Q.E.D. - das Interview
Erzabt Jeremias Schröder OSB zum Thema Mission

 

Q.E.D.: Sie stehen einer Kongregation vor, zu deren Hauptaufgaben die Mission gehört. Was verstehen Sie darunter und inwiefern ist die Mission heute noch aktuell? In welchen Ländern sehen Sie die Hauptaufgaben der Mission heute?

Erzabt Jeremias: Sie haben mich gefragt nach meinem eigenen Missionsverständnis. Das ist eigentlich sehr altmodisch. Ich glaube das eigentlich Wesentliche über die Mission finden wir im Evangelium. Das ist der Sendungsauftrag, den Jesus gegeben hat: gehet hin zu allen Völkern. Verkündet das Evangelium allen Nationen. Da ist das Grundsätzliche drin gesagt. In der Mission steckt immer eine Bewegung, das Hinaus, etwas die Grenzen Überschreitendes. Die zweite Begründung der Mission, wenn sie so wollen, die für mich ganz wichtig geworden ist, ist das Heilsereignis in Jesus Christus selber. Jesus Christus ist eigentlich der Ur-Missionar. Er war der Erste, der Grenzen in einer nicht einholbaren Weise überschritten hat. Die Grenze zwischen Gott und Welt. Der dann auch in seiner Verkündigung immer wieder Grenzen eingerissen hat. Die Grenze zwischen Judentum und den Heiden, zwischen dem Tempelkult und der säkularen Welt, die Sabbatgrenze. Alle diese Grenzüberschreitungen haben immer wieder etwas von dieser Ur-Dynamik der christlichen Offenbarung gezeigt.
Was heißt diese Mission heute? Ich meine zunächst einmal, dass wir das ganz ernst nehmen müssen im einfachen buchstäblichen Sinn des Missionsauftrages: geht hin zu allen Menschen. Und die Zahl der Nicht-Christen wird ja nicht geringer. Im Gegenteil, wir haben immer noch große Landstriche der Erde, riesige Völker, die vom Christentum kaum etwas gehört haben. Wo die Menschen nicht einmal in der Lage sind, eine frei informierte Entscheidung für oder gegen den Glauben zu treffen. Da sehe ich den ganz großen Auftrag, den die Kirche heute hat. Und ich denke, gerade im 21. Jahrhundert wird das etwas sein, wo sich zeigt, ob in dieser Kirche noch Leben, Energie und Vitalität steckt. Mein Blick richtet sich ganz besonders nach Asien. Auch unser Blick als Kongregation. Wir haben traditionell eine sehr starke missionarische Präsenz in Afrika, die, wenn man so sagen darf, auch sehr erfolgreich war. Dort sind große, blühende Ortskirchen entstanden. Unsere Gemeinschaften sind dort weiterhin präsent und haben dort Aufgaben in der Vertiefung des Glaubens, in der monastischen Präsenz innerhalb dieser Ortskirchen. Aber gleichzeitig denke ich, dass wir immer wieder hinausschauen müssen, dass dieses grenzüberschreitende eben auch in dieser Weise ein unaufgebbarer Teil unserer missionarischen Identität ist. Und da schauen wir heute vor allem zu diesen großen Völkern und alten Kulturen Ostasiens, die noch so wenig vom Christentum gehört haben. Wir sind seit 1909 in Korea tätig, hatten früher auch eine Diözese und eine Abtei in China. Die kommunistische Machübernahme hat sehr viel unserer Arbeit zerstört. Trotzdem hat das Christentum überlebt und ist vor allem in Korea wirklich aufgeblüht. Wir sind heute wieder stark in China engagiert, auf den Philippinen, in Indien und eben schon seit Anfang des 20. Jahrhunderts in Korea selber und in der letzten Zeit haben wir sogar unsere Fühler nach Japan ausgestreckt und haben zur Zeit Hoffnung dort in einigen Jahren eine kleine Niederlassung eröffnen zu können. Da sehe ich so diese ganz großen neuen Missionsgebiete für uns, wo wir als Mönche besondere Möglichkeiten haben, den christlichen Glauben, den es ja überall auch schon gibt, zu vertiefen, aber wirklich auch diesen Glauben vor einer zunächst vom Christentum gar nicht berührten Kultur und Gesellschaft zu vertreten.

