Die Queen wir 80
Am 21. April wird Königin
Elizabeth 80. Auch wenn sie über keine direkte politische Macht
verfügt, so ist sie doch seit mehr als fünfzig Jahren weltweit
präsent. Diese Dauerpräsenz über mehr als ein halbes
Jahrhundert macht sie zu einer der außergewöhnlichen Persönlichkeiten
unserer Zeit.
Geboren wurde Elizabeth am
21. April 1926 in London. Damals war Großbritannien Zentrum eines
weltumspannenden Empires, zu dem u.a. Indien einschließlich Pakistans
und Bangladeschs, ein Teil Afrikas, ein Teil der Karibik und zahlreiche
weitere Gebiete gehörten. Auch die Verbindung zwischen Großbritannien
und Australien, Kanada und Neuseeland war damals noch sehr eng. Großbritannien
war eine bedeutende Weltmacht. Gleichzeitig war diese Weltmacht allerdings
von inneren Spannungen erschüttert. Es herrschte gerade zu diesem
Zeitpunkt Generalstreik. Angst ging um: Die Ober- und Mittelschicht
fürchtete, eine blutige Revolution nach dem Vorbild Russlands.
Die Geburt der neuen Prinzessin ging in diesem Chaos beinahe unter.
Noch erschien es unwahrscheinlich,
dass Prinzessin Elizabeth jemals in der britischen Monarchie eine wichtige
Rolle spielen könnte. Ihr Vater war der zweitgeborene Sohn Georgs
V, der zu diesem Zeitpunkt noch regierte. Dessen ältester Sohn
war Prince of Wales und damit als König vorgesehen. Elizabeths
Vater dagegen unternahm zwar viele Termine, aber er stand klar in der
zweiten Reihe und hoffte auch, sich zunehmend ins Privatleben zurückziehen
zu können. Er hatte mit Stottern zu kämpfen, weshalb ihm die
großen Auftritte nicht lagen. Diese konnte er meist nur mit Hilfe
seiner Frau Elizabeth bewältigen.
Doch einige Jahre später,
1937 sollte alles anders kommen. Georg V starb. Sein ältester Sohn
wurde als Edward VIII zum König proklamiert. Doch er hatte eine
enge Beziehung zu Wallis Simpson, einer mehrfach geschiedenen Amerikanerin,
deren Scheidung mit ihrem damaligen Ehemann noch nicht einmal abgeschlossen
war. Edward bestand dennoch darauf, Wallis zu heiraten, Kirche und Regierung
waren allerdings entschieden dagegen. So jemand war als Frau des Oberhaupts
der englischen Kirche nicht tragbar und auch ansonsten nicht in einer
solchen Rolle vermittelbar. Allenfalls eine Handvoll der Abgeordneten,
darunter Churchill, hätte Edward noch unterstützt. Deshalb
zog dieser die Konsequenzen und trat zurück. Damit bestieg Elizabeths
Vater als Georg VI den Thron. Und das als jemand, der selbst öffentliche
Auftritte fürchtete, und auch noch zu einem Zeitpunkt, an dem durch
das Verhalten seines Bruders das Ansehen der Monarchie sehr beschädigt
war. Nicht wenige sahen unter diesen Umständen das Ende der Monarchie
kurz bevorstehen.
Doch es kam anders. 1939
kam das Unheil des II. Weltkriegs. Nach der Niederlage Frankreichs stand
Großbritannien fast allein Hitler gegenüber. Die Luftschlacht
über England tobte und überall ging die Angst vor einer Invasion
um. In dieser bedrohlichen Krise bekam das Königshaus als Symbol
der Nation eine völlig neue Bedeutung. Es wurde zum integrierenden
Moment im Chaos. Und durch die Besuche in den bombardierten Teilen Londons
bekamen der eher schüchterne Georg VI und dessen Frau Elizabeth
eine Popularität, wie sie noch nie da gewesen war.
