1. »Zukunft des Priestertums« ist für mich ein schwieriges
Thema, denn ich befasse mich beruflich weder mit dem Priestertum noch
mit der Zukunft.
Ein erster Blick ins Neue Testament ergibt: Wir stoßen
-
auf einen
christologischen Begriff im Hebräerbrief (Jesus Christus als
Hoherpriester),
-
auf den
Gedanken des Priestertums aller Gläubigen (1Petr 2,9),
-
auf den
Begriff »Presbyter«: in der Apostelgeschichte, im 1.
Petrusbrief und im 1. Timotheusbrief für Amtsträger gebraucht.
Außerdem auf »Episkopen und Diakone«
Aber auch
dort, wo wir es sicher mit einer Funktionsbezeichnung zu tun haben,
ist unklar, welche Kompetenzen sich genau mit dem »Presbyter«,
dem »Episkopos« oder dem »Diakon« verbinden.
2. Im Neuen Testament ist eine Entwicklung erkennbar von relativ freien
Organisationsformen hin zu festeren Strukturen.
- Paulus schreibt seine
Briefe an die ganze Gemeinde, nicht an Verantwortliche. Er kennt das
Charisma zu leiten (1Kor 12,28), spricht von solchen, die vorstehen
und zurechtweisen (1Thess 5,12), doch wird hier nie das Profil eines
Amtes erkennbar. Wir wissen auch nicht, welche Funktion genau Phoebe
hatte, die als Diakon der Gemeinde von Kenchreae bezeichnet wird (Röm
16,1f). Ein eigenes Problem stellt die Nennung der »Episkopen
und Diakone« in Phil 1,1 dar. Da sie im ganzen weiteren Brief
keine Rolle mehr spielen, ist völlig unklar, was sich hinter
diesen Bezeichnungen verbirgt.
Zwar hat es in den paulinischen Gemeinden sicher verschiedene Funktionen
gegeben, doch ergab sich eine Aufgabenverteilung durch die verschiedenen
Charismen, nicht durch eine gegebene Ämterstruktur.
- Diese charismatische Ordnung
hat sich in den paulinischen Gemeinden nicht durchgehalten. Die Pastoralbriefe,
um die Jahrhundertwende geschrieben, vertreten im Namen des Paulus
ein anderes Gemeindemodell.
Ganz eindeutig lässt
es sich im Detail nicht erheben, da keine Abgrenzung verschiedener
Funktionen und Kompetenzen stattfindet (genannt sind Episkopos, Diakone
und Presbyter). Wahrscheinlich favorisieren diese Briefe den einen
Gemeindeleiter an der Spitze in Gestalt des Episkopos. Er soll dafür
verantwortlich sein, dass die Gemeinde bei der »gesunden Lehre«
bleibt. Dies geht einher mit dem Ausschluss von Frauen aus verantwortlichen
Positionen des Gemeindelebens (1Tim 2,9-15; 5,3-16).
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3. Warum ist es zu dieser
Entwicklung gekommen?
- Grundsätzlich liegt
die Ausbildung fester Strukturen nahe. Der charismatische, relativ
»unorganisierte« Beginn war nicht auf Dauer durchzuhalten.
Man musste Stabilität durch Ordnungen gewinnen, weil die Charismen
nicht dauerhaft, sondern persongebunden waren. In der um 100 n.Chr.
entstandenen Schrift Didache kann man diesen Wandel noch recht
gut erkennen (Did 13,4; 15,1f).
- Die Frage kann aber noch
konkreter gestellt werden: Warum ist es zu dieser Entwicklung gekommen,
hin zum einen Gemeindeleiter, mit dem Ausschluss von Frauen aus der
aktiver, verantwortlicher Mitarbeit? Wahrscheinlich muss die Antwort
zwei Dimensionen enthalten.
- Zum einen zeigt sich eine Reaktion auf Positionen, die der Autor
der Pastoralbriefe als gegnerisch bekämpft. Die Gegner traten
wohl für eine aktive Beteiligung von Frauen am Gemeindeleben
ein; so wird die neue Gemeindestruktur zu einem Aspekt der Gegnerbekämpfung.
- Zugleich zeigt sich eine Anpassung an Wertmaßstäbe der
Umwelt. Die Glaubenden sollen sich so verhalten, dass »das Wort
nicht verlästert wird« (1Tim 6,1; Tit 2,5 - jeweils im
Zusammenhang der Erfüllung einer bestimmten Rolle). Der Episkopos
muss bei »denen draußen« in gutem Ruf stehen (1Tim
3,7). Frauen werden zurückgedrängt in die Rolle, die in
der hellenistischen Umwelt als ideal betrachtet wurde.
Man kann auch formulieren: Der Verfasser der Pastoralbriefe nimmt
die in der Umwelt geltenden Maßstäbe positiv auf und reagiert
so, indem er die innergemeindlichen Rollen verändert, auf die
Herausforderungen seiner Zeit.
4. Wir finden im Neuen Testament keine Struktur, die Verständnis
und Gestaltung des kirchlichen Amtes festlegen würde. Es ergibt
sich eine Entwicklung, die zeigt, dass man auf die neuen Herausforderungen
in der späteren Zeit auch strukurell reagiert hat - ohne Berührungsängste
zur umgebenden Kultur.
So könnte sich folgender Impuls aus dem Neuen Testament ergeben:
Notwendig ist, von der jetzigen Situation auszugehen und das gegenwärtig
Notwendige zu bestimmen. Kreative Lösungen, die zu neuen Formen
des kirchlichen Amtes finden, legen sich vom Neuen Testament her durchaus
nahe. Das Neue Testament ist auch in dieser Frage ein Dokument der Verschiedenheit
und Entwicklung.
| Gerd Häfner ist seit
2002 Professor für biblische Einleitungswissenschaft an der Katholisch
Theologischen Fakultät der Ludwig-Maximlians-Universität
München.
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Zukunft
des Priestertums: Einführung
Zukunft
des Priestertums: Stellungnahme von Regens Dr. Franz Joseph Baur
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