Q.E.D.: Inwiefern sehen Sie Deutschland heute als Missionsland?

Erzabt Jeremias: Ich habe ein ganz gespaltenes Verhältnis zu diesem Satz, Deutschland Missionsland. Ich höre das sehr oft. Dahinter meine ich oft so eine Angst vor der klassischen Mission zu entdecken. Dann wird das für mich ein bisschen armselig, dann wird das ein Alibi dafür, dass man sich ja nicht nur um die Welt kümmern muss, weil wir ja hier Deutschland erretten müssen. Natürlich ist Deutschland Missionsland. Und da entsteht immer mehr auch eine echte missionarische Situation, also nicht nur ein pastoraler Notstand, sondern eine Situation, in der fast wieder eine Erstverkündigung notwendig wird. In der Christentum wirklich wieder missionarisch vorgetragen werden muss. Aber gleichzeitig wäre es eine furchtbare Verarmung, wenn wir unseren Blick vor der weltweiten missionarischen Herausforderung verschließen würden. Jede Ortskirche ist Teil der universalen Weltkirche und hat Teil an diesem universalen weltkirchlichen Auftrag. Und in dem Maß, in dem eine Ortskirche selber bereit ist zu geben, auch über die eigenen Grenzen hinweg zu schauen, diese Grenzen auch wieder zu überschreiten, in dem Maß wird ihr auch wieder Unterstützung und Frucht, auch geistige, missionarische Frucht zuteil werden. Wir erleben das heute ja ganz eindrucksvoll bei der Mithilfe, die so viele indische Priester in unseren Diözesen leisten. Wo die Tatsache, dass Deutschland immer wieder bereit war zu geben, materiell aber vor allem auch personell, dass so viele aus Deutschland hinausgezogen sind, dazu führt, dass auch andere Kirchen bereit sind dem Notstand mit abzuhelfen. Deutschland ist Missionsland. Wir selber haben unsere Klöster in Deutschland, haben auch eine große Verantwortung dort wo sie bestehen. Aber wir sollen gleichzeitig nie vergessen, dass unser eigentlicher Auftrag die Mission ad gentes, zu den Völkern, ist. Und dass wir immer wieder über den Tellerrand unseres eigenen Landes, unserer eigenen Kultur hinausschauen müssen, um in einem echten Sinne an dieser Mission Christi, die eben eine grenzüberschreitende ist, teilzuhaben.

Q.E.D.: Was haben die Benediktiner für den Christen außerhalb des Klosters beigetragen? Wie sehen Sie die Präsenz eines Klosters für die unmittelbare Umwelt und für das weitere Umfeld?

Erzabt Jeremias: Es ist schön, dass sie die Frage auch sozusagen historisch eingeleitet haben. Bayern wird ja manchmal geradezu als "Terra Benedictina" beschrieben. Die Benediktiner haben hier für den kulturellen Aufbau des Landes Unglaubliches geleistet, wobei mit Kultur jetzt nicht nur der Sinn eines geistigen Überbaus gemeint ist, sondern wirklich eine umfassende Kultur, die eben schon mit der Agrikultur, mit der Landwirtschaft beginnt. Ich will aber jetzt nur von unserem eigenen Kloster sprechen und nicht von dem, was in Bayern im Lauf der letzten 1200 Jahre alles geschehen ist. Die Mönche sind 1887 nach St. Ottilien gekommen. Das war damals ein völlig verkommener kleiner Weiler inmitten eines versumpften Ackerlandes. Tatsächlich beginnt es mit der Agrikultur. Die Mönche haben nach und nach das Land hier urbar gemacht. Wenn sie heute St. Ottilien besuchen, sehen sie heute ein Klosterdorf inmitten einer blühenden landwirtschaftlichen Gegend. Und das ist im Wesentlichen gestaltete Kulturlandschaft durch die Arbeit der Benediktiner. Wir haben von Anfang an große Handwerkstätten hier gehabt und haben das immer noch. Wir bilden aus in vielen Berufen und das war auch ein Beitrag zur Hebung der Region. Unsere Schule war und ist, denke ich, immer noch eines der angesehensten Gymnasien hier in der ganzen Region. Und wir freuen uns immer wieder, wenn die Absolventen unserer Schule einen guten Weg in der Welt machen. St. Ottilien hat den größten Saal im Landkreis Landsberg und viele Festveranstaltungen und kulturelle Veranstaltungen finden bei uns statt. Für das religiöse Leben hier in diesem östlichen Teil des Landkreises Landsberg ist sicher die Erzabtei immer sehr wichtig gewesen mit einer Ausstrahlung, die bis nach München hinein reicht durch das Exerzitienhaus. Hier hat schon Pater Rupert Mayer Exerzitien gehalten. Hier kommen heute noch sehr viele Menschen immer wieder zusammen, um für sich selber geistliche Einkehr zu halten oder unter Anleitung eines Exerzitienmeisters ihre geistigen Zeiten zu gestalten. Unser feierliches Chorgebet ist für viele Anregung und Inspiration. Wir haben einen großen Kreis von Oblaten, die mit dem Kloster in einer geistigen Verbundenheit leben und versuchen in Anlehnung an unsere Gemeinschaft die Benediktusregel in ihrem eigenen Leben umzusetzen. Das Liebeswerk vom Heiligen Benedikt, dieser etwas antiquiert wirkende Titel, ist eine ganz große Gebets- und Fördergemeinschaft, die mit uns verbunden ist, mit ca. 100000 Mitgliedern in ganz Deutschland. Und schließlich sind wir einfach ein Kloster, d.h. junge Menschen kommen hier her um ein geistiges Leben als Mönch zu führen und allein darin liegt schon eine wichtige Bedeutung in der Kirche unserer Zeit.

Q.E.D.: Glauben Sie, dass die Präsenz eines Klosters die Religion mehr in das Bewusstsein der Menschen vor Ort rückt?

Erzabt Jeremias: Unbedingt. Und das wird immer wichtiger werden. Karl Rahner hat einmal gesagt, dass er sich die Zukunft des Christentums bei uns so vorstellt, dass es Inseln geben wird, in denen der Glaube in seiner ganzen Tiefe entfaltet und gelebt werden kann. Und ich denke, unsere Klöster werden solche Inseln sein, die für viele Menschen, die weit weg leben oder in einem weitgehend entchristlichten Umfeld, Rückzugsorte sind, wo sie zu den Quellen des Glaubens immer wieder zurückkehren können. Um sich auch selber zu speisen und Kraft aufzunehmen mit der sie dann dort, wo sie leben, auch wieder wirken können.
Die Mission vor Ort, die Mission in Europa, spielt für uns insofern auch eine besondere Rolle, als wir bewusst vor einem Jahr eine kleine Gründung in Spanien gemacht haben, die eben auf diese Evangelisierung oder Wieder-Evangelisierung Europas hinzielt. Eine kleine Gruppe von Mitbrüdern hat ein Kloster am Jakobs-Weg eröffnet, an diesem großen Pilgerweg, weil wir denken, dass dort große missionarische Chancen sind. Und die außergewöhnliche Situation, dass die Menschen kommen. Wir haben jetzt im Sommer 200 bis 300 Übernachtungen pro Tag in dieser kleinen Ortschaft, wo unsere Mitbrüder ihr Kloster errichtet haben. Die Mönche dort sind der einzige geistige Austauschpunkt auf einer ganz langen Strecke dieses Pilgerweges und wir merken, dass diese Pilger - sehr viele junge Leute - mit ganz großer Offenheit und Bereitschaft dort hinkommen. Die lange Fußwallfahrt hat selbst diejenigen, die sich eher aus sportlichen Motiven auf den Weg gemacht haben, bereit gemacht um ihr Herz zu öffnen und auch über die lang verdrängten Fragen des Lebens und des Glaubens zu sprechen. Das ist ein Beispiel, wo die Mission in Europa wichtig geworden ist.

 

 

 

 

 

 

 

"Ich bin Erzabt Jeremias Schröder von St. Ottilien. Seit knapp zwei Jahren bin ich Abt dieser Klostergemeinschaft und gleichzeitig Abt Präses der Missionsbenediktiner mit 1100 Mönchen weltweit in 18 selbständigen Klöstern. Ich bin 37 Jahre alt. Bin nach dem Abitur 1984 hier in St. Ottilien eingetreten, habe dann in Rom und Oxford studiert und bin seit 1994 hier eingesetzt gewesen als Sekretär des damaligen Erzabtes, in der Ausbildung der Novizen und als Archivar und Schriftleiter für unsere Veröffentlichungen."