Auch das Leben von Prinzessin
Elizabeth veränderte sich mit dem Beginn des Krieges. Zunächst
wurde sie vom Buckingham Palace ins sicherere Windsor Castle gebracht,
wo ihre Ausbildung weiterging. Gelegentlich wurden ihr repräsentative
Pflichten übertragen, so hielt sie eine Ansprache an aus London
evakuierte Kinder. Und gegen Ende des Krieges wurde auch sie zur Armee
eingezogen. Ihre Aufgabe war die Mithilfe bei der Reparatur und das
Fahren von Lastwagen.
1947 wurde Queen Elizabeth
21 und damit volljährig. Sie begleitete ihre Eltern auf einen offiziellen
Besuch nach Südafrika, wo sie in einer öffentlichen Ansprache
ihr Leben dem Britischen Empire bzw. dem Commonwealth widmete. Wenig
später im November 1947 heiratete sie den Marineoffzier Prince
Philip, einen griechischen Prinzen, der aber nach der Verbannung seiner
Eltern schon länger in Großbritannien lebte und auch in der
Britischen Marine diente. 1948 wurde mit Charles schon der erste Sohn
geboren. Wenig später ging sie mit Philip zeitweise nach Malta,
wo dieser als Offizier stationiert war. Außerdem erhielt sie verschiedene
repräsentative Aufgaben, um ihren Vater zu entlasten, der gesundheitlich
angeschlagen war.
Anfang 1952 brach Prinzessin
Elizabeth zu einer Reise durch den Commonwealth auf, die mehrere Monate
dauern sollte. Sie vertrat ihren Vater, der für eine solche Strapaze
zu krank war. Doch schon wenige Tage später, am 6. Februar 1952,
starb Georg VI überraschend im Schlaf. Elizabeth war damit Königin.
Sie kehrte sofort nach London zurück, wo sie von Premierminister
Churchill begrüßt wurde. Ihre offiziellen Aufgaben begannen
mit dem Staatsbegräbnis für ihren Vater. Weitere Pflichten
folgten ununterbrochen und haben bis heute nicht aufgehört.
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Was sind die Aufgaben einer
Königin heute? Sie spielt immer noch eine wichtige konstitutionelle
Rolle. Für eine ganze Reihe von Positionen in Großbritannien,
einschließlich der des Premierministers, ist offiziell die Ernennung
durch die Queen notwendig. Im Fall des Premiers wird der Vorsitzende
der Mehrheitspartei des Unterhauses ernannt, sofern es eine klare Mehrheit
gibt. Die meisten anderen Ernennungen erfolgen auf Vorschlag der Regierung,
aber offiziell werden sie erst durch die Queen. Auf Vorschlag des Premiers
löst sie das Parlament auf. Durch ihre Unterschrift werden Parlamentsbeschlüsse
zu Gesetzen. Sie ist Staatsoberhaupt und repräsentiert das Land
auf Auslandsreisen und als Gastgeberin bei Staatsbesuchen auswärtiger
Staatsoberhäupter. Außerdem ist sie weltliches Oberhaupt
der anglikanischen Church of England. Auch das gesamte System der nationalen
Ehrungen, von der einfachen Auszeichnung bis zur Ritterwürde ist
auf das Engste mit der Monarchie verknüpft. Die Orden werden von
ihr verliehen. Meist geschieht dies auf Vorschlag der Regierung, einzelne
Ehrungen, darunter die höchsten wie den Hosenbandorden, kann sie
aber nach eigenem Ermessen verleihen. Darüber hinaus spielt sie
eine bedeutende Rolle für das Militär, dessen Oberhaupt sie
ist. Auch wenn diese Rolle eher repräsentativ ist, sind sie und
ihre Familie dort sehr präsent. Und nicht zuletzt spielen die Königin
und die königliche Familie eine bedeutende Rolle für weite
Bereiche des sozialen und kulturellen Sektors Großbritanniens.
