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Der
Berg in den Wolken
Besuch
in buddhistischen Klöstern
Die Welt
wächst immer mehr zusammen. Auch die Begegnung mit anderen Religionen
wird daher ständig zunehmen. Man denke nur an die vielen muslimischen
Gläubigen, mit denen wir Tür an Tür leben. Auf solche
Nachbarn zugehen, ihren Glauben ernst nehmen und darüber bei Gelegenheit
ins Gespräch kommen, ist nicht nur eine Frage der Höflichkeit,
sondern hat auch einen tieferen religiösen Hintergrund: »Die
katholische Kirche lehnt nichts von alledem ab, was in diesen Religionen
wahr und heilig ist« (2. Vatikanisches Konzil). Man muss nicht
Moslem oder Buddhist werden, wenn man sich intensiver mit solchen Religionen
beschäftigt. Es hilft vielmehr dabei, den eigenen Glauben besser
zu verstehen und zu leben.
Berührungspunkte
Für uns christliche Mönche gibt es eine gewisse natürliche
Nähe zum Bud-dhismus. Der Buddhismus ist eine Religion, die vor
allem in Klöstern gelebt wird und die als Ideal die Lebensform
des Mönches oder der Nonne kennt. Daher haben wir immer wieder
die Erfahrung gemacht, dass sich buddhistische Mönche schnell in
christlichen Klöstern zuhause fühlen und umgekehrt. Viele
Elemente wie die straffe Tagesordnung, das Schweigen, eine ausgeprägte
Symbolsprache und das Gebet sind uns gemeinsam.
Christliche
Meditation
Im August 2002 ging es für drei Wochen nach Korea, wo wir in zwei
christlichen und zwei buddhistischen Klöstern lebten. Unsere Gruppe
bestand aus 15 Personen, die bereits durchgehend tiefere Kenntnisse
im Bereich Meditation und Buddhismus mitgebracht hatten, sei es durch
persönliche mehrjährige Meditationserfahrung oder durch ein
theologisches Studium. Wir hielten uns zunächst in einem christlichen
Kloster in Seoul auf, das sich auf die Einbindung asiatischer Meditationsformen
in Gebet und Gottesdienst spezialisiert hatte. So wurde die Anbetung
im Lotussitz statt im Knien vorgenommen. Dabei wurde über einen
Satz, z.B. aus dem Vaterunser, etwa eine halbe Stunde meditiert. Die
Meditation ging in stille Anbetung über. Am Schluss wurde dann
der vollständige Text aufgesagt, in dem dieser Satz enthalten war.
Anfängliches
Misstrauen
Beim anschließenden Aufenthalt in dem kleinen buddhistischen Kloster
Daewonsa wurden wir sehr freundlich, aber auch etwas vorsichtig aufgenommen.
Nach zwei Tagen war jedoch das Eis gebrochen, und wir erfuhren den Grund
für die anfängliche Distanz: seit einigen Jahren missionieren
amerikanische Protestanten mit viel Geld und großer Penetranz
in Korea. Dabei haben sie auch buddhistische Tempel angezündet
und Buddhastatuen zerstört. Wir lebten einige Tage mit den Mönchen,
wobei wir uns völlig ihrem Lebensstil anglichen, zum Beispiel auf
dem Holzboden auf Strohmatten schliefen. Danach ging es in das große
Kloster Tongdosa, wo ungefähr 100 Mönche leben. Nach einer
intensiven Einführung in Meditation und Rezitation verbrachten
wir die letzten Tage im Benediktinerkloster Waegwan. Die dortigen Betten
waren übrigens auch nicht viel weicher als die Strohmatten, auf
denen wir bis dahin geschlafen hatten.
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Zen-Buddhismus
Der Zen-Buddhismus kennt grundsätzlich eine gegenstandslose Meditation.
Dabei gehen und kommen die Gedanken wie Wolken. Der Meditierende erlebt
sich innerhalb dieses Wolkentreibens als den Berg, der als einziger
seinen festen Ort bewahrt. Bei der christlichen Meditation steht das
Wort stärker im Mittelpunkt. Dennoch ist dieser Unterschied nicht
so entscheidend, da auch bei der christlichen Meditation der Text zugunsten
der freien Anbetung verlassen wird. Gott ist größer als alle
Worte.
Beachtlich war, dass unsere buddhistischen Lehrmeister keinerlei Versuche
unternahmen, uns irgendwie zu bekehren. Sie wollten ihre spirituellen
Perlen mit uns teilen und dabei uns Christen zu besseren Christen machen.
Ihrerseits waren sie sehr interessiert, mehr von unserer christlichen
Tradition zu erfahren. Für sie ergaben sich dabei auch einige Überraschungen,
da nach einer unter Buddhisten verbreiteten Meinung Europa ein sehr
materialistisches Land und das Christentum eine steife Ansammlung rein
äußerer Lehrformeln ist. Fasziniert zeigten sie sich auch
an unserer reichen theologischen Tradition und Literatur, die in dieser
Form im Buddhismus nicht so ausgeprägt ist. Die Ausbildung der
buddhistischen Mönche ist vielmehr vor allem praktischer Art. Sie
erhalten über vier Jahre hinweg eine spirituelle Ausbildung, die
hohe und sehr harte Anforderungen stellt. In dieser Zeit leben sie in
großen Zenhallen, wo sie Garten- und Putzarbeiten verrichten und
in Vorträgen in die Meditation eingeführt werden. Einen wichtigen
Raum nehmen die Riten ein, also wie man richtig atmet, sitzt, steht,
geht und isst. Es gibt unter ihnen nur einige akademisch gebildete Mönche.
Mit Bescheidenheit mussten wir akzeptieren, dass eine bessere Kenntnis
des Buddhismus nicht über den Kopf oder das Bücherstudium
möglich ist. Es braucht eigene Erfahrungen. Daher bekommt man auf
alle Fragen oft nur die knappe Antwort: »Mach erst mal eine Woche
Zenübungen, dann können wir uns eine Viertelstunde darüber
unterhalten«.
Mönchtum als
Brücke
Für die Menschheit ist die Globalisierung, das zunehmende Zusammenwachsen,
wohl eine unausweichliche, aber auch hoffnungsvolle Zukunft. Auf religiöser
Ebene heißt das für uns, dass wir die anderen Religionen
besser kennen lernen müssen. Das Mönchtum kann dabei eine
wichtige Brücke zwischen Ost und West bilden
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Br. Josef Götz,
Physik-, Mathematik- und Religionslehrer in St. Ottilien, gehört
zu den Pionieren bei den vielfältigen Kontakten und Besuchen,
die sich in den letzten Jahrzehnten zwischen christlichen und buddhistischen
Klöstern ergeben haben. Mit einer Gruppe hat er in Korea buddhistische
und christliche Klöster besucht. In St. Ottilien leitet er
eine jährliche Tagung zum buddhistisch-christlichen Dialog.
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