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Die Toten
sind nicht verloren - Gedanken zu Allerheiligen und Allerseelen
Der November ist der traditionelle
Monat des Gedenkens an die Toten. An Allerheiligen ziehen die römisch-katholischen
Christen hinaus auf die Friedhöfe. Am Tag danach folgt dann mit
Allerseelen der eigentliche Tag an dem aller Toten gedacht wird. Der
Monat dafür ist passend gewählt. Mit dem Abfallen der Blätter
werden uns von der Natur Tod und Vergänglichkeit in besonderer
Weise demonstriert. Die Äste der Bäume sind kahl und leer.
Vieles, was in Frühling und Sommer gewachsen ist, stirbt. Dieser
tiefen Symbolik folgend können alle Christen diese Tage nutzen,
über die Toten nachzudenken.
Konzentrieren wir uns auf
die Toten. Sie sind aus dem Leben gerissen worden. Sie sind von uns
getrennt. Vergänglich scheinen die Menschen, wie die Blätter
der Bäume. Und doch ist das nur eine Seite ihres und unseres Schicksals.
Als Christen haben wir die Hoffnung, dass der Tod nicht das Ende ist,
dass der Tod in neues Leben führt. Wir bekennen uns zu dem, der
gestorben und auferstanden ist. Wir sehen in seiner Auferstehung nicht
nur ein einmaliges Ereignis, dass damit für uns belanglos wäre,
sondern wir sehen darin den Sieg über den Tod. Der Tod ist für
uns besiegt. Die Entscheidungsschlacht im Kampf mit dem Tod ist geschlagen,
auch wenn es noch dauert bis die vom Tod unterdrückte Schöpfung
endgültig befreit sein wird.
Es fällt manchmal schwer,
an dieser großen Hoffnung festzuhalten, wenn wir vor den Gräbern
stehen. Den Jüngern Jesu ging es vor fast 2000 Jahren nicht anders.
Und doch, wenn wir ihr Zeugnis annehmen, ist der Tod, der unsere Verstorbenen
festhält, schon besiegt. Sie sind vom Retter Christus nicht getrennt,
sondern mit ihm vereint. Damit sind sie mit uns vereint, die wir ebenfalls
mit Christus in Gemeinschaft stehen. Nicht umsonst gehören wir
zu seinem Leib. Wir sind eins mit Christus. Wir, die Lebenden und die
Toten. Wir gehören zusammen. Der Tod kann uns nicht endgültig
trennen. Fühlen wir das nicht, wenn unser Gedächtnis an, unsere
Gebete für, und unsere Liebe zu den Toten bestehen bleiben. Darin
überschreiten wir jetzt schon die Grenze zwischen den Lebenden
und den Toten, bzw. zwischen denen die hier in Christus leben, und denen
die dort in Christus leben. Auch wenn wir von ihrem Leben nichts Genaues
wissen, so wissen wir doch, daß wir dem, der für sie Sorge
trägt, vertrauen dürfen.
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Von daher ist es gut, wenn
wir unserer Gemeinschaft mit den Toten Ausdruck verleihen. Das tun wir,
indem wir an sie denken, indem wir an ihre Gräber gehen, indem
wir ihre Gräber schmücken. Die Gräber sind nicht belanglos.
Wir wissen zwar nicht, wie wir uns das Verhältnis der sterblichen
Leiber, die wir begraben haben, mit unseren Auferstehungsleibern denken
sollen, aber doch weist der irdische Leib auf den himmlischen hin. Vielleicht
kann man das Grab mit einem Acker vergleichen. Wir versenken das Korn
in der Erde, gießen es, pflegen den Boden, und warten auf die
Pflanze, die wächst. Dabei könnten wir vom Anblick des Korns
nicht sagen, was daraus wächst. Und doch ist die Pflanze die Entfaltung
des Samenkorns. Mag unser Wachstum in die Auferstehung nicht ähnlich
sein. Die Auferstehung ist dann erst die eigentliche Entfaltung des
Menschen. Und unsere Verstorbenen sind unmittelbar davor. Wie diese
Entfaltung genau aussehen wird, wissen wir nicht. Aber der ganze Mensch,
mit allem was er war und getan hat, wird darin aufgehen. Bauend auf
Christus und dem Zeugnis seiner Apostel, können wir für jeden
Toten hoffen: Er wird nicht verloren gehen. Er wird voll und ganz gerettet.
Über den Tod hat gesiegt das Leben.
Thomas Gerold
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