Eine Organisation die ein Mitglied des Königshauses oder gar die
Queen selbst als Schirmherr bzw. als Schirmherrin gewinnen kann, kann
leichter Spenden und Mitglieder gewinnen als ohne diese Unterstützung.
Es versteht sich von selbst, dass eine solche Schirmherrschaft auch
eine persönliche Präsenz notwendig macht. Das ergibt eine
Vielzahl von Aufgaben, welche von der Queen bis heute erfüllt werden.
Ein erster Höhepunkt
der Amtszeit der Queen war ihre Krönung 1953. Sie war eine Verbindung
aus einem weit in die Geschichte zurückreichendem Ritus, der Salbung
und der Krönung, einen schwer zu übertreffenden Glanz, der
Elemente aus vielen Jahrhunderten vereinte, und dem beginnenden Fernsehzeitalter.
Diese Krönung war die erste, die im Fernsehen übertragen wurde.
Gleichzeitig nahm die Queen den religiösen Aspekt der Krönung
zutiefst ernst. Sie versteht sich als für das ganze Leben gesalbt.
Die kommenden Jahrzehnte
waren vom kalten Krieg und vom Rückzug aus dem Empire geprägt.
Auch wenn sich Großbritannien bemühte, sich dabei nicht in
große Kriege verwickeln zu lassen, wie Frankreich mit dem Algerienkrieg,
so verlief, wie die Suezkrise zeigt, auch der britische Rückzug
nicht ohne Auseinandersetzungen. Die Queen konnte diese Entwicklungen
nicht direkt beeinflussen. Aber sie war - und ist - immer sehr nahe
am politischen Geschehen. Sie empfängt wöchentlich den Premierminister
zu einer Audienz. Deren Inhalte dringen nicht nach außen. Nach
Tony Blair ist sie außer der eigenen Frau die einzige Person in
der Welt, der ein Premierminister ehrlich sagen kann, was er von seinen
Kabinettskollegen hält. Die Queen nimmt diese Audienzen sehr ernst.
Man sollte nicht übersehen, dass ihr erster Premierminister Winston
Churchill war, womit sie über einen beachtlichen Erfahrungsschatz
verfügt. Und vor allem kann sie, gerade weil sie keine Parteipolitikerin
ist, die nationale Einheit symbolisieren. Sie steht über den verbissenen
Debatten, sie war nie daran beteiligt und kann deshalb viel besser integrierend
Wirken als es ein gewählter Präsident könnte.
Schlagzeilen machten natürlich
die Krisen in der Familie. In den achtziger und neunziger Jahren scheiterten
die Ehen von dreien ihrer Kinder. Darunter auch die Ehe des Thronfolgers.
Das erschütterte das Ansehen der Familie zutiefst. Der Höhepunkt
der Krise war mit dem Tod Dianas 1997 erreicht. Damals schien die Zukunft
der Monarchie in Gefahr. Aber seitdem geht es wieder aufwärts.
Wie wird es mit der Queen
weitergehen? Als sicher kann gelten, dass sie nicht abdanken wird. Im
Augenblick ist sie bei sehr guter Gesundheit und das Beispiel ihrer
Mutter, die immerhin 101 wurde, lässt es nicht unwahrscheinlich
erscheinen, dass sie noch viele Jahre regieren wird. Sie wird vermutlich
mehr und mehr ihrer Aufgaben an ihren Sohn Prinz Charles übertragen.
Und sie wird eine zumindest erweiterte Rolle finden. Seit dem Tod ihrer
Mutter übernimmt sie auch deren Rolle als Großmutter der
Nation. Sie ist diejenige, die für die meisten schon immer da war,
und die damit auch durch ihr Alter und ihre lange Regierungszeit schon
für Kontinuität steht. Und alles sieht danach aus, dass dies
noch viele Jahre so weitergehen wird.
Thomas Gerold
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