Frère
Roger - Nachruf auf Nachrufe
Der Tod von Roger Schutz war tragisch. Und er war ein Schock. DieZahl
der Nachrufe war groß. Mit Recht. Es gibt wenige Personen in der
Kirche, deren große und großartige Wirkung aus eigener Autorität
und ohne hohes kirchliches Amt kommen. Roger Schutz war eine der großen
spirituellen Persönlichkeiten des Christentums.
Von Taizé strahlt
Spiritualität aus, wie sie von keiner Kirche ausgeht. Seit Jahrzehnten.
Unzählige Menschen haben in den vergangenen Jahren dort wesentliche
Anstöße für ihren Glauben gefunden. Oft wurde ihr Glaube
dort erst richtig lebendig, wurde gleichsam von den Toten auferweckt.
Von Taizé strahlt
Ökumene aus. Menschen verschiedener Konfessionen leben dort wie
selbstverständlich zusammen. Diese Weite war Roger Schutz schon
von Anfang an wichtig. Und er zeigte in seiner Communauté, dass
und wie das Zusammenleben von Menschen mit unterschiedlichem Glauben
und verschiedenen Traditionen möglich ist. Das geht, sobald die
dogmatischen Abgrenzungen der Kirchen zurücktreten hinter die Liebe
Gottes und das Einander-Verstehen-Wollen und das Versöhnen der
Menschen. Roger Schutz sah seine Aufgabe und die Aufgabe von Taizé
er nicht darin, die strittigen theologischen Fragen zwischen den Kirchen
zu lösen. Auch das ist nötig. Niemand kann und soll so tun,
als ob es keine Lehrunterschiede oder Missverständnisse zwischen
den Konfessionen gibt. Auch diese Ebene der Ökumene muss auch vorangehen
und hat auch schon weite und sehr positive Ergebnisse erreicht. Wer
die vielen Dokumente vom Malta-Papier bis zur Gemeinsamen Erklärung
zur Rechtfertigung zur Kenntnis nimmt und sich bemüht, diese Ebene
der Ökumene ernst zu nehmen und zu würdigen, wird staunen
über das, was geschehen ist und wird dankbar werden. Doch in Taizé
hat das Zusammenleben Priorität.
Nachrufe über Nachrufe
ließen eine große Bestürzung aus verschiedensten Kirchen
erkennen. Wie gern würde ich so manchen Kirchenleuten und Theologen
abspüren, dass auch sie die konfessionelle Enge im Denken und im
Glauben wenigstens ansatzweise überwunden haben wie Roger Schutz!
Seit dem großen Trauergottesdienst
für den verstorbenen Papst Johannes Paul II ging der Hinweis
mit großem Staunen durch die Presse und durch manche ökumenische
Diskussionen, dass der evangelische Pfarrer Roger Schutz vom damaligen
Kardinal Ratzinger die Kommunion bei der
Feier der Eucharistie erhalten hat. Welche kirchenrechtliche Hintertüre
gibt es dafür? Der Nachfolger von Roger Schutz, Bruder Alois, sagte
in einem Interview, dass dies keine Ausnahme war. Seit 25 Jahren bekam
Roger Schutz in den Gottesdiensten im Vatikan die Kommunion. Die "wertvolle"
Begründung dafür in einem Artikel der Frankfurter Allgemeinen,
dass Roger Schutz ja mit den drei letzten Päpsten eng befreundet
war, ist merkwürdig, eher peinlich. Fragen stellen sich: