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Die
Göttliche Liebe
"Gott ist die
Liebe" sagt der erste Johannesbrief und spricht damit das wichtigste
überhaupt aus. Gott ist Liebe. Er liebt ganz und gar. Er wäre
nicht Gott, wenn er nicht voll und ganz lieben würde. Diese Liebe
ist es, die alles ins Leben geliebt hat. Diese Liebe hat uns, jeden
von uns, ins Leben geliebt. Er wollte nicht einfach irgendwie unpersönlich
Menschen schaffen oder gar nur irgendwie eine Welt zum Zeitvertreib,
sondern er wollte jeden einzelnen von uns, dich und mich. Das ist der
tiefste Grund unserer Existenz. Nicht eine blinde Evolution. Sie ist
nur ein Werkzeug. Der Gott, der die Liebe ist, hat uns ins Leben geliebt.
Deshalb müssen wir nicht an den blinden Mächten, die uns zu
vernichten drohen, verzweifeln. Der Größte, der Mächtigste
steht hinter uns; denn er ist die Liebe.
Nun gibt es manches,
was uns - auch mich - manchmal an seiner Liebe zweifeln läßt.
Die Welt ist voll von Leid und Tod, Katastrophen, Krankheiten, Verrat
und Lieblosigkeit. All diesem begegnen wir andauernd. Täglich.
Von allen Seiten bedrängt es uns. Und oft genug tragen wir unseren
Teil dazu bei. Wo bleibt da der liebende Gott? Mitten drin! In Christus,
seinem Sohn, ganzer Gott und ganzer Mensch, kam er selbst in die Welt
voll Tod und Leid. Dort ist er dem Leid nicht aus dem Weg gegangen.
Geboren in Armut. Der Hunger in der Wüste. Die Angst vor dem Tod
am Ölberg. Der Verrat von einem seiner engsten Gefährten.
Verspottet und gegeißelt. Der Zusammenbruch auf dem Weg nach Golgotha.
Das Leid am Kreuz. Die scheinbare Gottverlassenheit, der Schrei "Mein
Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen" und der Tod. Christus
hat mit uns gelitten. Der liebende Gott hat uns sogar im Leid, mit Leid
und durch Leid seine Liebe und seine Nähe gezeigt.
Und dabei ist es nicht
geblieben. Auf den Tod Christi folgte die Auferstehung. Nicht nur bei
ihm hat die Liebe Gottes den Tod überwunden. Christus wird uns
Menschen an seiner Auferstehung teilhaben lassen. Er wird uns aus dem
Tod mit heraus reißen und uns zum Vater mitnehmen. Er nimmt uns
ein für allemal in die Göttliche Liebe mit hinein. Ich weiß
nicht, warum er, um uns dieses wunderbare Geschenk zu machen, um uns
so voll und ganz zu erlösen, diesen schweren Weg gewählt hat.
Vielleicht, weil es der Weg ist, der uns am besten hilft, wenigstens
ein wenig selbst so zu
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lieben, wie unser
Gott. Er ist nicht nur Vorbild, bei weitem nicht, aber er ist auch Vorbild.
Wenn nun Gott Liebe
ist, dann hat das Konsequenzen. Dann sind wir zunächst von Gott
Geliebte. Aber dabei dürfen wir nicht stehen bleiben. Diese Liebe
gilt es zu erwidern. Es ist ein Anfang geliebt zu werden, aber auf die
Dauer müssen wir auch selber lieben. Ihn, der uns ins Leben geliebt
hat, die anderen, die er genauso wie uns ins Leben geliebt hat. Und
wir müssen auch uns selbst annehmen. Gott hat die Menschen als
liebende Menschen gewollt. In diese unmöglich scheinende Aufgabe,
in diese unendliche Hoffnung gilt es hineinzuwachsen. Wir müssen
und dürfen so werden, wie er uns haben will.
Manche werden sagen,
dass ist eine sehr gute Nachricht, aber eine zu gute Nachricht für
unsere Welt. Wir können sie nicht glauben. Sie passt nicht, in
diese Welt des Leids, die ich sehe und erlebe. In den Stunden der Einsamkeit,
in den Stunden der Verzweiflung scheint das so unmöglich zu sein.
Es gibt Momente, in denen es mir genauso geht. Auch ich spüre den
Zweifel. Und doch hat er mir diese große Hoffnung, diese Überzeugung
nicht genommen. Denn ich mache auch andere Erfahrungen. Angefangen mit
der Schönheit der Schöpfung. C. S. Lewis zweifelt nach dem
Tod seiner Frau daran, ob Gott wirklich gut sein kann. Könnte es
nicht ein böser Dämon sein, der die Menschen nur quälen
will? Doch dann schrieb er, so jemand könnte keine Blume machen.
Und beim Anblick der Schönheit der Natur, empfinde ich genauso.
Es gibt überwältigend Gutes auf der Welt. Es gibt eine Natur,
deren Schönheit uns überwältigt. Es gibt gute Menschen,
es gibt keinen Menschen ohne Gutes. Und oft gibt es das gerade da, wo
man es nicht erwartet. Vielleicht wird der liebende Gott, die Welt und
uns genau dann vollenden, wenn wir es nicht erwarten. Aber dann voll
und ganz. Er wird uns ganz und gar lieben und zu Liebe fähig machen.
Zur Liebe zu ihm, und zu allen anderen Menschen.
Thomas
Gerold
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