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Persönlichkeiten
von gestern und heute
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| Papst
Bonifaz VIII. Zwischen Weltherrschaftsanspruch und Selbstverkennung Einführung |
Papst Bonifaz VIII. |
| Dieser
Konflikt markierte den Ausgangspunkt des Konfliktes zwischen Papsttum und
Frankreich, dessen Höhepunkt ein Dreivierteljahrhundert später
das Abendländische Schisma, und damit die Gegenpäpste in Avignon
darstellten. Des Weiteren ließ sich Bonifaz während seines achtjährigen
Pontifikates prächtige Bauwerke errichten, mehrte sein Privatvermögen
beträchtlich, betraute etliche seiner Verwandten mit geistlichen Ämtern
und versah sie mit kirchlichen Ländereien. Seine Gegner innerhalb der
Kurie, wie das Beispiel der beiden Kardinäle aus der Familie Colonna
in drastischer Weise aufzeigt, liess er verfolgen, vertreiben und exkommunizieren.
Deren Familienbesitz wurde verheert, letzlich mussten die Colonna im Jahre
1297 an den Hof Philipps von Frankreich in die Verbannung entfliehen. Seinen
zurückgetretenen Vorgänger, Papst Coelestin V., ließ Bonifaz
bis zu dessen Tod inhaftieren, um seinen Gegnern ein geeignetes Argument
gegen seine legitime Papstwahl zu entziehen.
Die umstrittene Wahl
zum Papst Das Jubeljahr 1300 Der Konflikt mit Frankreich Bernhard de Saisset, der Bischof
von Pamiers, machte im Jahre 1301 als päpstlicher Legat dem französischen
König schwere Vorwürfe in Bezug auf Verletzungen klerikaler
Rechte und forderte den Einsatz kirchlicher Steuereinkommen für einen
Kreuzzug. Sein Auftreten war anmaßend und verletzend, und so wurde
Saisset des Hochverrats und der Majestätsbeleidigung angeklagt und
für schuldhaft befunden. Bonifaz geriet darüber in Zorn, forderte
die sofortige Freisetzung des Bischofs und lud Philipp in der Bulle "Ausculta
fili" zu sich nach Rom, um vor einer Synode französischer Bischöfe
am 1. November 1302 Rechenschaft abzulegen. Philipp ließ den Bischof
daraufhin frei und verwies ihn, sowie den päpstlichen Nuntius des
Landes. Das Original der päpstlichen Bulle ließ er nach dem
Verlesen verbrennen, dem Reichstag in Paris wurde die Fälschung "Deum
time" vorgelegt, welche die päpstliche Bulle an Schroffheit
weit übertraf. So erreichte Philipp, dass die französischen
Reichsstände ihm ihre Hilfe im Kampf gegen Papst und Kurie zusagten. |
Päpstliches
Weltherrschaftsstreben Trotz eines Verbotes durch König Philipp nahmen viele französische Kirchenvertreter an der am 30. Oktober 1302 beginnenden römischen Synode teil, zu welcher der Papst in seiner bereits erwähnten Bulle "Ausculta fili" geladen hatte, die das Verhältnis zwischen geistlicher und weltlicher Gewalt klären sollte. Das Ergebnis der synodalen Beratungen war die Bulle "Unam sanctam" vom 18. November 1302, die schärfste Ausprägung päpstlicher Weltherrschaftsgedanken. Dort wird die "Zwei-Schwerter-Lehre" ausgeführt. Es wurde argumentiert, es gebe zwei Schwerter, von denen das geistliche von der Kirche, das weltliche für die Kirche verwendet werden müsse (Berufung auf Lk 22, 38). Die Kirche übertrage das weltliche Schwert den Fürsten unter der Voraussetzung, dass sie es "auf den Wink und die Zulassung des Priesters" führten. Wer sich der geistlichen Gewalt widersetze, widersetze sich der Anordnung Gottes. Demnach sei es für alle Menschen heilsnotwendig, dem römischen Bischof untertan zu sein. Die Niederlage gegen
Philipp IV. Um zu einer objektiven Beurteilung des Geschehens zu kommen, darf man die Akteure Bonifaz und Philipp allenfalls nicht aus den Umständen ihrer Zeit herauslösen. Beide Seiten hatten aus ihrer jeweiligen Sichtweise durchaus berechtigte Ansprüche, die uns heute vielleicht schwer verständlich scheinen. Bonifaz VIII. hatte nicht akzeptieren wollen, dass die Zeiten päpstlicher Universalherrschaft endgültig vorüber waren. Konnte Papst Innozenz III. sich 80 Jahre zuvor noch gegen untereinander zerstrittene europäische Fürsten durchsetzen, so hatten sich die Umstände bis zum Pontifikat des Bonifaz stark gewandelt. Der aufstrebende und machthungrige König Philipp IV. von Frankreich, der sich anschickte, die dominierende Stellung in Europa einzunehmen, war nunmehr nicht gewillt, sich dem Papsttum unterzuordnen. Schließlich musste dieser politische Papst fast zwangsläufig an diesem Machtkampf mit seiner mächtigen weltlichen und kirchlichen Gegnerschaft scheitern, die er sich durch seinen teils brutalen Konfrontationskurs zugezogen hatte. Der Anspruch des Papsttums, eine universell beherrschende Rolle einzunehmen, nahm mit der Niederlage Bonifaz VIII. gegenüber Philipp von Frankreich sein unwiderrufliches Ende. Philipp IV. "vernichtete (...) die Idee der allgemeinen Autorität" (Leopold von Ranke) des Papstes. Der Niedergang päpstlicher Machtfülle verschärfte sich in der Folgezeit. Dies führte, zusammen mit den Spannungen zwischen Papsttum und Frankreich, im Jahre 1378 zum Abendländischen Schisma, welches die Kirche für annähernd vierzig Jahre spalten sollte. Stefan A.
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