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"Meinen
Frieden gebe ich euch"
Gebetswoche
zur Einheit der Christen in Jerusalem geht zu Ende
Die Gebetswoche zur
Einheit der Christen wird seit über 100 Jahren in Kirchen auf
der ganzen Welt gefeiert. Offizieller Termin in diesem Jahr war
der 18.-25. Januar. Weil jedoch in Jerusalem aufgrund der unterschiedlichen
Kalenderzählungen die Weihnachtsfeierlichkeiten bis zum 19.
Januar andauerten, fand die Gebetswoche hier eine Woche später
statt.
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Eine unscheinbare
Holzleiter über dem Eingang der Grabeskirche gilt unter Reisenden
und Reiseführern im Heiligen Land seit Jahrzehnten als heimliches
Symbol für das Wesen der Kirche in Jerusalem: So zerstritten seien
die Christen, erzählt man sich, daß sie sich nicht einmal
einigen könnten, wer diese Leiter in den Besenschrank zurückstellen
dürfe. So bleibe sie nun seit 150 Jahren an ihrem Platz. Und kopfschüttelnd
wendet man sich ab und geht weiter. Und freut sich darüber, daß
die eigene Kirche in der Heimat schon so viel weiter ist in ihrer ökumenischen
Weite.
Daß dieses Zerrbild die Wirklichkeit der Kirchen in Jerusalem
kaum annähernd trifft, zeigte einmal mehr die "Gebetswoche
zur Einheit der Christen", die am gestrigen Sonntag (1.Februar)
- eine Woche später als in anderen Teilen der Welt - mit einem
Gottesdienst zu Ende ging. In einer ökumenischen Vielfalt, die
in Deutschland (und sonst auf der Welt) wohl selten oder nie anzutreffen
ist, besuchten sich Christen aus den verschiedensten traditionellen
Kirchen zu täglichen Gebetszeiten in ihren jeweiligen Kirchen:
Ob römisch-katholisch oder griechisch-katholisch, syrisch-orthodox
oder koptisch-orthodox, äthiopisch oder armenisch, lutherisch oder
anglikanisch: Sie alle kamen zusammen mit einem gemeinsamen Anliegen.
Abt Benedikt von der Benediktinerabtei Hagia Maria Sion drückte
es beim Gebetstreffen im traditionellen "Abendmahlssaal",
dem Ort des ersten Pfingstfestes und der Urgemeinde, so aus:
"Wir kommen zusammen, um zu beten, wir kommen zusammen um zu glauben.
Wir kommen zusammen um zu lieben. Wir kommen zusammen, Gott um den Frieden
zu bitten, den er allein uns geben kann. Ich möchte einladen und
Mut machen, es so zu machen wie die Apostel: Jetzt ist die Stunde der
Einheit, der Versöhnung und der Liebe. Und ich bin überzeugt,
dass dieser Friede Gottes jetzt schon bei uns gegenwärtig ist:
Geteilt und doch vereint im Gebet, werden wir als Christen ein deutliches
Zeichen in dieser Welt sein."
Vater Afraym
von der syrisch-orthodoxen Kirche ermutigte die Gläubigen zum Vertrauen
auf Gott auch in schwierigen Umständen: "Er ist es, der Wind
und Wellen beruhigt hat und das Boot der Jünger mit Sicherheit,
Ruhe, Frieden und Geborgenheit erfüllte. Er ist derselbe, gestern,
heute und für immer. Und er möchte auch in deinem Herzen und
Leben wohnen.
Er klopft an
- öffne ihm und sage: Herr, komm und wohne in meinem Herzen! Wenn
der Heilige Geist uns leitet, dann werden wir erfüllt mit Liebe,
Frieden und Freude. Wir werden auf andere zugehen mit offenem Herzen,
Geduld und Langmut, so daß sie in uns das Licht und die Liebe
Christi sehen können. Wenn der gute Hirte das Boot unseres Lebens
steuert, dann kann keine Macht der Welt uns abbringen von seinem Ziel
oder es daran hindern, das Reich Gottes zu erreichen."
Überschattet
wurde die Gebetswoche von der aktuellen Diskussion um den Mauerbau in
den palästinensischen Gebieten, ebenso wie durch den Anschlag auf
einen israelischen Bus am Donnerstag. Rowan Williams, Erzbischof von
Canterbury und weltweites Oberhaupt der anglikanischen Kirche, ging
in seiner Predigt auf die Spannungen im Land ein und ermahnte die Christen
dazu, der Berufung zu folgen, die Paulus im Epheserbrief schildert (Eph
2,14): "Denn er ist unser Friede, der aus beiden eines gemacht
hat und den Zaun abgebrochen hat, der dazwischen war, nämlich die
Feindschaft. Damit schuf er in sich selber aus den zweien einen neuen
Menschen und machte Frieden und versöhnte die beiden mit Gott in
einem Leib durch das Kreuz, indem er die Feindschaft tötete durch
sich selbst."
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(Bild: Gebetsversammlung
im "Abendmahlssaal" auf dem Zionsberg
"Was oft nicht beachtet
wird,", so Williams, "ist die Tatsache, dass Christus nicht
nur den Zaun abbricht, sondern etwas neues aufbaut. Mit Christus als dem,
der den neuen Bau zusammenhält, kann es EINE neue Menscheit geben.
Aber diese muß erst gebaut werden, auch wenn Christus sie zuallererst
möglich gemacht hat durch seinen Tod und seine Auferstehung. Der
Weg zu Gott ist offen, für Menschen aller Rassen, auch wenn ihre
Unterschiede nicht aufgehoben werden."
Williams, dessen Besuch in
Jerusalem mit dem weltweiten Tag gegen Antisemitismus zusammenfiel, erinnerte
an Worte von Dietrich Bonhoeffer:
"Bonhoeffer sagte in den
letzten Tagen des Krieges, die Kirchen in Deutschland hätten ihre
Glaubwürdigkeit verspielt, weil sie sich nur um ihre eigenen Probleme
gekümmert und für ihre eigene Freiheit gekämpft haben,
anstatt sich für ihre Nachbarn einzusetzen, deren Leben in Gefahr
war - für die Juden in Deutschland. Eine prophetische und apostolische
Kirche muß deshalb ihr Augenmerk immer auf die richten, die am meisten
in Gefahr sind in diesem Moment - Juden und Nichtjuden gleichermaßen,
und nicht nur auf ihre eigenen inneren Streitereien. Und ich bin mir bewußt,
daß das in erster Linie auch eine Rüge an meine eigene Kirche
ist."
Guido Baltes
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Guido Baltes, Christustreff
Jerusalem
Das Christustreff ist
eine ökumenische Gemeinschaft mit Sitz in Marburg und unterhält
seit 10 Jahren ein Begegnungszentrum in der Jerusalemer Altstadt
(Johanniter-Hospitz)
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