Empfangen
durch den Heiligen Geist, Geboren von der Jungfrau Maria
Damit kommen wir zum heute
vielleicht umstrittensten Abschnitt des Glaubensbekenntnisses. Empfangen
durch den Heiligen Geist. Geboren von der Jungfrau Maria. Gerade letzteres
wird heute selbst von vielen Christen nicht mehr akzeptiert.
Beschäftigen wir uns
zunächst mit der Empfängnis durch den Heiligen Geist. Diese
Aussage hat nämlich auch eine Bedeutung, die oft vergessen wird.
Wenn Jesus Christus durch den Heiligen Geist empfangen wurde, dann
ist seine Empfängnis weder nur sein eigenes Wirken, wie es ja
beim ewigen Sohn des göttlichen Vaters möglich wäre,
noch nur das Wirken des Vaters, sondern auch das Wirken des Heiligen
Geistes.
Der ganze dreieine Gott
ist also an der Menschwerdung Jesu beteiligt. Auch der Geist ist also
von Anfang an in dieses unfassbare Geschehen eingebunden. Es gibt
also nichts an Gott, was nicht an dieser unübertreffbaren Zuwendung
Gottes an die Menschen beteiligt gewesen wäre.
Doch nicht nur der Geist
ist an diesem Geschehen beteiligt. Geboren wurde er von der Jungfrau
Maria. Dass Maria als Jungfrau Jesus geboren hat, ist keine Abwertung
der Sexualität. Auch wenn diese Aussage in der Kirchengeschichte
oft so missverstanden wurde und gelegentlich auch noch wird. Dieses
Geschehen zeigt vielmehr die ganz besondere Verbindung zwischen Christus
und dem Vater. Christus hat eben nicht zwei Väter: Den himmlischen
und den irdischen. Er hat nur den einen himmlischen Vater. Gott selbst
hat eingegriffen. Es ist ein Vorgang, der mit der Schöpfung des
Menschen zu vergleichen ist. Der Mensch hat sich von Gott abgewandt,
aber Gott macht einen Neuanfang. Einen Neuanfang, der nicht die Menschen
vernichtet, sondern die Menschen in dem neuen Menschen Christus miteinschließt.
Wir müssen uns hier an unsere Überlegungen zur besonderen
Zugehörigkeit zu Christus erinnern, die wir im letzen Kapitel
angestellt haben. Wir gehören ganz zu Christus, dem wahren Menschen
und wahren Gott.
Maria wird
durch die Empfängnis Christi nicht zur Göttin. Der Titel "Gottesmutter",
der ihr schon von der frühen Kirche zugestanden wurde, meint nicht,
dass sie Göttin wurde. Er bedeutet nur, dass sie Christus, der
eben nicht nur wahrer Mensch sondern auch wahrer Gott ist, geboren hat.
Sie selbst ist und bleibt ein Mensch wie wir. Nicht sie sondern Christus
steht im Vordergrund. Ihr Beitrag zu dem Geschehen ist der, zu Gottes
Plan ja gesagt zu haben. Ihre Worte "Ich bin die Magd des Herrn;
mir geschehe, wie du es gesagt hast." (Lk 1,38) sind ein Vorbild
für jeden Christen. Denn jeder Christ muss zum Willen Gottes ja
sagen. Noch deutlicher als Maria hat uns dies Christus selbst mit seinem
Leiden und Sterben vorgelebt
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Noch haben wir
vielleicht das Seltsamste und zugleich Wunderbarste an diesem Abschnitt
des Credos übersehen: "Geboren". Christus kommt nicht
als strahlender Held und als großer König an der Spitze einer
Armee von Engeln vom Himmel, sondern er wird wie jeder andere Mensch
geboren. Das ist alles andere als selbstverständlich. Wer von uns
würde in seiner Situation genauso handeln? Stärke und Unbesiegbarkeit
streben wir eher an. Würden wir nicht lieber in Macht und Herrlichkeit
in so eine Welt wie die unsere kommen? Doch Christus kam klein und schwach.
Er kam damit ganz anders als wie man ihn erwartet hat. Er kam als kleines
Kind.
Vielleicht ist das das größte
Wunder. Ein noch größeres Wunder als die Jungfräulichkeit
Mariens. Die Geburt Jesu, des ewigen Sohns des Vaters, als kleines Kind.
So kommt der wahrhaft göttliche König. Diese Geburt muss unsere
Sicht der Kleinen und der Schwachen verändern. So nämlich
kommt Gott in unsere Welt. Das Kleine und das Schwache ist Gott besonders
nahe, ja es gehört sogar in Christus zu Gott dazu
Thomas Gerold
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