Hans
Urs von Balthasar
Eine Einführung
Den Zugang zu
von Balthasar eröffnete mir John Sawards Buch The Mysteries
of March. Hans Urs von Balthasar on the Incarnation and Easter (London-San
Francisco: Harper Collins 1990). Es ist zutiefst von Balthasars Mysterium
Paschale (über das Triduum Christi) geprägt. Gleich nachdem
ich zur Vorbereitung für ein Soteriologie-Referat The Mysteries
of March durchgeblättert hatte, ging ich zum Original über,
nämlich zum Mysterium Paschale in der englischen Übersetzung
von Aidan Nicholls.
Balthasar wurde
1905 in Luzern geboren. Nach der Ausbildung in Wien, Berlin, Zürich,
Pullach und Lyon, wirkte er in den Jahren vor dem zweiten Weltkrieg
als Studentenseelsorger in Basel. Er war sowohl Germanist als auch Theologe
und beschäftigte sich mit der deutschen Literatur. Seine Auseinandersetzung
mit der Dichtung im Geiste des Gottes Jesu Christi eröffnete der
römisch katholischen Theologie neue Horizonte. Für seine Spiritualität
musste er allerdings einen hohen Preis zahlen und 1950 den Jesuitenorden
verlassen. Das brachte ihn in eine prekäre Situation. Erst 1956
wurde er im Bistum Chur inkardiniert, womit er überhaupt erst wieder
eine auch kirchenrechtlich einwandfreie Stellung bekam. Nicht zu Unrecht
bezeichnet ihn Vorgrimler für die Zeit bis zum II. Vatikanum als
"marginalisiert". Deshalb war er beim II. Vatikanum auch nicht
als Konzilstheologe präsent. Ein Durchbruch erfolgte erst 1971
mit der Gründung der Zeitschrift Kommunio. Sie kann als
Antwort auf die Konzilium-Gruppe um Rahner,
Küng, Schillebeeckx und Metz verstanden werden.
Im Rückblick
waren die vierziger und fünfziger Jahre für Balthasar eine
Zeit der Vorbereitung und Weiterbildung. Er wurde erstaunlicherweise
weder durch die aristotelische Philosophie noch durch den deutschen
Idealismus geprägt, sondern insbesondere durch die griechischen
Väter, vor allem durch Origenes, Gregor von Nyssa und Maximus,
den Bekenner.
Seine Skizzen
der Theologe erschienen zwischen 1958 (Band I, Verbum Caro. Ein Beitrag
zur Offenbarungstheologie) und 1986 (Homo Creatus Est. Eine Fundamentalanthropologie
Joseph Ratzinger gewidmet). In ihnen versucht Balthasar eine Fundamentaltheologie
zu entwickeln, ohne dass er diesen Begriff explizit verwenden würde.
Balthasars
Herrlichkeit ist in der deutschen Fassung in drei Hauptteile gegliedert
(Einleitung - Gestalten - Theologie). In der englischen Fassung besteht
sie aus sieben aufeinander folgenden Bänden. Es wurde von theologischen
Schwergewichten übersetzt, nämlich Andrew Louth, Rowan
Williams, den augenblicklichen Erzbischof von Canterbury, und Oliver
Davies. Von T&T Clark wurde es unter dem Titel The Glory of the
Lord veröffentlicht. Die zweite Trilogie Balthasars, die Theodramatik,
wurde von Graham Harrison in 15-jähriger mühsamer Arbeit übersetzt
und erschien deshalb erst 1998 komplett auf Englisch.
Balthasars völlig
trinitarische Theologie begann erst mit der Theodramatik. Darüber
hinaus beschäftigt er sich darin mit der göttlichen und der
menschlichen Freiheit. Wiederum ist die Struktur von größter
Bedeutung: Einleitung - Dramatis Personae - Handlung - Endgestalt. Die
Soteriologie wird als Drama vorgestellt. Im Zentrum steht der Abstieg
Gottes zu uns herab, dem ein analoger ewiger Akt im Herzen der Trinität
entspricht. Das trifft für Balthasar die Wirklichkeit besser als
ein "von unten hinauf", wie es z.B. Karl Rahner formuliert
hat.
