Der neue Erzbischof von CanterburyChance und Risiko |
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Die Ernennung von Rowan Williams zum Erzbischof von Canterbury wurde sehr unterschiedlich bewertet. Für die einen ist er der große Hoffnungsträger der Anglikanischen Kirche, für die anderen ihr möglicher Zerstörer. Beide haben für ihre Position gute Gründe. Williams ist ein ausgezeichneter Theologe. Er ist ein zutiefst spiritueller Mensch. Er kann mit Menschen umgehen. Alles hervorragende Voraussetzungen für sein neues Amt. Zweischneidig mag sich sein offenes Auftreten auswirken. Es ist gut und notwendig, daß ein Kirchenmann bereit ist zu gesellschaftlichen Problemen Stellung zu nehmen. Dabei muß er bereit sein, Kritik zu üben. Williams wird das tun. Aber das ist immer mit einem Risiko verbunden. Vor der Gefahr, zu weit zu gehen oder zu einseitig zu sein, sind auch ausgezeichnete Theologen nicht gefeit. Williams wird versuchen sich für Gerechtigkeit in der Gesellschaft einzutreten. Ob er damit Erfolg haben wird oder ob er die Church of England in fruchtlose Konflikte - nach Innen und Außen - verwickeln wird, bleibt abzuwarten. |
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Rowan Williams mit seiner Frau Jane Photo: Anglican World/J. Rosenthal |
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Ähnlich verhält es sich mit seiner Haltung zur Stellung der Church of England zum britischen Staat. Eine stärkere Trennung kann ihr möglicherweise größere Freiheiten bringen. Aber sie kann auch dazu führen, daß die christlichen Positionen endgültig nicht mehr wahrgenommen werden. Von dem ungeheuren Aufwand die über Jahrhunderte gewachsenen Strukturen grundlegend zu verändern ganz zu schweigen. Noch umstrittener ist seine Haltung zur Frage der Stellung praktizierender Homosexueller in der Kirche. Williams hat nichts dagegen sie z. B. zu Priestern zu weihen. Gerade für viele afrikanische Anglikaner ist das ein Desaster. Hier droht der Anglikanischen Gemeinschaft die Spaltung. In dieser Problematik liegt vielleicht die größte Gefahr, für seine Amtszeit. Aber wie schon oben gesagt,
er ist ein guter Theologe und ein zutiefst spiritueller Mensch. Das wird
auch von vielen seiner Kritiker anerkannt und geschätzt. Sowohl in
England wie in der ganzen Anglikanischen Gemeinschaft. Wenn es ihm gelingt,
dies einzubringen, wenn er und seine Kritiker bereit sind, aufeinander
zuzugehen und auch über die Problempunkte miteinander ins Gespräch
zu kommen, dann können sich die Hoffnungen, die auf ihn gesetzt werden
erfüllen.
Thomas Gerold |
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