Q.E.D.: Sie sind als Erzabt auch für eine weltweite Gemeinschaft verantwortlich. Außerdem haben Sie außerhalb Deutschlands, nämlich in Rom und Oxford, studiert. Gleichzeitig sind Sie für ein großes Kloster hier in Deutschland zuständig. Wie würden Sie aus dieser Position heraus das Verhältnis der deutschen und der Weltkirche beurteilen?

Erzabt Jeremias: Jede nationale Kirche hat ihren eigenen Charakter und ihre eigene Geschichte. Was mir in Deutschland besonders auffällt, das sind zunächst einmal ein paar negative Züge. Kaum irgendwo anders auf der Welt wird so viel gejammert innerhalb der Kirche. Das stelle ich immer wieder fest. Es wird gejammert über die Weltkirche, gejammert über die Bischöfe, gejammert über die Strukturen der Kirche… da ist sicher manches, über das man auch nachdenken kann, wo man auch einen Diskurs eröffnen soll, aber dass bei uns die kirchliche Diskussion und das kirchliche Binnenklima so stark dominiert, das erlebe ich als ganz unglücklich. Glaubensfragen spielen da kaum eine Rolle. Bei uns geht es immer um Kirchenfragen: Zölibat, Frauenpriestertum, Rolle des Papstes, usw. Das ist es, was jeden bei uns zu beschäftigen scheint. Das eigentlich Substantiellere, Tiefere, das eigentlich tragende Fundament unseres Kirche seins geht darüber oft verloren. Das empfinde ich als traurig.
Das Zweite, was mir auffällt, wenn ich reise ist, wenn ich erlebe wie in anderen Ländern katholisches Christentum gelebt wird, dass in Deutschland das Verhältnis zur Weltkirche, besonders auch zur Leitung der Weltkirche, zum Papst in Rom, das Verhältnis so gespannt ist und immer von vornherein problematisiert wird. Man erlebt, dass zunächst einmal der Kirchenleitung unglaublich viel Misstrauen entgegengebracht wird. Sicher, es gibt immer wieder Dinge, die auch zu kritisieren sind und die man anders tun könnte. Ich erlebe in meinem Alltag in der Kirche immer wieder, dass in Rom brave, tüchtige Leute arbeiten, die sich bemühen im Grunde eine Dienstleistung für die Weltkirche zu erbringen mit erstaunlicher Bescheidenheit und mit erstaunlich geringen Mitteln. Da bin ich immer wieder beeindruckt unter was für einfachen Verhältnissen in Rom eine weltweite Kirche mit über einer Milliarde Mitglieder geleitet wird.
Das Dritte, was mich an der deutschen Kirche manchmal schmerzt, ist die Missionsvergessenheit. Dass in unserem Land das Wort Mission, das wir ja im Namen tragen als Missionsbenediktiner, fast schon unanständig geworden ist. Und man hört immer wieder, dass es das Unangenehmste, das am wenigsten positiv an der Kirche Wirkende sei, dass sie missionarisch auftritt oder diese missionarische Vergangenheit hat. Da, denke ich, gibt es eine Selbstvergessenheit gegenüber den eigenen Wurzeln. Das ist es, was mich manchmal schmerzt und was wahrscheinlich eng mit dem verbunden ist, was ich am Anfang gesagt habe: mit dieser Glaubensschwäche, die ich manchmal zu sehen meine. Eine Kirche, die sich über ihren eigenen Glauben nicht mehr richtig sicher ist oder diesen nicht auskostet, die hat auch nichts, womit sie missionarisch sein könnte. Das ist das, was ich so beobachte.
Jetzt muss ich aber gleichzeitig sagen: auch das Jammern über das Jammern gehört bei uns inzwischen ja schon zum guten Ton. Vielleicht leben wir auch gerade in den kirchlichen Medien einfach zu sehr in einer Binnenwelt und bekommen auch vom wirklichen kirchlichen Leben nicht mehr genug mit. Ich staune immer wieder, wenn ich eingeladen werde auswärts Gottesdienste zu halten, zu predigen oder über die Mission zu sprechen, wie viel Begeisterung da ist, wie viel Wohlwollen einem dann eben doch entgegenschlägt. Und was mich immer wieder beeindruckt und was ich auch erst im Laufe meiner Missionsreisen erlebt habe, ist, was für eine große Rolle die deutschen Katholiken im materiellen Erhalt der Weltkirche und auch der weltweiten Missionsaufgabe spielen. Dass also vieles von dem, was in Rom immer wieder verteilt wird für arme Kirchen, aus Deutschland kommt. Da leisten unsere Mitchristen in Deutschland sehr Großes. Da dürfen sie auch stolz sein. Man soll sich da nicht schämen, Geld ist ja nichts Unanständiges, sondern es ist etwas, was sie mit ihrem Schweiß und ihrer mühsamen Arbeit erarbeitet haben, wovon sie etwas der Kirche anvertrauen, die es dann gut nutzt. Das passiert in einem Ausmaß, wie es in kaum einem anderen Land der Welt der Fall ist.