Wenn Rahner der führende
Theologe der Konzilsjahre war, und für Küng das Gleiche für
die siebziger Jahre gilt, dann waren die achtziger Jahre das Jahrzehnt
Balthasars, auch wenn er schon vor deren Ende gestorben ist. Die Ernennung
zum Kardinal zeigt, dass er endlich von der Kirche anerkannt wurde.
Tragischerweise starb er kurz vor der offiziellen Kreierung am 26. Mai
1988.
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Man spürt, wie stak
Balthasar von seiner geistlichen Mitarbeiterin Adrienne von Speyer beeinflusst
ist. Das gilt z.B. sowohl für das Thema der göttlichen Sehnsucht
des Vaters und des Sohnes als auch für das Kreuz als Enthüllung
sowie als Verhüllung Gottes. Doch auch wenn er diese theologischen
Einsichten unter dem Einfluss von Privatoffenbarungen gewann, so sind
sie doch auch in Schrift und Tradition grundgelegt (1 Phil 2, 5 ff;
1 Pet 3, 19; Jn 17, 25 ff).
Die Theodramatik erlangte
nie einen so großen Einfluss, wie Herrlichkeit. Das gilt
nicht nur für die englischsprachige Welt, sondern auch für
Mitteleuropa. Nach dem Tod Balthasars hatte sich das theologische Klima
sehr verändert. U. a. in Folge der Auseinandersetzung mit der Befreiungstheologie
setzte sich eine Hermeneutik des Verdachts durch, die sich nicht nur
gegen den Versuch einer marxistisch geprägten Theologie richtete,
sondern über die innertheologischen Fächergrenzen hinweg zu
einem Verlust an Zuversicht, zur Zurückhaltung, ja zum Zittern
führte. Die letzten drei Bände - Wahrheit der Welt,
Wahrheit Gottes, Der Geist der Wahrheit, in denen Balthasar
versucht, eine christliche Metaphysik zu entwickeln - sind deshalb zu
einem sehr ungünstigen Zeitpunkt erschienen. Vielleicht ist heute
endlich ihre Zeit gekommen. Denn unsere Begriffe der Schönheit,
der Güte und sogar der Wahrheit bedürfen dringend einer Reinigung
und Ermutigung durch die Schau Gottes.
Mark Elliot
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Dr. Mark Elliott
ist Dozent für Kirchengeschichte an der Universität
von St. Andrews.
Seine wichtigsten Bücher sind The Song of Songs
and Christology in the Early Church, 381-451 (Mohr Siebeck:
Tübingen 2000) und das von ihm herausgegebene 'The
Dynamics of Human Life', Carlisle,
Paternoster, 2002.
Außerdem ist er Herausgeber des European Journal
of Theology/Europäische Theologische
Zeitschrift
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Deutsch
Werner Löser, Kleine Hinführung zu Hans Urs von Balthasar
(Herder, Freiburg, 2005.)
Karl Lehmann ... (Hrsg.) Hans Urs von Balthasar, Gestalt und Werk
( Köln: Communio, 1989)
Steffen Lösel, Kreuzwege : ein ökumenisches Gespräch
mit Hans Urs von Balthasar (Paderborn ; München [u.a.] Schöningh
,2001 .)
Englisch
Angelo Scola, Hans Urs Von Balthasar: A Theological Style (Ressourcement)
(Grand Rapids, Wm B Eerdmans, 1996)
David L. Schindler (ed.), Hans Urs von Balthasar : his life and work
(San Francisco: Ignatius, 1991.)
John Riches (ed.) , The analogy of beauty. The theology of Hans Urs
von Balthasar (Edinburgh: T&T Clark, 1986.)
Edward T. Oakes, S. J. and David Moss (eds.), The Cambridge Companion
to Hans Urs von Balthasar (Cambridge: Cambridge University Press,
2004.)
Weitere Artikel:
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