Ich
glaube an den Heiligen Geist
Den Glauben an den Vater
und an den Sohn haben wir schon im ersten Teil des Glaubensbekenntnisses
bekannt. Beide können wir uns im Großen und Ganzen vorstellen.
Auch wenn unsere Vorstellungen nie an die Realität heranreichen,
so kennen wir doch Väter und Söhne aus unserer Umgebung.
Mit dem Heiligen Geist ist das schwieriger. Ihn können wir uns
nicht so einfach vorstellen. Und doch ist er Realität. Er wird
im Neuen Testament mehrfach erwähnt. Gerade im Johannesevangelium
verspricht Christus, ihn den Jüngern zu senden. Der Geist lässt
sich nicht aus dem christlichen Glauben entfernen, ohne diesen zu
zerstören.
Wie können wir uns
dem Geist nähern? Intellektuell mag das nicht einfach sein; aber
auch, wenn wir ihn nicht begreifen können, so ist er uns schon
jetzt nahe. Denn er ist in uns. Der versprochene Geist schwirrt nicht
einfach in der Ferne herum. Dort ist er zwar auch, aber zuerst einmal
ist für uns wichtig, dass er in uns wirkt. Durch den Geist ist
Gott in uns. Der Geist zieht uns zu Gott hin. Er erweckt in uns den
Durst nach Gott. Er hilft uns, uns auf die Suche zu machen und uns
Gott im Gebet und in der Schrift zuzuwenden. Weil er in uns ist, haben
wir überhaupt erst eine Chance, Gott zu finden. Gott ist in uns
und führt uns so auf dem Weg zu ihm.
Nicht umsonst wird der
Geist mit dem Bild der Taube symbolisiert. Die Taube kann fliegen.
Sie ist zwischen Himmel und Erde. Sie ist ein gutes Bild für
den, der uns zu Gott hin führt und der dabei die Übersicht
behalten kann. So naiv dieses Symbol auch manchmal auf uns wirken
mag, so hilft es uns doch, den Geist zu verstehen.Nur
darf uns das Bild der Taube nicht dazu verleiten, den Geist für
harmlos zu halten. Das zweite, noch wichtigere Bild ist das des Feuers.
In der Apostelgeschichte wird für den Geist das Bild der Flammen
gebraucht. So wie die Flammen auf alles Brennbare übergreifen,
so entzündet der Geist uns Menschen, wenn wir uns auf ihn einlassen.
Solche Kraft ist mit dem Geist verbunden. Wenn er wirkt ändert
sich alles. Er verwandelt die Schöpfung. Es mag manchmal kaum
glaubhaft erscheinen, dass dieses Feuer noch in den Christen verborgen
ist, aber es ist so. Leider wird es nur selten deutlicher sichtbar,
aber manchmal lodert es nur so aus ihnen heraus. Z.B. bei den großen
Heiligen. Sei es bei den bekannten oder bei den vielen, von denen
nur ihre engste Umgebung etwas hört, und die doch so ungeheuer
wichtig sind. Bei jedem kann dieses Feuer sichtbar werden, nur er
selbst kann es auf die Dauer wirksam unterdrücken. Darin haben
wir Christen leider oft eine bemerkenswerte Meisterschaft entwickelt.
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Das
Glauben an den Heiligen Geist heißt nun mehr als bloß seine
Existenz Für-Wahr-Halten. Ein Glaube an ihn schließt ein
Vertrauen auf ihn mit ein. Wir müssen uns diesem Geist öffnen
und uns ihm anvertrauen. Wir müssen Gott in uns wirken lassen.
Jeder von uns muss dazu bereit sein und so sein Leben ganz Gott anvertrauen.
Das heißt nicht, dass es notwendig wäre eine besondere Lebensweise,
wie z.B. das Leben im Kloster zu wählen. Jeder Christ muss sich
Gott öffnen, ganz gleich ob in der Ehe, im Kloster oder als Alleinstehender,
ganz gleich ob im Privatleben oder im Beruf, einfach überall und
in jedem Augenblick seines Lebens. Der Geist kann und muss in jedem
wirken. Auch ist es nicht so, dass der Geist von sich aus in den einen
mehr wirken würde als in den anderen. Sehr wohl sind manche offener
für ihn als andere, aber das ist deren Entscheidung und nicht die
Gottes.
Nun ergibt sich für
uns eine Schwierigkeit. Bei uns selbst ist die Sache klar. Wir müssen
uns dem Geist öffnen. Dabei werden wir wohl schnell feststellen,
dass man selbst noch nicht allzu weit gekommen ist und noch einiges
vor sich hat. Mit dem Wirken des Geistes in anderen ist es schwieriger.
In wem wirkt der Geist und in wem nicht? Wer spricht zu uns über
Gott und seine Wege aus dem Geist und wer aus seiner eigenen Einbildung?
Das ist nicht immer einfach zu sagen. Natürlich kann man darauf
schauen, was die Leute tun, welche Früchte sie hervorbringen. Ob
ihr Leben zu dem passt, was sie sagen, oder eben nicht. Das sind sehr
starke Hinweise. Aber dennoch bleiben Zweifel. Die werden auch dadurch
nicht weniger, dass vermutlich die meisten, die über Gott reden,
nicht nur aus dem Geist aber eben auch aus dem Geist reden. Wir kennen
unsere eigene Unvollkommenheit und unsere mangelnde Öffnung für
Gottes Geist, die dennoch dessen Wirken in uns nicht ganz unterdrücken,
vermutlich wird es den Anderen ähnlich ergehen, wenn auch in unterschiedlichem
Ausmaß. Damit werden wir selten letzte Sicherheit haben, was das
Wirken von Gottes Geist ist und was nicht. Aber das ist kein Grund aufzugeben.
Wir müssen mit der Hilfe des Geistes, der in uns ist, entscheiden,
wem wir trauen können und wem nicht. Das ist immer mit dem Risiko
einer Fehlentscheidung verbunden, aber wenn wir uns anstrengen, können
wir selber auf die Hilfe des Geistes bauen. Der wird uns sicher auch
über die selbstgewählten Umwege ans Ziel führen. Hauptsache,
wir kommen an. Mit dem Geist Gottes als Führer brauchen wir keine
Bedenken zu haben. Damit können wir sowohl unsere Unvollkommenheit
als auch die der anderen gelassener sehen.
Thomas Gerold
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