Theologie und Glaube - Apostolicum VII


 

 

Empfangen durch den Heiligen Geist, Geboren von der Jungfrau Maria

 

Damit kommen wir zum heute vielleicht umstrittensten Abschnitt des Glaubensbekenntnisses. Empfangen durch den Heiligen Geist. Geboren von der Jungfrau Maria. Gerade letzteres wird heute selbst von vielen Christen nicht mehr akzeptiert.

Beschäftigen wir uns zunächst mit der Empfängnis durch den Heiligen Geist. Diese Aussage hat nämlich auch eine Bedeutung, die oft vergessen wird. Wenn Jesus Christus durch den Heiligen Geist empfangen wurde, dann ist seine Empfängnis weder nur sein eigenes Wirken, wie es ja beim ewigen Sohn des göttlichen Vaters möglich wäre, noch nur das Wirken des Vaters, sondern auch das Wirken des Heiligen Geistes.

Der ganze dreieine Gott ist also an der Menschwerdung Jesu beteiligt. Auch der Geist ist also von Anfang an in dieses unfassbare Geschehen eingebunden. Es gibt also nichts an Gott, was nicht an dieser unübertreffbaren Zuwendung Gottes an die Menschen beteiligt gewesen wäre.

Doch nicht nur der Geist ist an diesem Geschehen beteiligt. Geboren wurde er von der Jungfrau Maria. Dass Maria als Jungfrau Jesus geboren hat, ist keine Abwertung der Sexualität. Auch wenn diese Aussage in der Kirchengeschichte oft so missverstanden wurde und gelegentlich auch noch wird. Dieses Geschehen zeigt vielmehr die ganz besondere Verbindung zwischen Christus und dem Vater. Christus hat eben nicht zwei Väter: Den himmlischen und den irdischen. Er hat nur den einen himmlischen Vater. Gott selbst hat eingegriffen. Es ist ein Vorgang, der mit der Schöpfung des Menschen zu vergleichen ist. Der Mensch hat sich von Gott abgewandt, aber Gott macht einen Neuanfang. Einen Neuanfang, der nicht die Menschen vernichtet, sondern die Menschen in dem neuen Menschen Christus miteinschließt. Wir müssen uns hier an unsere Überlegungen zur besonderen Zugehörigkeit zu Christus erinnern, die wir im letzen Kapitel angestellt haben. Wir gehören ganz zu Christus, dem wahren Menschen und wahren Gott.

Maria wird durch die Empfängnis Christi nicht zur Göttin. Der Titel "Gottesmutter", der ihr schon von der frühen Kirche zugestanden wurde, meint nicht, dass sie Göttin wurde. Er bedeutet nur, dass sie Christus, der eben nicht nur wahrer Mensch sondern auch wahrer Gott ist, geboren hat. Sie selbst ist und bleibt ein Mensch wie wir. Nicht sie sondern Christus steht im Vordergrund. Ihr Beitrag zu dem Geschehen ist der, zu Gottes Plan ja gesagt zu haben. Ihre Worte "Ich bin die Magd des Herrn; mir geschehe, wie du es gesagt hast." (Lk 1,38) sind ein Vorbild für jeden Christen. Denn jeder Christ muss zum Willen Gottes ja sagen. Noch deutlicher als Maria hat uns dies Christus selbst mit seinem Leiden und Sterben vorgelebt

 

 


 

 

 

Noch haben wir vielleicht das Seltsamste und zugleich Wunderbarste an diesem Abschnitt des Credos übersehen: "Geboren". Christus kommt nicht als strahlender Held und als großer König an der Spitze einer Armee von Engeln vom Himmel, sondern er wird wie jeder andere Mensch geboren. Das ist alles andere als selbstverständlich. Wer von uns würde in seiner Situation genauso handeln? Stärke und Unbesiegbarkeit streben wir eher an. Würden wir nicht lieber in Macht und Herrlichkeit in so eine Welt wie die unsere kommen? Doch Christus kam klein und schwach. Er kam damit ganz anders als wie man ihn erwartet hat. Er kam als kleines Kind.

Vielleicht ist das das größte Wunder. Ein noch größeres Wunder als die Jungfräulichkeit Mariens. Die Geburt Jesu, des ewigen Sohns des Vaters, als kleines Kind. So kommt der wahrhaft göttliche König. Diese Geburt muss unsere Sicht der Kleinen und der Schwachen verändern. So nämlich kommt Gott in unsere Welt. Das Kleine und das Schwache ist Gott besonders nahe, ja es gehört sogar in Christus zu Gott dazu

Thomas Gerold

 

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