Christus ist nicht nur
zum Vater gegangen, er wird auch wiederkommen. Das bekennen wir. Ein
Blick in die Evangelien zeigt: Christus kündigt seine Wiederkunft
immer wieder an. Niemand weiß, wann er kommt. Wir können
nicht genau sagen, wann es soweit sein wird. Wir wissen nur, dass
er kommt.
Die Wiederkunft Christi
stößt heute oft auf Unverständnis. Passt sie nicht
besser in die alte Vorstellung des Universums mit der Erde als Mittelpunkt.
In dieses Weltbild passen dann auch die herabfallenden Sterne etc.
. Können wir uns heute einen Gott vorstellen, der irgendwann
nicht nur die Geschichte der Menschheit vollendet, sondern auch noch
die der ganzen Welt? Diese Anfrage hat eine gewisse Berechtigung.
Aber das Zentrum des Glaubens an die Wiederkunft ist, dass er kommt.
Nicht, wie sich das genau abspielt. Hier sind die biblischen Ausmalungen
auch als Bild zu verstehen, die dieses Geschehen begreiflich machen
sollen, nicht als genaue Beschreibung. Kommen aber wird er sehr wohl.
Das ist nicht von unserem Weltbild abhängig. Unsere Erwartung
erfüllt sich, ganz gleich wie er kommt. Ganz gleich, ob er in
oder außerhalb der Zeit, wie wir sie kennen, wiederkommt. Sein
Kommen ist das Wichtige. Das bekennen wir als Christen. Er ist nur
vorübergehend gegangen. Er lässt uns nicht im Stich. Ob
sein Kommen nun den biblischen Bildern gleicht oder nicht, ist zweitrangig.
Wir glauben an Christus, nicht an Bilder. Wer allerdings die traditionellen
Bilder als lächerlich sieht, sei gewarnt, nicht eine mindestens
ebenso große Naivität und Überheblichkeit an den Tag
zu legen, wie er sie selbst den Menschen vor zweitausend Jahren vorwirft.
Wir bekennen sein Kommen
als Richter und berühren damit eine der umstrittensten Stellen
des Credos. Ist das nicht eine schreckliche Botschaft. Kein Grund
zur Freude, sondern zur Furcht. Ein Grund, darauf zu hoffen, dass
das Christentum falsch ist?
Wenn uns Christi Ankunft
als Richter nur erschreckt, sehen wir ihn einseitig. Was beinhaltet
die Rolle als Richter? Gerade im Alten Testament taucht der Richter
als derjenige auf, der nicht in erster Linie den Bösen bestraft,
sondern zunächst einmal den Menschen zu ihrem Recht verhilft.
Diejenigen, die Unrecht erfahren haben, und sich nicht selbst wehren
können, die warten sehnsüchtig auf den Richter. Zu ihm kommen
sie, um Hilfe zu erlangen. Der Richter ist zunächst der Helfende,
der Rettende, nicht der Verdammende. Und Menschen, die Hilfe brauchen,
die unter Unterdrückung stöhnen, ja darunter zusammenbrechen,
die gibt es auch heute genug.
Des Weiteren sehen wir
Christus einseitig, wenn wir ihn nur als den Richter sehen. Er ist
zunächst unser Retter und Erlöser. Er ist der, der für
uns leidet und stirbt, um uns zu erlösen. Er wird nicht ein Richter
sein, der kommt, um uns zu verurteilen. Er wird sich bemühen,
uns zu retten. Er ist nicht unser Feind, keine Schreckensgestalt,
sondern der, der uns weit mehr liebt als jedes Geschöpf. Der,
der uns liebt, kommt. Denken wir daran, er ist derjenige, der am Kreuz
den Vater gebeten hat, denen zu vergeben, die ihn selbst ans Kreuz
geschlagen haben.
Aber natürlich ist
Christi Wiederkunft auch eine Herausforderung. Wir wissen, dass wir
nicht so sind, wie wir sein können und sollen. Wenn wir Christus
sehen, der für uns aus Liebe stirbt, und uns sehen, können
wir nicht über diese Diskrepanz hinweg sehen. Die Sünde
ist stark in unserem Leben. Zu oft ist sie stärker als die Liebe.
Das Gute in uns zu dem wir geschaffen sind, hat nicht immer die Oberhand.
Doch die Reaktion auf diese Erkenntnis darf nicht die sein, die Augen
zu verschließen. Unsere Reaktion muss die sein, uns aufzumachen
und umzukehren. Wir könnten weit besser sein, warum bemühen
wir uns nicht, es zu werden? Noch ist die Stunde der Umkehr, nicht
die des Gerichts. Darum geht es heute, nicht darum, über unsere
Chancen auf Rettung zu spekulieren. Und Christus wird uns in unserem
Bemühen unterstützen. Er wird uns helfen. Er ist schließlich
nicht gekommen, um zu zerstören sondern um zu retten. Aber wir
selbst dürfen ihm diese Rettung nicht unmöglich machen.
Noch können wir uns auf jeden Fall für ihn entscheiden.