dürfen uns vom liebenden Gott beschenken
lassen. Durch ihn allein zählen wir zu den Heiligen, weil wir ihm
zugehörig sind.