Die Römisch-Katholische Kirche

Von allen christlichen Konfessionen ist die Römisch-Katholische Kirche mit am Abstand die Größte. Fast eine Milliarde Menschen gehören zu ihr und sie ist nahezu in aller Welt vertreten.

Der Papst und Rom
Ihr Oberhaupt ist der Papst. Dieser führt sein Amt als Papst und als Bischof von Rom über eine ununterbrochene Sukzession auf den Apostel Petrus zurück. Von manchen Kirchengeschichtlern wird hier zwar Einspruch erhoben, aber trotz mancher Unsicherheiten ist jedenfalls auch der Beweis des Gegenteils nicht gelungen. Die konkrete Ausgestaltung des Amtes hat sich aber über die Zeit durchaus gewandelt. So war in der Zeit der alten Kirche die genaue Stellung des römischen Bischofs umstritten, auch wenn ihm immer eine besondere Stellung zugeschrieben worden ist. Heute ist der Papst das unumstrittene Oberhaupt der Kirche. Er ernennt die Bischöfe vor Ort. Er ist in allen Fragen von Sitte und Lehre die letzte Instanz. Allerdings sind entgegen der weitverbreiteten Meinung nach katholischen Glauben nicht alle seine Entscheidungen unfehlbar. Die Unfehlbarkeit beschränkt sich auf wenige besonders gewichtige Entscheidungen, bei denen dies noch dazu ausdrücklich gesagt sein muß. Unterstützt wird er von der sogenannten Kurie. Dabei handelt es sich um den Behördenapparat, den man bei der Verwaltung einer so großen Institution nun mal benötigt.

Das dreigliedrige Amt - Die sieben Sakramente
In der Römisch-Katholischen Kirche gibt es Diakone, Priester und Bischöfe. In dieser Beziehung gibt es keine Unterschiede zu den anglikanischen und orthodoxen Kirchen. Sieben Sakramente werden gespendet: Taufe, Eucharistie, Firmung, Weihe, Ehe, Beichte und Krankensalbung.

Der Glaube
Die wichtigsten Bekenntnisse der römisch-katholischen Kirche sind das apostolische und das Nizäno-Konstantinopolitanische (das sogenannte Große) Glaubensbekenntnis. Letzteres teilt sie mit allen großen Kirchen, das Apostolische immerhin mit allen großen westlichen Kirchen. In den grundsätzlichsten Bekenntnissen gibt es also Übereinstimmung. Die Autorität des Papstes und die Dogmen der letzten Jahrhunderte, also die Unbefleckte Empfängnis Mariens sowie ihre leibliche Aufnahme in den Himmel, wie auch die Unfehlbarkeit des Papstes lehnen die anderen Konfessionen jedoch ab. Zumindest akzeptieren sie die Glaubenssätze nicht als Dogma. So mag es durchaus sein, daß ein Theologe einer anderen Konfession die leibliche Aufnahme Mariens in den Himmel ausdrücklich bejaht aber als verpflichtenden Glaubenssatz würde er ihn deshalb noch lange nicht anerkennen.

Zwischen Schwerfälligkeit und Dynamik
Von Außen erscheint die Kirche oft wie ein unbeweglicher Koloß, der auf die Entwicklungen der Zeit nur langsam oder überhaupt nicht reagiert. Manchmal ist dieser Eindruck richtig. Wobei nicht vergessen werden sollte, das es hin und wieder auch ein Vorteil sein kann, eine Mode verpasst zu haben. Aber manchmal fällt es einer so großen Organisation auch schwer, auf die Probleme vor Ort zu reagieren. Doch ganz so eindeutig ist die Situation nicht. Kaum jemand hätte sich vor fünfzig Jahren das II. Vatikanische Konzil und die dadurch ausgelösten Entwicklungen vorstellen können. Und doch sind sie geschehen. Solche Entwicklungen gab es häufiger in der Geschichte dieser Kirche. So wird man vielleicht noch so manche ähnliche Überraschung erleben können.

Thomas Gerold