Die
Mystik im Buddhismus und im Christentum.
Und Aspekte
des interreligiösen Dialogs.
Herausgegeben von Thomas Josef Götz OSB und Thomas Gerold, ISBN
3-8306-7232-2, EOS-Verlag St. Ottilien, 130 Seiten, 12, 80 Euro.
Seit Jahrzehnten ist St. Ottilien ein Zentrum des buddhistisch-christlichen
Dialogs. Außerdem trifft sich dort seit fast zwanzig Jahren eine
Gruppe von Religionswissenschaftlern, Theologen und kompetenten Laien,
die am Dialog zwischen Buddhismus und Christentum interessiert sind.
Sie bereiten eine jährliche Tagung vor, die sich an ein breites
Publikum richtet und seit langem auf großes Interesse stößt.
2001 und 2002 war das Thema "Die Mystik im Buddhismus und im Christentum".
Die Vorträge dieser beiden Treffen bilden die Grundlage für
dieses Buch, das nun - mit etwas Verspätung - endlich erschienen
ist. Es wurde von Bruder Josef Götz OSB und dem Theologen Thomas
Gerold gemeinsam herausgegeben.
Den Anfang machen zwei Einführungen
in die Mystik. Zunächst bietet die inzwischen verstorbene buddhistische
Nonne Aya Khema vor dem Hintergrund ihrer Religion einen Einstieg in
die Thematik. Sie zeigt auf, warum jeder Mensch ein Mystiker sein müsse
und was Mystik mit dem Leben des Menschen zu tun hat. Thomas Gerold
gibt eine Einführung in die christliche Mystik. Er präsentiert
einen Überblick über ihre Geschichte und zeigt ihre Bedeutung
für den gelebten Glauben des Christen auf. In seinen Augen ist
Mystik nicht nur ein Thema für den Spezialisten, sondern - zumindest
wenn man den Begriff etwas weiter fasst - für jeden Christen.
Br. Josef Götz widmet
sich dem benediktinischen Leitsatz "Bete und Arbeite", der
auch für den interreligiösen Dialog eine große Rolle
spielt. Damit versucht er einen Zugang zur auch spirituellen Bedeutung
der Arbeit zu bieten.
Bhikshuni Tenzin Wangmo,
eine Nonne aus der Tradition des tibetischen Buddhismus, führt
in das Bodhisattva-Ideal ein. Ein Bodhisattva ist "ein Mutiger,
dessen Wille auf Erleuchtung gerichtet ist, um allen fühlenden
Wesen zu dienen". "Er ist jemand, der die höchste Erleuchtung
nicht zum Selbstzweck anstrebt, sondern entschlossen ist, sich auch
für die Befreiung der anderen einzusetzen." Ausgehend von
diesem hohen Ideal führt Tenzin Wangmo in die sechs Tugendvollkommenheiten
(Freigebigkeit, Ethik, Geduld, Tatkraft, Sammlung und Weisheit) ein,
die nicht nur für den Buddhisten von großer Bedeutung sind,
sondern auch vom Nicht-Buddhisten gepflegt werden sollten.
Es folgen zwei Beiträge
zu Mutter Teresa. Jakob Blätte nähert sich ihr in einem sehr
persönlich geprägten Beitrag aus christlicher Sicht. Dabei
führt er auf anschauliche Weise in ihr Leben und in ihre Mystik
ein. Bhiskhuni Tenzin Wangmo beschäftigt sich mit Mutter Teresa
aus der Sicht einer Buddhistin und zeigt dabei auf, wie hier eine Christin
- also Mutter Teresa - auch aus buddhistischer Sicht als Heilige verstanden
werden kann. Außerdem führt sie dabei in Unterschiede und
Parallelen zwischen buddhistischen und christlichen Mystikern ein.
Thomas Gerold stellt eine
Mystikerin des Mittelalters vor, nämlich die Engländerin Juliane
von Norwich. In ihrem Werk stehen Gottes Liebe und das Leiden Christi
für den Menschen im Mittelpunkt. Damit steht sie für eine
sehr christozentrische Mystik und für das Ernstnehmen Gottes als
eines liebenden Gottes. Sie ist damit ein gutes Beispiel für eine
spezifisch christliche Mystik, die Thomas Gerold versucht, in den Dialog
mit dem Buddhismus mit einzubringen. Dieses Bemühen macht auch
sein Schlusssatz deutlich, der etwas entscheidend Christliches aufzeigt:
"Es geht darum, Gott noch mehr zu lieben."
Die Religionswissenschaftlerin
und Japanologin Margareta von Borsig, die Übersetzerin des Lotos-Sutras,
eröffnet einen Zugang zu dieser gerade für den Mahayana-Buddhismus
bedeutenden Quellenschrift. Damit stellt sie den Bezug zu den frühen
buddhistischen Schriften her.