Der
dreieine Gott
Zum Sonntag Trinitatis
- zum Dreifaltigkeitssonntag
Wir Christen glauben an
den einen Gott, und wir glauben an den Gott, der Vater, Sohn und Heiliger
Geist ist. Die Dreieinigkeit - bzw. Dreifaltigkeit - Gottes ist eines
der großen Geheimnisse des christlichen Glaubens. Man wird es
nie ganz begriffen haben. Wer es auch nur annähernd verstehen
will muss damit immer ringen, wird dabei aber immer wieder neue Entdeckungen
für den eigenen Glauben machen. Die Beschäftigung mit dieser
Frage ist eine Chance, auf die zentralen Aussagen des Christentums
zu blicken.
Zunächst scheinen
Gott und der Mensch voneinander unendlich weit getrennt zu sein. Der
perfekte Gott, der Schöpfer von allem, was existiert, ist unermesslich
größer als der Mensch. Dieser ist ganz von seinem Schöpfer
abhängig, weil der ihn ja gemacht hat, aber wie soll sich der
Mensch Gott nähern können? Das ist ihm unmöglich, es
sei denn Gott macht den ersten und entscheidenden Schritt. Nach christlicher
Überzeugung hat Gott diesen Schritt getan und ist in Christus,
seinem Sohn, Mensch geworden und hat so unter uns gelebt. Denn Christus
ist Mensch und ewiger Sohn Gottes. Ein Mensch, ja sogar der Mensch
schlechthin, der einzige Mensch, der genauso ist, wie er sein sollte,
gehört untrennbar zu Gott. Damit ist er eine Brücke, die
den unermesslichen Abgrund überwindet. Damit hat Gott Einheit
zwischen sich und den Menschen geschaffen. Damit hat Gott uns einen
Zugang zu ihm geschenkt. Und darüber hinaus, hat er uns damit
sehr viel über sich gesagt: Gott ist Vater und Sohn.
Jesus erzählte den
Menschen vom Vater im Himmel. Man denke nur an die Bergpredigt, mit
den vielen Erinnerungen an den himmlischen Vater, an das Vater Unser,
oder an den immer wieder kehrenden Hinweis auf Jesu Zusammengehörigkeit
mit dem Vater im Johannesevangelium. Und diese Beziehung gibt es nicht
erst seit der Geburt Jesu in Nazrareth. Z.B. wird zu Beginn des Johannesvangeliums
klargestellt, dass Christus als das Wort Gottes, als der ewige Logos,
von Ewigkeit an zum Vater gehört. Er ist kein Geschöpf wie
wir, er ist nicht von Gott gemacht, sondern er gehört von Anfang
an zu ihm. Christus hat seinen Ursprung im Vater, aber nicht als Geschöpf,
sondern als Sohn, und dies von Anfang an. Er kommt vom Vater, er ist
ganz Sohn des Vaters, aber das bedeutet keinen zeitlichen Anfang,
sondern ein Verhältnis zwischen beiden, das keinen Anfang kennt.
Und dieses Verhältnis hört auch nicht auf, es bleibt bestehen.
Christus ist immer der Sohn, er bleibt immer das perfekte Kind des
Vaters. Innerhalb Gottes selbst gibt es eine perfekte Einheit, es
gibt darin Vater und Sohn, beide sind dies ganz und beide sind doch
eins. Besonders deutlich wird dieses Verhältnis zwischen Christus
und dem Vater im Schicksal Jesu. Jesus lebte ganz, wie es der Vater
wollte, er ging den Weg ans Kreuz, er wich dem Tod nicht aus, sondern
nahm ihn auf sich, weil er den Willen des Vaters erfüllen wollte.
Und diesen Gehorsam lebte er bis zum schrecklichen Tod am Kreuz. Und
der Vater ließ Christus, seinen Sohn, nicht im Stich, sondern
entriss ihn dem Tod. Der Tod mündete in die Auferstehung und
in die Rückkehr in die Herrlichkeit des Vaters in der Himmelfahrt.
