Die
Theologie an der Universität
Eine Standortbestimmung
Herausgegeben von Patrick
Becker und Thomas Gerold. Mit Beiträgen von Reiner Kümmel,
Peter Neuner, Robert Schätzle, Friederike Sittler und Andreas Speer
2005, 88 S., 12.90 EUR, br., ISBN 3-8258-8081-8
Das Überleben der Theologie
an der Universität ist fraglich. Ihre Relevanz ist für viele
kaum noch zu erkennen. Das vorliegende Buch versucht das zu ändern.
Es handelt sich um die schriftliche Dokumentation eines Symposions,
das 2004 von der Arbeitsgemeinschaft Studierende der Katholischen
Theologie in Deutschland (AGT) in Würzburg veranstaltet wurde.
Ziel der AGT war es, in die dringend notwendige Diskussion um die Relevanz
der Theologie einzutreten. Dafür wurden Referenten von innerhalb
und von außerhalb der Theologie eingeladen: Nämlich Friederike
Sittler, Journalistin und Leiterin der Abteilung Kirche und Religion
beim RBB, Prof. Dr. Walter Eykmann, bayerischer Landtagsabgeordneter,
Reiner Kümmel, Prof. für Theoretische Physik in Würzburg,
Peter Neuner, Prof. für Dogmatik in München und bis Anfang
2005 Vorsitzender des Katholisch Theologischen Fakultätentags und
Andreas Speer, Prof. für Philosophie in Köln und Direktor
des Thomas-Instituts. Um die Ergebnisse dieser Tagung einem breiteren
Publikum zugänglich zu machen, wurden fast alle Tagungsbeiträge
(Prof. Eykmann gestaltete seinen Beitrag als freies Gespräch mit
den Anwesenden) von Patrick Becker und Thomas Gerold publiziert, die
beide zu den Organisatoren des Symposions gehörten.
Den Anfang macht Robert Schätzles
Einführung in die Problematik. Schätzle, der selbst jahrelang
bei der AGT mitgearbeitet hat, weist auf die zurückgehenden Zahlen
bei den klassischen Berufsfeldern für katholische Theologen hin.
Die Zahl der Priesteramtskandidaten wird immer geringer, Pastoralassistenten
werden von den Bistümern immer weniger eingestellt, in den meisten
Diözesen überhaupt nicht mehr. Welchen Sinn haben vor diesem
Hintergrund die Katholisch Theologischen Fakultäten? Er kann nicht
allein in der Ausbildung des kirchlichen Nachwuchses liegen. Deshalb
muss die Frage nach der Relevanz der theologischen Wissenschaft für
Universität und Gesellschaft neu gestellt werden.
Von philosophischer Seite
liefert der Beitrag von Speer erste Antworten. Er beklagt die schwindende
Akzeptanz innerhalb der Universität und stellt ein erschreckend
geringes Sebstbewusstsein der Theologen fest. Dennoch hat eine mit sauberer
Argumentation und methodischer Strenge arbeitende Theologie sehr wohl
einen Platz an der Universität. Sie ist in nämlich für
die Prinzipienreflexion der Wissenschaft insgesamt von großer
Bedeutung. Deshalb braucht die Universität die Theologie. Gleichzeitig
ist die Universität auch gut für die Theologie, weil sie diese
zur Arbeit mit den Regeln der Vernunft zwingt.
Auch die Journalistin Friederike
Sittler räumt der Theologie Bedeutung ein. Sie stellt die völlige
Ahnungslosigkeit weiter Kreise der Bevölkerung über theologische
Fragen fest. Gleichzeitig gibt es aber sowohl die Notwendigkeit von
Anfragen an die Gesellschaft als auch die Notwendigkeit zur Hilfe bei
der Sinnsuche. Hier wäre für die Theologie viel Arbeit zu
leisten. Leider bleiben die meisten Theologen eher stumm. Frau Sittler
ermuntert dazu, dies zu ändern. In ihren Augen sollte die Theologie
wieder zum Stachel im Fleisch der Gesellschaft werden.
Reiner Kümmel zeigt
in seinem Beitrag auf, dass sich die Ergebnisse der modernen Physik
und der Theologie nicht widersprechen, sondern sich sehr wohl miteinander
vereinbaren lassen. So hat die Physik die Vorstellung eines determinierten
Universums überwunden. Gleichzeitig lässt sich das Zeitverständnis
der Relativitätstheorie sehr gut mit dem durch Augustinus und Boethius
klassisch gewordenen Verständnis der Ewigkeit Gottes vereinbaren.
Auch die Frage nach der Existenz von Wundern könne letztendlich
von der Naturwissenschaft nicht beantwortet werden. In seinen Augen
kann die Naturwissenschaft keinesfalls den Platz der Theologie an der
Universität in Frage stellen.