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Persönlichkeiten
von gestern und heute
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Crescentia Höss von Kaufbeuren
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Bis zum heutigen Tag besuchen Menschen die Stätte, an der Crescentia Höss gewirkt hat: das kleine Franziskanerinnenkloster inmitten der Allgäuer Stadt Kaufbeuren. Die Lebens und Glaubensspuren der einfachen, klugen und dabei tiefreligiösen Schwäbin sind auch nach 260 Jahren ganz und gar nicht verwischt. Biographie Am 20. Oktober 1682 wird die spätere Crescentia als sechstes von acht Kindern in Kaufbeuren geboren und auf den Namen Anna getauft. In jungen Jahren erlernt sie vom Vater das Weberhandwerk. Die Mutter, eine Baderstochter aus Füssen, weist sie ein in die Krankenpflege. Trotz großer Armut ermöglicht der Vater seinen Kindern den Schulbesuch. Die kleine Anna ist begabt, zeigt rasche Auffassungsgabe, klares Urteilsvermögen und ungewöhnliche religiöse Aufgeschlossenheit. Von ihrem 17. Lebensjahr an wünscht sich Anna leidenschaftlich in das nahe Maierhof Kloster aufgenommen zu werden. Das konsequente Leben nach dem Evangelium fasziniert die Jugendliche. Doch beim besten Willen vermögen es die Eltern nicht, die erforderliche Aussteuer für ihre Tochter aufzubringen. Dennoch ist Anna zuversichtlich. Unvermutet setzt sich der evangelische Bürgermeister Andreas Wöhrlin ein. Er hatte der Oberin des Klosters in einer wichtigen Angelegenheit geholfen und fordert nun als Gegenleistung die Aufnahme der Weberstochter, auch ohne die entsprechende Mitgift. 1703 wird Anna Höss in die Gemeinschaft aufgenommen und erhält den Ordensnamen Crescentia -"die Wachsende". Ihr Probejahr beginnt unter denkbar schlechten Bedingungen. Die Oberin Theresia Schmid ist gegen die Neue eingestellt, schließlich ist ihr der "Weberbutzen" aufgedrängt worden. Sie überträgt ihre Geringschätzung auf die anderen Schwestern. Die Novizin sieht sich einer feindseligen Atmosphäre ausgesetzt und bekommt die härtesten und unangenehmsten Arbeiten zugeteilt. Systematisch soll sie so aus dem Kloster gemobbt werden. Crescentia hält sich tapfer an Jesu Worte und Vorbild und versucht, sich ihren guten Willen und ihre Freundlichkeit zu bewahren. Sie bleibt standhaft, und einige Mitschwestern beginnen, ihr Zuneigung zu zeigen und Mut zuzusprechen. Im darauffolgenden Jahr kann sie ihre Profess ablegen: Feierlich gelobt sie, nach den drei Gelübden Gehorsam, Armut und Ehelosigkeit zu leben. Ihre Religiosität und die nahezu vollkommene Haltung ist den meisten Schwestern und dem Provinzial des Klosters von Anfang an suspekt. Aber das Auffallende an ihr entspringt nicht Eigensinn, vielmehr hat sich Gott dieser Frau in außergewöhnlicher Weise angenommen, ja bemächtigt. Sie verfügt über starke intuitive Fähigkeiten, eine bezwingende Liebenswürdigkeit und unerschütterliches Gottvertrauen trotz aller Anfeindungen. 1707 wird Oberin Theresia wegen
Unfähigkeit abgesetzt. Unter der neuen Oberin Johanna Altwöger
verbessert sich die Lage Crescentias, denn diese erkennt die Echtheit
ihrer Berufung. Dennoch wird sie in nahezu diskriminierender Weise noch
einmal mit drastischen Gehorsamsprüfungen getestet. Aufgrund des
Bedürfnisses, unterscheiden zu können und sich gegebenenfalls
vor bösen Gewalten zu schützen, ist man nicht zimperlich in
der Anwendung der Mittel, die Klarheit schaffen sollen. Crescentia nimmt
die entwürdigende Behandlung hin und lässt sich keine Verfehlung
zu Schulden kommen. "Im Gehorsam finde ich Gott, was will ich
denn sonst noch mehr!" ist ihr Leitspruch. Sie fühlt sich
von Jesus geliebt, so dass sie weder Menschen noch Verhältnisse beirren
können. Als die "Inquisition" schließlich eingestellt
wird, wandelt sich die Haltung ihr gegenüber grundsätzlich.