Vollendet wird dieses Geschehen mit der glorreichen Wiederkehr Christi
zu uns als Richter, bei der er seine Schöpfung und vor allem
uns verherrlichen wird und uns endgültig in die Herrlichkeit
des Vaters holen wird. Wenn wir so auf Christus blicken, können
wir die Einheit zwischen Christus und dem Vater zumindest erahnen.
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Aber Christus und der Vater
sind zwei, wie kommen wir da zum dreieinen Gott? Wir müssen noch
den Heiligen Geist miteinbeziehen. Fünfzig Tage nach Ostern,
an Pfingsten, gedenkt die Christenheit des Heiligen Geistes, der von
Christus und dem Vater den Seinen gesandt wurde. Gott ist auch nach
dem Ende des irdischen Lebens Jesu bei uns gegenwärtig. Er lebt
in uns und unter uns. Er hat uns seinen Geist gesandt, Paulus bezeichnet
unsere Leiber als Tempel des Geistes. Dieser Geist ist in jedem Christen
lebendig. Gott ist in uns wirklich da.
Dieser Geist Gottes ist nach alter christlicher Überzeugung auch
Gott von Anfang an, nichts Geschaffenes. Weil der Geist Gott ist,
ist in ihm wirklich Gott gegenwärtig, bei uns und in uns. Das
ist das Wunderbare an der Göttlichkeit des Geistes. Gleichzeitig
ist der Geist nichts, was für sich allein verstanden werden könnte,
er ist nur zusammen mit dem Vater und dem Sohn zu verstehen, er kommt
von ihnen, und sie sind in ihm gegenwärtig. Vater, Sohn und Geist
sind eine vollendete Einheit, sie sind Vater, Sohn und Geist und doch
ein Gott. Weil Gott so ist, kann er wirklich und wahrhaft bei uns
sein und uns wirklich und wahrhaft erlösen. Das ist das wunderbare
Geheimnis der Trinität, der Dreieinigkeit: Es ist die ewige Einheit,
die uns miteinbeziehen wird, die uns in sich ziehen wird. Es ist die
Herrlichkeit, die uns miteinbeziehen wird. Darum geht es bei der Dreieinigkeit.
Sie ist nicht in erster Linie ein theologisches Problem, sondern eine
frohe Botschaft, die uns mit Hoffnung erfüllt.
Diese herausragende Bedeutung
der Dreieinigkeit macht verständlich, warum, wann immer sie von
angeblichen Theologen bestritten wurde, der Kern des Christentums
betroffen war und ist. Das erklärt aber auch, warum die Dreieinigkeit
Gottes so wichtig ist und immer wieder betont wird und wurde. Das
zeigt sich schon daran, dass jeder Christ "Im Namen des Vaters,
des Sohnes und des Heiligen Geistes" getauft wird. Nur dann wird
die Taufe von der überwiegenden Mehrheit der christlichen Konfessionen
als gültig betrachtet. Auch werden die meisten Gottesdienste
im "Namen des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes"
begonnen. Und nicht zuletzt wird der Sonntag nach Pfingsten als Sonntag
Trinitatis bzw. als Dreifaltigkeitssonntag gefeiert. Das ist sehr
passend. Die Osterzeit ist besonders gut geeignet, um das Verhältnis
von Vater und Sohn zu verstehen. An Pfingsten werden wir an den Geist
erinnert, der von beiden gesandt wird. Der Sonntag danach ist ein
passender Gedenktag für den dreieinen Gott. Dieses Fest wird
heute von vielen übersehen und wenig beachtet, und doch geht
es um etwas entscheidend Christliches. Es verdient gefeiert zu werden.
Es ist eine jährliche Erinnerung an den Gott, der Vater, Sohn
und Geist ist. Es ist eine Einladung, uns ihm immer wieder neu zuzuwenden.
Thomas
Gerold
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