1. Ich habe nicht erst
heute morgen angefangen, über mein Eröffnungsstatement für
die Podiumsdiskussion zur "Zukunft des Priestertums" nachzudenken.
Aber es hat sich so gefügt, dass ich heute morgen in der Heiligen
Messe bei der Tageslesung auf die Stelle aufmerksam wurde, wo der
Hebräerbrief den Psalm zitiert: "Du bist Priester auf ewig
nach der Ordnung Melchisedeks." (Hebr. 7,17). Die Zukunft des
Priestertums kann christlich nur die Zukunft des einzigen wahren
Hohenpriesters sein: Jesus Christus. Er ist Priester auf
ewig. Na bitte, da haben wir es ja. - Nun, da haben wir es natürlich
noch nicht. Jedenfalls nicht ganz. Aber immerhin: "Sooft ihr
von diesem Brot esst und aus dem Kelch trinkt, verkündet ihr
den Tod des Herrn, bis er kommt." (1 Kor 11,26). Die Zukunft
ist für alle Christen die Zwischenzeit zwischen dem Tod und der
Auferstehung Christi und seiner Wiederkunft in Herrlichkeit. Und da,
wo dieses Glaubensgeheimnis gefeiert wird, steht der Priester. Dafür
steht der Priester. Und bis dahin wird es ihn geben, dass der Herr
selbst wiederkommt.
2. Was nun die nähere
und konkretere Zukunft des Priestertums, wie wir es in unserer Kirche
kennen, betrifft, will ich drei Punkte ansprechen. Von der Zukunft
des Priestertums zu sprechen, heißt von der Zukunft der Kirche
sprechen, von der beruflichen Zukunft derer zu sprechen, die aktuell
Priester sind, und vom Priesternachwuchs von den künftigen Priestern
zu sprechen.
Die Zukunft der Kirche ist die Zukunft der Priester und umgekehrt.
Die Kirche ist auch künftig nicht denkbar ohne Priester. Bei
allem Respekt vor den anderen kirchlichen Diensten und pastoralen
Berufen wird man dennoch sagen müssen: Das geistliche Amt, der
Dienst der Geweihten ist für die Kirche so wesentlich, gehört
so unmittelbar zu ihrem Wesen, dass sie nicht ohne Priester denkbar
ist. Ich glaube, ich darf die große Zahl von Anwesenden und
ihr Interesse in diesem Sinn interpretieren, dass es bei der Zukunft
des Priestertums nicht um die Aussichten für einen Berufsstand
geht, sondern um die Zukunft der Kirche selbst, an der uns allen gelegen
ist. Was bedeuten aber dann die "Priesterlosigkeit" und
der "Priestermangel"? Das ist ein Phänomen der Ungleichzeitigkeit.
Ein Mangel fällt da auf, wo noch alte Strukturen bestehen, in
deren Gefüge der Platz des Priesters nicht besetzt ist. Aber
diese Strukturen ändern sich ja auch schon. Mit oder ohne Priester
sind sie dabei sich zu ändern und müssen sich ändern.
3. Die Zukunft des Priestertums
hat den Aspekt der persönlichen beruflichen Zukunft eines
Priesters, der heute im aktiven Dienst steht. Sieht er persönlich
einer verheißungsvollen Zukunft entgegen, einem Alter in Würde,
einer Vollendung seiner beruflichen Tätigkeit. Das Lebenswerk
des Priesters, auf das er zurückschaut, ist bei manchen der Bau
eines Pfarrheims oder die Renovierung seiner Kirche. Aber eigentlich
ist das Tun des Priesters darstellendes, nicht herstellendes Tun.
Es vollendet sich im Vollzug. Wir kennen alle eine Reihe von alten
Pfarrern. Wo immer einer Würde, Reife, Abgeklärtheit, Weisheit
ausstrahlt, leuchtet auch die Zukunftsfähigkeit des Priestertums
auf. Ein solcher wirbt für den Beruf, auch ohne ausdrück-lich
etwas zu sagen. Leider gibt es auch verbitterte, abgehärmte,
müde gewordene Priester. Es ist zu fragen, was ganz konkret in
der Kirche geschehen kann, was jeder einzelne, eine be-stimmte Gemeinde
und die Verantwortlichen dazu beitragen können, unseren Priestern
eine berufliche Laufbahn zu ermöglichen, die ihnen ein Alter
in Würde schenkt.
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4. Diese persönliche,
langfristige berufliche Festlegung ist meiner Einschätzung nach
das größte Hemmnis, das dem Entschluss, Priester zu werden,
entgegensteht: sich ein für allemal zu entscheiden, in eine fragliche
Zukunft hinein. Aber wo es jemand wagt und sich weihen lässt, da
verkörpert er in der Kirche die Werte der Verbindlichkeit und der
Treue, wahrlich ein kostbares Gut in unserer Zeit. Das bringt unsere
Zeit aber nicht einfach aus sich selbst hervor. Darum sollte man nicht
einfach darauf warten, bis sich die Verhältnisse wieder zum Günstigeren
wenden, bis etwa in stabileren Familien mehr Kinder aufwachsen, bis
die christliche Theologie wieder zum Orientierungswissen einer gesellschaftlichen
Mehrheit oder Elite wird, bis unsere Liturgie erneut kulturprägende
Kraft gewinnt
Das wird nicht einfach so geschehen.
Daher werbe ich dafür,
sich aktiv um Priesternachwuchs zu bemühen und den Berufungs-gedanken
zu fördern. Diese Werbung zielt freilich nicht darauf, die alten
Strukturen weiter zu unterhalten, sondern lädt ein, die geistliche
Erneuerung der Kirche zu betreiben und die Neuevangelisierung des neuen
Jahrtausends. Für diese große Aufgabe setze ich auf Priester
als treibende Kraft. Wenn das große Werk erst einmal anläuft,
werden auch genügend Priester da sein, um sich ihm zu widmen.
| Dr. Franz Joseph Baur
ist Regens des Erzbischöftlichen Priesterseminars St. Johannes
der Täufer in München |
Zukunft
des Priestertums: Einführung
Stellungnahme
von Prof. Dr. Gerd Häfner
Externe Links:
Erzbischöfliches
Priesterseminar St. Johannes der Täufer in München
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