Ihr werden verantwortungsvolle Ämter übertragen: ab 1710 wirkt
sie als Pförtnerin und Krankenpflegerin, und in der Stadt rühmt
man ihre liebevolle Umgangsart mit Bettlern und Hilfesuchenden. 1717 überträgt
man ihr das wichtige Amt der Novizenmeisterin, das sie gut zwei Jahrzehnte
klug und einfühlsam versieht. Mystikerin und Ratgeberin Crescentia fragt sich selbst immer wieder kritisch, ob ihre außerordentliche Gottesbeziehung echt ist oder einer hysterischen Veranlagung entspringt. Als Unsicherheit und Selbstzweifel übergroß werden, besucht sie 1721 in München die Karmelitin Anna Josefa a Jesu Lindmayr. Durch sie gewinnt Crescentia das so lange ersehnte Gefühl der Sicherheit und sträubt sich nicht länger, ihre besondere Berufung zur Entfaltung zu bringen. Sie gibt die ängstliche Zurückgezogenheit auf und stellt sich beherzt allen Bitten und Anfragen ratsuchender Menschen innerhalb und außerhalb des Klosters. |
So kommt es, dass in den dreißiger Jahren des 18. Jahrhunderts die Allgäuer Stadt mehrmals von hohem Besuch beehrt wird: einer der mächtigsten Herrscher seinerzeit, Kurfürst und Erzbischof über 5 Bistümer, Clemens August von Köln, sucht das kleine Franziskanerinnenkloster auf, um mit Schwester Crescentia zu sprechen. Auch die Kurfürstin Amalia von Bayern hat sich diese Ordensfrau als Beraterin erkoren und reist zwischen 1731 und 1737 mit großem Gefolge vier Mal von München nach Kaufbeuren. Einflussreiche Äbte und andere kirchliche und politische Größen lernen die berühmte Klosterfrau kennen und schätzen. Dabei machen sie die Erfahrung: diese auf den ersten Blick unscheinbare Frau redet einem nicht nach dem Mund, sondern versucht nüchtern und getragen vom Gebet die jeweilige Lage zu erfassen, um dann mit erstaunlichem Selbstbewusstsein ihre Meinung kundzutun. Ungezählt sind die armen und reichen, gesunden und kranken, jungen und alten Besucher, die alle nur einen Wunsch haben: sich von Schwester Crescentia helfen, beraten oder trösten zu lassen. Ihre hohe Befähigung als Ratgeberin entfaltet Crescentia Höss auch in einem weitreichenden Briefapostolat. In einem Brief der Kaufbeurer Oberin an das Dreifaltigkeitskloster in München, dat. v. 10. Juli 1737, steht die Bemerkung: "Die Briefe mehren sich sehr. Nur in diesem Jahr sind es schon 800, die beantwortet sein wollen ... alle befehlen ihr Kreuz und Anliegen in ihr [Crescentias] Gebet." So findet der Kurfürst und Erzbischof Clemens August in seiner Korrespondenz mit der ihm mütterlich zugetanen Frau immer wieder Rat und Trost. Im Klosterarchiv gibt das Verzeichnis der Briefadressaten aus den Jahren 1724 1744 über 70 hochadelige Personen an, darunter u. a. König August von Sachsen mit Gemahlin und auch die Kaiserinnen Wilhelmine Amalie und Maria Theresia von Österreich. |
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| 1741
wird Schwester Crescentia trotz ihrer körperlichen Gebrechlichkeit
einstimmig zur Oberin gewählt. Drei Jahre lang prägt sie ihren
Konvent spirituell und praktisch. Crescentia, die Mystikerin, versteht sich
ausgezeichnet auf die ökonomischen Angelegenheiten ihres Klosters.
Sie zögert nicht, die Mahlzeiten der Schwestern erheblich aufzubessern:
wer hart arbeitet, der hat auch Anspruch auf ein reichhaltiges und schmackhaftes
Essen. An Festtagen lädt sie Gäste ein, die mit den Klosterfrauen
speisen und von geistlich und weltlich singenden Künstlern unterhalten
werden. Sie selbst verfasst Gebete und religiöse Gedichte. Ihr berühmtes
"Lied von der Liebe Gottes" gelangt in die Sammlung des Achim
v. Arnim und Clemens von Brentano "Des Knaben Wunderhorn". Sie
musiziert gern auf dem Trumscheit, einem Saiteninstrument, das oft in Frauenklöstern
dieser Zeit gespielt wird. Im Schlafhausgang der Schwestern lässt sie
vom Künstler Josef Schwarz aus Eggenthal einen Kreuzweg mit lebensgroßen
Figuren malen. Sie selbst verfasst die Vierzeiler zu jeder Kreuzwegstation.
Tod und Verehrung Im Frühjahr 1744 erkrankt Crescentia schwer und am Ostersonntag, den 5. April, stirbt sie mit 61 Jahren. Dies löst große Traurigkeit in der Bevölkerung aus. Zu Lebzeiten und mehr noch nach ihrem Tod steht Crescentia im Ruf der Heiligkeit, so dass ihr Name bald auch in Rom bekannt wird. Papst Benedikt XIV. erkundigt sich mit vorsichtiger Aufmerksamkeit nach der Kaufbeurer Klosterfrau. Noch im Herbst 1744 wird vom Augsburger Fürstbischof Joseph Landgraf von Hessen Darmstadt im Auftrag des Papstes eine Untersuchungskommission in die süddeutsche Stadt beordert, um dort der religiösen Euphorie auf den Grund zu gehen. In dem nun beginnenden Seligsprechungsprozess begegnet der spätbarocken Überschwänglichkeit die nüchterne Aufgeklärtheit der kirchlichen Gesandtschaft. Große Differenzen in einer redlichen Einschätzung Crescentias machen es lange Zeit unmöglich, ihrer Persönlichkeit gerecht zu werden. Trotz ihrer großen Popularität als Volksheilige wird die Seligsprechung während der Phasen der Aufklärung, der Säkularisation und des Kulturkampfes immer wieder aufgeschoben. Erst im Jahr 1900 eröffnet Papst Leo XIII. feierlich, dass die Kaufbeurer Ordensfrau Maria Crescentia Höss nun auch von der Weltkirche als Selige anerkannt ist. Fast 100 Jahre später wird der Heiligsprechungsprozess eröffnet. Er findet seinen Abschluss am 25. November 2001 mit der feierlichen Erklärung, dass Maria Crescentia Höss in den Kanon der Heiligen der katholischen Kirche aufgenommen ist.
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