Q.E.D.: Wo sehen sie konkret ihre missionarische Aufgabe? Wären sie selbst gerne in die Mission gegangen?

Erzabt Jeremias: Ich wäre sehr gern Missionar geworden. Ich habe früher schon immer dem damaligen Erzabt gesagt, ich möchte in die Mission. Ich bräuchte nicht unbedingt einen Range Rover aber einen Computer. Ich war schon immer jemand der eher am Schreibtisch arbeitet und gern unterrichtet. Bevor ich Erzabt wurde, habe ich noch versucht, etwas Chinesisch zu lernen, immer in der Hoffnung, dass ich dort einmal tätig werden könnte. Das ist tatsächlich alles erst einmal vorbei. Wir glauben fest daran, dass alle Mitglieder unserer Kongregation Anteil haben am missionarischen Auftrag. Ich habe früher oft davon gesprochen, denn unsere Klöster sind ja voll von verhinderten Missionaren. Viele Mitbrüder hier wären eigentlich gerne hinausgezogen in fremde Länder und es war nicht möglich, weil unsere Klöster hier natürlich auch erhalten werden müssen. Eigentlich wissen alle, dass jeder Teil hat an diesem Auftrag. Auch wenn er hier eine ganz einfache Aufgabe in St. Ottilien zu erfüllen hat, damit das Gemeinschaftsleben funktionieren kann. Wir sind eine große weltweite Gemeinschaft und die Glieder dieser Gemeinschaft sind im Grunde dafür mitverantwortlich, dass an verschiedenen Orten ganz exponiert ausdrücklich missionarische Arbeit getan werden kann. So sehe ich natürlich auch meine eigene Aufgabe. Ich bin dadurch allein schon Missionar, dass ich Mitglied dieser Gemeinschaft bin. Meine Aufgabe gibt mir manchmal gewisse Spielräume zur Gestaltung. Da kann ich manchmal missionarische Akzente setzen, zusammen mit anderen, wenn es um den Einsatz von Mitbrüdern geht oder auch von Mitteln, über deren Verwendung wir mitentscheiden dürfen. Natürlich muss ich viel reisen, manchmal denke ich auch, ich darf viel reisen. Es freut mich natürlich, die Missionsarbeit vor Ort zu sehen und hin und wieder ist es tatsächlich möglich, dass ich Einfluss nehmen kann oder Unterstützung geben kann.
Aber obwohl ich ja noch recht jung bin, stelle ich mir manchmal vor, ich könnte vielleicht in zwanzig Jahren zurücktreten und dann wäre ich erst 57. Da gehört man noch nicht zum alten Eisen. Und dann könnte ich vielleicht wirklich in einem Kloster in einem anderen Kontinent arbeiten. Unmittelbar pastoral-seelsorglich mit Menschen oder auch in der Ausbildung von jungen Mönchen. Das ist das, was ich besonders gern tun würde.
Ich denke, wir haben gerade durch die Klostergründungen eine besondere missionarische Chance. Klöster, die an Orten auf der ganzen Welt entstehen und sich in der dortigen Kultur einwurzeln. Dann dort ein Christentum für die Menschen auf den Philippinen oder in Japan oder in Ostafrika leben können. Und da darf ich jetzt schon auf meine Weise als Erzabt mitwirken und hoffe, dass es mir irgendwann noch einmal möglich sein wird, dies ganz unmittelbar zu tun.


das Interview führten Gabriele Merk und Thomas Gerold