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C.
S. Lewis
Schriftsteller, Literaturwissenschaftler und christlicher Denker
Herkunft und Jugend
Clive Staples Lewis wurde
am 29.11.1898 in Belfast geboren. Er wuchs in einem Irland auf, das
zwar staatlich noch vereint, aber konfessionell und politisch zutiefst
gespalten war. Lewis` Familie war anglikanisch. Der Großvater
war anglikanischer Pfarrer. In seinen Predigten sagte er hin und wieder,
dass die Katholiken buchstäblich vom Teufel besessen seien. Dieser
Vergleich gibt die Stimmungslage seiner Zeit mit ihren großen
Konflikten gut wieder.
1908 starb Lewis` Mutter
an Krebs. Der Vater war wohl ein guter, aber nicht unbedingt einfacher
Mensch. Er schickte seine beiden Söhne auf englische Schulen. Bei
der Auswahl hatte er anfangs eine besonders unglückliche Hand.
Zunächst wurden sie in einem kleinen Internat unterrichtet, deren
Leiter geisteskrank war und die Schüler mit selbst für die
damaligen Verhältnisse übertriebener Härte schlug. Die
zweite Schule, Malvern College, war eine renommierte Privatschule. Lewis`
Bruder Warren blühte dort richtiggehend auf. Lewis selbst hatte
dagegen mit den Gepflogenheiten der damaligen Privatschulen seine Schwierigkeiten.
In diese Zeit fällt auch der Verlust seines Glaubens. Von nun an
bezeichnete er sich als Atheist. Schließlich wird er privat auf
die Aufnahmeprüfung für die Universität vorbereitet.
Dies geschah durch den früheren Schuldirektor Kirkpatrick, der
größten Wert auf Logik legte. Davon profitierte Lewis ein
Leben lang. Außerdem lernte er dort die alten Sprachen so gut,
dass er nicht nur daraus übersetzen, sondern sogar darin denken
konnte.
1917 nahm Lewis an den Aufnahmeprüfungen
für Oxford Teil. Durch seine Übersetzungen in den alten Sprachen
errang er ein Stipendium. Doch scheiterte er bei der normalen Zulassungsprüfung
zunächst an der Mathematikprüfung. Dennoch durfte er vorläufig
das Studium beginnen. Bald musste er allerdings zum Kadettenbattailion
wechseln, um in Schnelldurchgang zum Offizier ausgebildet zu werden.
Noch tobte ja der erste Weltkrieg und die unzähligen Toten müssen
rasch ersetzt werden. Im November 1917 erreichte er die Front. Nur durch
eine baldige Verwundung überlebte er die irdische Hölle.
Zurück in Oxford wurde
ihm als Veteran der Rest der Aufnahmeprüfung erlassen. Er studierte
Alte Sprachen, Philosophie und Englisch. Genauso wie bei den heutigen
Geisteswissenschaftlern stellte sich die Frage nach seiner beruflichen
Zukunft. Doch die dadurch ausgelöste Unsicherheit endete 1925 durch
seine Wahl zum Fellow für Englisch am Magdalen College Oxford.
Damit hatte er eine Stelle, die im Normalfall lebenslange berufliche
Sicherheit bot. Die Lehre war von nun an seine Hauptbeschäftigung.
Bekehrung zum Christentum
Im Laufe der Zeit näherte
sich Lewis mehr und mehr dem Christentum an. Eine wichtige Rolle spielten
dabei Gespräche mit seinen Freunden Tolkien und Hugo Dyson. Dazu
kam der Einfluß von Adam Fox, der als Theologe und Geistlicher
am Magdalens College wirkte. 1931 schließlich bekehrte er sich
endgültig zum Christentum. Weihnachten 1931 empfing er in seiner
anglikanischen Pfarrkirche zum ersten Mal nach seiner Jugend wieder
die Kommunion. Neben seinen Freunden halfen ihm auf diesem Weg auch
zahlreiche von ihm gern gelesene Autoren, insbesondere Chesterton und
George MacDonald.
Lewis bekehrte sich nun nicht
zuerst auf der Gefühlsebene, um dann seine philosophische Position
dementsprechend anzupassen. Im Gegenteil! Gerade die Vernunft sprach
für das Christentum und zwang ihn geradezu zur Annahme des Glaubens.
