Friedrich
von Hardenberg, genannt Novalis
Einer der
großen Dichter der Romantik
Friedrich von Hardenberg
wurde am 2. Mai 1772 auf dem Gut Oberwiedersted geboren. Er war der
erstgeborene Sohn der alten adeligen Familie von Hardenberg. Neben seiner
älteren Schwester Karoline folgten neun jüngere Geschwister.
Sein Vater stand in Diensten des Kurfürsten von Sachsen. Die Erträge
des kleinen Guts allein hätten für die standesgemäße
Versorgung der Familie nicht ausgereicht. Die Ernennung des Vaters zum
Salinendirektor machte die Übersiedlung nach Weißenfels nötig.
Ab 1783 übernahm der
mit Schiller befreundete Theologe Carl Christian Erhard Schmid als Hauslehrer
die Erziehung Friedrichs von Hardenberg. Eine Erkrankung der Mutter
machte einen zeitweisen Aufenthalt auf Schloss Lucklum, beim Onkel Gottlob
Friedrich Wilhelm von Hardenberg notwendig. Dieser war Komtur der (protestantischen)
sächsischen Ballei des Deutschritterordens. Die Pflege des Kontakts
zum Onkel lag besonders nahe, da er über hervorragende Kontakte
verfügte, und so für eine spätere Karriere sehr hilfreich
sein konnte. Auch nach der Rückkehr zur Familie wurde der Kontakt
mit dem Onkel aufrechterhalten.
1790 besuchte er für
kurze Zeit das Gymnasium Eisleben. Im Oktober 1790 immatrikulierte er
sich schließlich an der Universität Jena. Dort sollte er
das für den Eintritt in den Staatsdienst notwendige Jurastudium
absolvieren. Größer war sein Interesse allerdings an Philosophie,
Geschichte und Literatur. So hörte er u. a. Vorlesungen bei Friedrich
Schiller, mit dem sich eine engere Bekanntschaft entwickelte. Schließlich
wurde Schiller sogar von Friedrichs Vater gebeten, diesen an sein eigentliches
Studienfach zu erinnern. Schiller hatte damit Erfolg. Von nun an wollte
sich Friedrich verstärkt der Rechtswissenschaft widmen.
Die Konzentration auf das
Jurastudium sollte durch einen Wechsel des Studienortes erleichtert
werden. Hardenberg ging nach Leipzig. Doch die literarischen und philosophischen
Interessen wurden nicht vernachlässigt. Bald lernte er Friedrich
Schlegel kennen. Es entwickelte sich eine lebenslange Freundschaft,
von der viele Briefe zeugen. Doch ganz wurde das Ziel des Wechsels des
Studienortes, nämlich die Konzentration auf die Rechtswissenschaft,
nicht erreicht. Friedrich verliebte sich in eine junge bürgerliche
Leipzigerin. Der Vater intervenierte. Nach einer kurzen Krise wechselte
Friedrich wieder den Studienort. Diesmal ging es nach Wittenberg, und
dort schloss er das Studium dann auch wirklich ab.
Damals wie heute sollte ein
Studium durch Praxiserfahrung ergänzt werden. Deshalb wurde Friedrich
von Hardenberg zu einem der besten Verwaltungsleute, dem Kreisamtsmann
Coelestin August Just nach Tennstedt geschickt. Mit seinem neuen Vorgesetzten
verstand er sich gut. Neben der Verwaltungsarbeit hatte Novalis sowohl
Zeit zu schreiben, als auch die Gegend kennen zu lernen. Dabei gelangte
er auf das nahegelegene Gut Grünstedt, wo er Sophie von Kühn
kennenlernte und sich sofort in sie verliebte. Seine Liebe wurde erwidert.
Am 17. März 1795 verlobten sich beide inoffiziell miteinander.
Dieser Tag war zugleich ihr dreizehnter Geburtstag. Trotz ihrer Jugend
wurde die Verlobung von Sophies Eltern gutgeheißen. Beide waren
von Hardenberg selbst sehr angetan. Dazu kam wohl die Hoffnung, eine
der vielen Töchter auf diese Weise standesgemäß zu verheiraten.
