Rowan
Williams neuer Erzbischof von Canterbury
Am heutigen Dienstag, den
23. Juli 2002, ernannte Queen Elizabeth II Rowan Williams zum neuen
Erzbischof von Canterbury. Antreten wird er sein neues Amt jedoch erst
Ende Oktober, wenn der Rücktritt seines Vorgängers George
Carey wirksam wird.
Als Erzbischof von Canterbury
ist er Diözesanbischof von Canterbury, Primas von ganz England
und Oberhaupt der ganzen Anglikanischen Gemeinschaft. In letzterer Funktion
ist er aber eher eine Art Ehrenoberhaupt, das zwar über großen
Einfluß, aber wenig Macht verfügt. Dazu kommen Funktionen
innerhalb des Britischen Staates. Gewöhnlich zelebriert er die
Gottesdienste, mit denen Großbritannien große nationale
Ereignisse begeht. So krönt er z. B. den Monarchen.
Geboren wurde Williams 1950.
Nach einem Studium in Oxford, das er mit einer Promotion über das
russische Christentum abschloß, wurde er zum Priester geweiht.
In der Folgezeit lehrte er zunächst in Cambridge, dann in Oxford,
wo er die sehr renommierte Position "Lady Margaret Professor of
Divinity" innehatte. International gilt er als bedeutender Theologe.
1992 wurde er zum Bischof von Monmouth (Wales) geweiht. 1999 wurde er
darüber hinaus zum Erzbischof von Wales und damit zum Primas der
Church of Wales gewählt.
IWilliams
wird zum liberalen Flügel der anglikanischen Kirche gezählt.
So wurde er heftig dafür kritisiert, einen praktizierenden Homosexuellen
zum Priester geweiht zu haben. In dieser Frage könnte seine Haltung
international zu schweren Konflikten führen. In theologischen Fragen
kann man ihm nicht vorwerfen, die entscheidenden christlichen Positionen
aufzugeben (eine nähere
Beschäftigung mit seiner Theologie wird wohl Ende der kommenden
Woche folgen). Er gilt als sehr spiritueller Mensch und überlegte
während seines Studiums sogar Mönch zu werden. Der Politik
gegenüber ist er kritisch. So sind ihm die sozial Schwachen wichtig.
Kürzlich griff er mit der Forderung in die auch in Großbritannien
geführte Erziehungsdebatte ein, auch die sozialen und emotionalen
Bedürfnisse der Kinder nicht zu kurz kommen zu lassen. Auch verurteilte
er mögliche Angriffe auf den Irak. Diese Kritik an Premierminister
Blair galt als möglicher Stolperstein auf dem Weg nach Canterbury,
da dem Premier beim Auswahlprozess
eine Schlüsselstellung zukam. Man kann hier über Williams
Positionen sehr unterschiedlicher Meinung sein. Aber man muß ihm
den Mut zugestehen, auch dann deutlich zu werden, wenn es unbequem ist.
Thomas Gerold