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Alt-Katholische
Kirche
Die Alt-Katholische Kirche
versteht sich als katholische Kirche, die sich an der frühen Kirche
orientiert - daher der Name. Zu den Kennzeichen der Alten Kirche gehört
seit dem zweiten Jahrhundert das Bischofsamt, aber auch die Mitentscheidung
der Gläubigen in wichtigen Fragen bis zur Wahl des Bischofs. Dies
greift die Alt-Katholische Kirche in ihrer bischöflich-synodalen
Verfassung auf, d.h. die wichtigen Entscheidungen werden von gewählten
Vertretern der Gemeinden (der Synode) gemeinsam mit dem von der Synode
gewählten Bischof gefällt.
Hintergrund dieser Akzentsetzung
ist die Erfahrung einer Kirchenspaltung: 1870 erhob das 1. Vatikanische
Konzil in Rom die päpstliche Unfehlbarkeit und den Alleinherrschaftsanspruch
des Papstes (Universalprimat) zur verbindlichen kirchlichen Lehre. Ein
Großteil der deutschsprachigen Bischöfe war auf dem Konzil
gegen die neuen Lehren eingetreten, unterwarf sich aber im Laufe der
nächsten beiden Jahre. Nun wurden diejenigen Katholiken, welche
die neue Lehre nicht annehmen konnten, aus der Kirche ausgeschlossen.
Auf den so entstandenen geistlichen Notstand - Kinder wurden nicht mehr
getauft, Ehen nicht kirchlich geschlossen, Tote nicht kirchlich bestattet
- antworteten sie mit der Gründung der Alt-Katholischen Kirche.
Bereits die ersten Synoden
nach 1870 beschlossen im Blick auf die Alte Kirche tiefgreifende Reformen:
Die Zölibatspflicht für Geistliche wurde aufgehoben und im
Gottesdienst wurde die Verwendung der Muttersprache erlaubt. Die letzte
große Reform brachte die 51. deutsche Bistumssynode 1994: Von
den 124 Gemeindedelegierten und Pfarrern stimmten über 90 % dafür,
das Bischofs- und Priesteramt für Frauen zu öffnen, so daß
Pfingsten 1996 die ersten beiden Priesterinnen in Deutschland geweiht
werden konnten. Inzwischen hat auch die Österreichische und die
Schweizer Synode in diesem Sinne entschieden, während die alt-katholische
Kirche der USA sich gegen die Weihe von Frauen ausgesprochen hat.
Die schmerzhafte Erfahrung
der Kirchenspaltung führte dazu, daß die Einheit der Christen
bereits im vorigen Jahrhundert zu einem zentralen Anliegen der Alt-Katholischen
Kirche wurde. Sie lud schon 1874 und 1875 zu sogenannten "Unionskonferenzen"
nach Bonn ein, an denen evangelische, anglikanische und orthodoxe Kirchenvertreter
teilnahmen. Von daher versteht es sich von selbst, daß sie später
den Ökumenischen Rat der Kirchen und die Arbeitsgemeinschaft christlicher
Kirchen in Deutschland mit gründete. Der erste große Einigungserfolg
war die Vereinbarung voller Kirchengemeinschaft mit den anglikanischen
Kirchen im Jahre 1931. 1985 vereinbarten die Mitgliedskirchen der EKD
und die Alt-Katholische Kirche Gastfreundschaft beim Abendmahl.
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Daß die Alt-Katholische
Kirche sich nach wie vor als katholisch versteht, wird in ihrer Liturgie
und an der Prägung ihrer Spiritualität erfahrbar. So steht die
Feier der Eucharistie, des Abendmahls im Mittelpunkt des Gemeindelebens.
Auch an der Siebenzahl der Sakramente hält sie gemeinsam mit den
orthodoxen und der Römisch-Katholischen Kirche fest. Die Wurzel im
aufgeklären, liberalen Katholizismus des 19. Jahrhunderts wirkt sich
bis heute in einer Offenheit für wissenschaftliche theologische und
historische Forschung aus. Dieser gewisse Rationalismus führte beispielsweise
zu einer deutlichen Straffung des auch in unserer Kirche vorhandenen Heiligenkalenders
und zu einer eher schlichten und nüchternen Form der Heiligenverehrung.
Die Alt-Katholische Kirche
hat heute ca. 20.000 Mitglieder in Deutschland und etwas über 3.000
in Bayern. Letztere sind in 12 Kirchengemeinden und zusätzlich 31
Gottesdienststationen zusammengeschlossen. Der Bischofssitz des "Katholischen
Bistums der Alt-Katholiken in Deutschland" ist in Bonn; die bayerischen
Gemeinden bilden ein eigenes Dekanat. Die zahlenmäßig relativ
kleinen Gemeinden bieten die Möglichkeit eines engen und persönlichen
Kontaktes. Auch der Pfarrer kennt in der Regel fast alle Gemeindemitglieder
persönlich. Erschwert wird der Kontakt freilich durch die großen
Diasporagebiete, die zu jeder Gemeinde gehören. In den letzten Jahren
zeichnet sich eine Konzentration auf die Kerngemeinden ab, in denen in
der Regel eine deutliche Verjüngung und Verlebendigung festzustellen
ist, während die Außenstationen kleiner werden.
Gerhard Ruisch
| Gerhard Ruisch (45) ist seit 14 Jahren altkatholischer Pfarrer von
Weiden. Außerdem ist er seit 8 Jahren altkatholischer Dekan
von Bayern |
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