Das war damals bei einer kinderreichen Familie nicht unwichtig. Hardenberg
wollte erst einen günstigeren Zeitpunkt abwarten, die Verlobung
seinen Eltern zu offenbaren. Die von Kühns waren nicht sonderlich
vermögend, außerdem war Sophies Mutter von bürgerlicher
Herkunft.
Zwar musste bis zur Hochzeit
noch bis zu Sophies sechzehnten Geburtstag gewartet werden, doch bestimmte
diese Aussicht von nun an seinen Lebensweg. Zunächst musste der
21jährige die materiellen Voraussetzungen für eine Ehe schaffen.
Er arbeitete hart. Neben der Verwaltungsarbeit führte er seine
literarische Arbeit und seine philosophischen Studien fort. Zwischendrin
besuchte er die Familie von Kühn. Doch schon im November kündigten
sich Schatten an. Sophie von Kühn erkrankte schwer. Gleichzeitig
musste Hardenberg die Gegend von Tennstedt verlassen. Der Vater hatte
ihm eine Stelle bei der Salinenverwaltung besorgt. Dies schien der beste
Weg für eine Stellung in kurfürstlichen Diensten. Sophie erholte
sich für kurze Zeit. Doch schon bald kamen Rückschläge.
Mehrere Operationen waren nötig. Wenn es irgendwie möglich
war, fuhr Hardenberg zu Sophie. Am 19. März 1797 starb sie.
Der Tod Sophies stürzte
Hardenberg in eine tiefe Krise. In den Tagebucheinträgen dachte
er darüber nach, ihr nachzusterben. Zu dieser Zeit war sein ganzes
Leben auf die Hoffnung auf ein Wiedersehen nach dem Tod ausgerichtet.
Diese Zeit prägte sein Werk zutiefst. Man darf nicht vergessen,
dass er zu diesem Zeitpunkt erst 24 Jahre alt war.
Dennoch musste das Leben
weitergehen. Sein Dienst ging weiter. Dafür entschloss sich Hardenberg,
sogar an der Bergakademie Freiberg zu studieren. Im Laufe der dortigen
Studien setzte er sich sowohl mit den Techniken des Bergbaus als auch
mit der Chemie auseinander. Außerdem knüpfte er neue Bekanntschaften.
So mit Friedrich Wilhelm Joseph Schlegel, August Wilhelm Schlegel, Ludwig
Tieck und Goethe. Und mit der Zeit entstand sogar eine neue Liebe. Er
traf Julie von Charpentier mit der er sich im Dezember 1798 verlobte.
1799 kehrte er nach Weißenfels zurück. Seine literarisch
produktivste Zeit begann. Gleichzeitig ging seine Arbeit in sächsischen
Diensten erfolgreich weiter. Mit seiner im Dezember 1800 erfolgten Ernennung
zum Amtshauptmann schienen die materiellen Grundlagen für eine
Heirat mit Julie gelegt. Doch wieder bedroht Krankheit das Glück.
Diesmal verschlechterte sich sein eigener Gesundheitszustand. Julie
pflegte ihn. Wenige Monate später, am 25.März 1801, starb
er in Weißenfels. Neben seinem Bruder war auch Friedrich Schlegel
anwesend.
Erst nach seinem Tod sollte
der Großteil seines Werks veröffentlicht werden. Friedrich
Schlegel und Ludwig Tieck nahmen sich seines literarischen Nachlasses
an und veröffentlichten ihn. Davor war nur ein kleiner Teil gedruckt
worden. Es sagt einiges über einen solchen literarischen Nachlass
aus, dass zwei selbst so bekannte Autoren die Arbeit der Herausgeberschaft
übernahmen. Das Werk ist sehr umfangreich, Briefe, Tagebücher,
unzählige Gedichte und Fragmente. Es lohnt sich, wenigstens einige
Werke näher anzusehen.