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Johannes
Paul II
Ein
großer Papst ist gestorben
Papst Johannes Paul II ist
tot. Eine Ära geht damit zuende. Die ganze jüngere Generation
hat nur ihn als Papst bewusst wahrgenommen bzw. überhaupt nur ihn
erlebt. Er hat das Bild der Kirche massiv geprägt. Auch wenn es
angesichts des immensen Ansehens Johannes Pauls II, das sich gerade
an der ungeheuren Anteilnahme bei seinem Begräbnis zeigte, unnötig
erscheint, bietet das Ende seines Pontifikats doch die Chance, seine
Leistungen in Erinnerung zu rufen. Es ist ihm gelungen, eine Reihe von
Aufgaben für die Christenheit weiter voranzubringen..
Eine dieser Herausforderungen
ist die Einheit der Christen. Diese war Johannes Paul II ein echtes
Anliegen. Heute mag das selbstverständlich erscheinen, aber wenn
man die Entwicklung von der Zeit Pius XII bis heute betrachtet, erkennt
man, wie groß die Fortschritte sind. Damals war Ökumene für
Katholiken noch strikt verboten. Das hat sich unter dessen Nachfolgern
glücklicherweise sehr gewandelt. Begegnungen mit Vertretern anderer
Konfessionen sind heute eine Selbstverständlichkeit, was sich auch
an den vielen Gästen aller Konfessionen bei der Beerdigung des
Papstes zeigte. Sowohl Patriarchen der orthodoxen und der armenischen
Kirche als auch der Erzbischof von Canterbury nahmen an der Beerdigung
teil. Man denke auch an die ökumenische Öffnung der Pforte
von St. Paul vor den Mauern im Heiligen Jahr zusammen mit dem Patriarchen
von Konstantinopel Bartholomaios und dem damaligen Erzbischof von Canterbury
George Carey. Wer sich vor Ort für Ökumene engagierte, konnte
sich - sofern er sich an gewisse Grenzen hielt - auf die Position des
Papstes berufen. Das ist nicht wenig. Das Streben und Bemühen nach
Einheit wurden von ihm so unterstützt. Das heißt nicht, dass
es nicht noch sehr viel zu tun gäbe und dass nicht vielleicht auch
schon mehr hätte getan werden können, aber dennoch hat er
mit Sicherheit auf dem Weg zur Einheit einen bedeutenden Beitrag geleistet.
Auf diesen kann in Zukunft weiter aufgebaut werden.
Eine zweite große Herausforderung
dieser Zeit ist die Begegnung zwischen den Religionen. Johannes Paul
II hat diese Begegnung sehr gefördert. Während seines Pontifikats
pflegte er den Kontakt mit Vertretern verschiedenster Religionen. Auch
förderte er die Arbeit vor Ort, wo sehr viel geschehen ist. Man
denke z.B. an die inzwischen sehr tiefen Begegnungen zwischen buddhistischen
und christlichen Mönchen, die heute eine Selbstverständlichkeit
sind und vor 50 Jahren sicher nicht möglich gewesen wären.
Hervorzuheben sind neben den Kontakten mit der buddhistischen auch die
mit der islamischen Welt, die gerade in diesen Jahren der Spannung von
höchster Bedeutung sind. Insbesondere in diesem Zusammenhang sind
auch seine Warnungen vor dem Krieg am Golf zu nennen, die mit dazu beigetragen
haben, dass diese Auseinandersetzungen nicht einfach zum Krieg zwischen
den Religionen uminterpretiert werden konnten. Die vielen Vertreter
der nicht-christlichen Religionen, die ihm die letzte Ehre erwiesen
haben, sind auch in dieser Hinsicht ein Zeichen.
Ein dritter Aspekt ist sein
Beitrag dazu, all die Sichtweisen der Welt zurückzuweisen, die
Gott ausblenden, die damit im wahrsten Sinne des Wortes gottlos sind,
und damit immer auch für den Menschen zur Gefahr werden. Am erfolgreichsten
war seine Auseinandersetzung mit dem Kommunismus, den er durch sein
langes Wirken in Polen sehr gut kannte und dem er auch erfolgreich entgegentrat.
Aber nach diesem Erfolg verfiel er eben nicht - wie viele andere - in
den Fehler, damit die Marktkräfte als das letztendlich Entscheidende
für das Verständnis des Menschen zu betrachten. Für ihn
war auch der radikale Kapitalismus, die Reduktion des Menschen auf eine
Ware, auf seinen wirtschaftlichen Wert, klar abzulehnen. In dieser Hinsicht
war Johannes Paul II weniger erfolgreich als im Kampf gegen den Kommunismus.
Aber er hat die immer größer werdende Gefahr schon erkannt.
Er war hier nicht derjenige, der einer solchen Denkart den letzten Todesstoß
versetzte, wie beim Kommunismus, sondern einer derjenigen, die sich
diesem System schon zu einem sehr viel früheren Zeitpunkt entgegenstellten
und auf die damit viele der Späteren werden aufbauen können.
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Ein weiterer Punkt, der mit
dem Kampf gegen die gottlosen Ideologien in einem sehr engen Zusammenhang
steht, ist sein Einsatz für das Leben. Johannes Paul II stand immer
für den Schutz des menschlichen Lebens von der Empfängnis
bis zu seinem Ende ein. In diesem Zusammenhang kann man auch seinen
Einsatz für den Frieden verstehen, der ebenfalls auch im Zeichen
des Schutzes des menschlichen Lebens zu verstehen ist. Dies gilt gerade
für ihn, der das Elend und den Tod, die ein Krieg mit sich bringt,
durch die Jahre der deutschen Besatzung in Polen persönlich miterlebte.
In seinem Einsatz für das Leben waren Johannes Paul II nicht nur
Erfolge beschieden. Es ist ein Einsatz der weitergehen muss und der
außerdem von jeder neuen Generation neu angegangen werden muss.
Aber gerade weil er sich hier nicht immer durchsetzen konnte, ist sein
Wirken für das Leben ein Ansporn für die Zukunft.
Eines ist darüber hinaus
Johannes Paul II weniger in seinen Worten sondern vielmehr durch sein
Vorbild gelungen: Der Umgang mit Leiden und Tod. Über viele Jahre
hinweg war die Krankheit der ständige Begleiter des Papstes. Es
ist lang her, dass er nicht davon gezeichnet war, und doch hat er sich
weder von ihr noch vom Alter an seiner Aufgabe hindern lassen. Das zeigte
sich noch kurz vor seinem Tod. An Ostern, und damit am Sonntag davor,
gab er, wenn auch stumm, vom Fenster aus den Segen Urbi et Orbi. Drei
Tage vor seinem Tod zeigte er sich am selben Fenster das letzte Mal
den Menschen, er wollte sie, die gekommen waren, nicht enttäuschen.
Trotz Krankheit und Alter, trotz der Nähe des Todes weiterzumachen
und die eigene Arbeit nicht einstellen, das ist eine Ermutigung von
Johannes Paul II für viele Menschen heute. Er hat sich nicht in
den Ruhestand abschieben lassen, sondern trotz der Krankheit vieles
geleistet. Und bemerkenswert ist sein Tod gerade in der Osterwoche.
In der Zeit, in der die Auferstehung Christi gefeiert wird, und in der
er für diese Feier seine letzten Kräfte eingesetzt hat, ist
er gestorben. Damit verweist selbst der Zeitpunkt seines Todes auf die
Hoffnung auf die Auferstehung und damit auf die große christliche
Hoffnung. In seinem Tod verweist er damit auf Christus, der uns in Tod
und Auferstehung vorausgegangen ist.
Thomas Gerold
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