Und Lewis war zweifellos ein Mann von beeindruckender Vernunft. Das
zeigt sich deutlich an seinen Schriften.
Die Inklings
In den dreißiger Jahren
begann sich um Lewis herum eine Gruppe von Freunden zu sammeln. Zu ihnen
gehörten Lewis` Bruder Warren, Tolkien,
der Priester und Dichter Adam Fox, und seit dem Krieg Charles Williams.
Bücher von Lewis und Tolkien wurden zuerst in diesem Kreis verlesen
und diskutiert. Es gab lange Gespräche und Diskussion. Dieser Kreis
- die Inklings - machte Literaturgeschichte. Selten wird soviel Weltliteratur
auf einmal versammelt gewesen sein. Am Donnerstag traf man sich abends
in Lewis` Räumen im College, am Dienstag kam man mittags in einem
Pub zusammen.
Schriftsteller und Apologet
Der neugewonnene Glaube prägte
bald das Wirken von Lewis. 1933 entstand mit "The Pilgrim`s Regress",
eine allegorische Geschichte seiner Bekehrung. Dieses Buch, das von
John Bunyans Pilgrim`s Progress
beeinflusst ist, ist sehr interessant, aber nur mit etwas Hintergrundwissen
zu verstehen. Um die in allegorischen Gestalten verkleideten geistigen
Strömungen mit denen Lewis sich auseinandersetzt zu erkennen, muß
man sie nämlich zuerst einmal kennen. Deshalb erlangte es im Vergleich
zu Lewis` anderen Werken keine allzu große Verbreitung. Dies gelang
erst mit Werken wie der Auseinandersetzung mit dem Theodizeeproblem
"The Problem of Pain" (Über den Schmerz) und den unterhaltsamen
"Screwtape Letters" (Dienstanweisungen an einen Unterteufel).
Darin zeigt Lewis den Alltag des Menschen aus der Perspektive eines
Teufels. Diese Bücher bringen den Leser sowohl zum Schmunzeln wie
zur Gewissenserforschung. Lewis beschränkte sich nicht auf Bücher.
Während des Kriegs hielt er regelmäßige Radiovorträge,
die in das Christentum einführen. Sie wurden später unter
dem Titel "Mere Christianity" (Pardon, ich bin Christ) veröffentlicht.
Weitere Bücher, wie eine Verteidigung der Möglichkeit von
Wundern - Miracles (Wunder) - folgten.
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Neben den eher apologetischen
Schriften schrieb Lewis auch Romane. So die Trilogie
"Out of the Silent Planet" - "Perelandra" - "That
Hideous Strength". Die ersten beiden Bücher sind gewissermaßen
christliche Science Fiction. Der dritte wird eher mit den Romanen von
Charles Williams verglichen, in denen die übernatürliche in
die natürliche Welt einbricht. Lewis späteres Werk "Till
We Have Faces" setzt neue, eigene Akzente.
Die am weitesten verbreiteten
Schriften von C. S. Lewis sind seine Kinderbücher. Es sind die Chronicles
of Narnia. Kinder stoßen darin auf eine andere Welt. Diese wird
unter anderem von sprechenden Tieren, mythologischen Gestalten wie Faunen,
Centauren und Zwergen bevölkert. Auch gibt es große Gefahren
und Abenteuer. Das Entscheidende aber ist der sprechende Löwe Aslan.
Er steht für Christus. In diesen Büchern werden zentrale Fragen
behandelt: Schöpfung, Sünde und Erlösung, Tod und Auferstehung,
Gericht und Vergebung. Diese Kinderbücher sind das Meisterwerk von
Lewis. Nicht umsonst zählen sie im englischsprachigen Bereich zu
den ganz großen Kinderbuchklassikern.
Literaturwissenschaftler
Es darf nicht vergessen werden,
daß Lewis trotz seines großen schriftstellerischen und apologetischen
Wirkens zunächst Literaturwissenschaftler war. Das war seine eigentliche
Hauptbeschäftigung. Auch darin machte er sich einen Namen. Zunächst
lehrte er bis 1954 am Magdalens College, Oxford. Er hielt vielbesuchte
Vorlesungen und betreute als Tutor Studierende. 1954 schließlich
wurde er nach Cambridge auf einen eigens für ihn eingerichteten Lehrstuhl
für Literatur des Mittelalters und der Renaissance berufen. Neben
seiner Lehrtätigkeit verfasste er Bücher, von denen sein Werk
über die Liebe in der mittelalterlichen Literatur, "The Allegory
of Love", am bedeutendsten ist. Es ist eine Seltenheit, dass ein
wissenschaftliches Werk aus den dreißiger Jahren heute noch aufgelegt
wird. Einige Jahre später wurde er ausgewählt, den Band zur
englischen Literatur im 16. Jahrhundert in "The Oxford History of
English Literature" zu schreiben. Außerdem erschienen weitere
Bücher von eher einführendem Charakter wie z. B. "The Discarded
Image" eine Einführung in die Literatur des Mittelalters.
Späte Heirat und Tod
1957 heiratete Lewis im Krankenhaus
die amerikanische Schriftstellerin Joy Davidham. Die Geschichte dieser
Heirat ist ungewöhnlich. Joy hatte unter anderem durch die Werke
von Lewis zum christlichen Glauben gefunden. Sie besuchte ihn bei einem
Aufenthalt in Oxford. Eine enge Freundschaft entstand. Joy blieb mit ihren
Kindern in England, bekam allerdings nach einigen Jahren wohl wegen ihrer
kommunistischen Vergangenheit Probleme mit der Aufenthaltserlaubnis. Als
die Abschiebung drohte, bat sie Lewis um eine geheime standesamtliche
Ehe, was dieser gewährte. Kurz danach erkrankte Joy an Krebs. Lewis
verliebte sich in sie. Joy hatte sich wohl schon deutlich vorher in Lewis
verliebt. Doch es gab ein Problem: Joy Davidham war geschieden. Allerdings
hatte Joys geschiedener Mann schon vor der Ehe mit Joy geheiratet und
sich wieder scheiden lassen, so dass man bei der Annahme der Unauflöslichkeit
der Ehe die Heirat mit Joy als ungültig betrachten musste. Das anglikanische
Eherecht bot nicht die Möglichkeit darauf Rücksicht zu nehmen.
Deshalb war die kirchliche Ehe am Krankenbett nur dadurch möglich,
dass der Pfarrer das kirchliche Verbot ignorierte. Lewis und Joy waren
so verheiratet. Aber zunächst bestanden Zweifel, dass Joy das Krankenhaus
lebend verlassen würde. Lewis betete um Heilung, der Tumor hörte
auf zu wachsen. So hatten beide zwei glückliche Jahre ehe sie 1960
am wiederaufgetretenen Krebs starb. Lewis wurde durch ihren Tod tief getroffen
und schrieb sein erschütterndstes Werk "A Grief Observed".
Sein Glaube überstand diese schwere Belastung.
Wenig später verschlechterte
sich Lewis` Gesundheitszustand. Am 22.November 1963 starb er in Oxford.
Würdigung
Fast vierzig Jahre sind seit
dem Tod von Lewis vergangen. Auch heute noch werden seine Bücher
millionenfach gelesen. Das kommt nicht von ungefähr. So sind seine
Anfragen an das szientistische Weltbild heute aktueller als zu seiner
Lebenszeit. Sein Versuch christliche Grundfragen in einfacher Sprache
zu behandeln, sollte mehr Nachahmer finden. Er hat vielen geholfen das
Christentum zu verstehen. Mit seiner Konzentration auf die christlichen
Grundpositionen, die von den großen Konfessionen geteilt werden,
weist er auch uns heutigen Christen den Weg. Denn im Verständnis
und der Vertiefung der zentralen Punkte des christlichen Glaubens liegt
für die Christenheit die Chance, in Einheit miteinander den Weg zur
Einheit mit Gott zu gehen.
Thomas Gerold
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Thomas
Gerold hat mehrfach zu C. S. Lewis publiziert (Publikationen).
Seine Studie zu Lewis geistlichem Meister George MacDonald "Die
Gotteskindschaft des Menschen. Die theologische Anthropologie
bei George MacDonald" kann beim Lit-Verlag unter folgender
www-Adresse bestellt werden:
http://www.lit-verlag/isbn/3-8258-9853-9
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